St.Galler Kreisgericht verurteilt geständigen 28-jährigen Drogenhändler aus Serbien

Ein 28-jähriger Mann aus Serbien hat von Gossau aus mit über fünf Kilo Heroingemisch gehandelt. Ermittlungen haben ergeben, dass der Beschuldigte für eine Drogenbande tätig war. Nun hat ihn das Gericht in einem verkürzten Verfahren verurteilt.

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Der Beschuldigte lieferte Heroin aus.

Der Beschuldigte lieferte Heroin aus.

Bild: Getty

(cis) Die Untersuchungsbehörden konnten nach längerer Überwachung in Gossau eine Drogenzelle ausheben. Anfänglich wurde ein Hauptverfahren gegen sämtliche Beteiligte geführt. Bei einem der Beschuldigten wurde aber im Laufe der Strafuntersuchung ersichtlich, dass ein teilbedingter Strafvollzug in Frage kommt, weshalb gegen ihn eine separate Gerichtsverhandlung im abgekürzten Verfahren angestrebt wurde.

Sämtliche Vorwürfe bestätigt

An der Gerichtsverhandlung am Kreisgericht St.Gallen bestätigte der Mann sämtliche ihm vorgeworfene Straftaten. Demnach belieferte er zwischen dem 27.  Februar und seiner Festnahme am 20. April 2020 im Auftrag des Chefs der Drogenzelle verschiedene Abnehmer mit Heroin. Diese Abnehmer bestellten jeweils über eine Zentrale, welche die Drogenläufer losschickte, um die bestellten Drogen auszuliefern. In der Regel nahmen die Läufer auch den Kaufpreis entgegen und lieferten ihn der Zentrale ab. Der Beschuldigte sei ausschliesslich als Drogenläufer tätig gewesen und habe selber keine Bestellungen entgegengenommen, erklärte der Staatsanwalt.

Gewaltdarstellungen auf dem Handy

Die Menge der ausgelieferten Drogen war hingegen gross. Es handelte sich um mehr als 5,6 Kilo Heroingemisch. Bei einem durchschnittlichen Reinheitsgrad von rund einem Viertel ergebe dies über 1300 Gramm reines Heroin. Nach anfänglichem Zögern habe der Beschuldigte ein volles Geständnis abgelegt und damit zur raschen Aufklärung der Straftaten beigetragen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte im abgekürzten Verfahren nicht nur einen Schuldspruch wegen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz, sondern auch wegen Gewaltdarstellungen. Nach der Verhaftung hatte man auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten zwei Filmsequenzen mit Gewaltdarstellungen gefunden. Die eine zeigte, wie ein Mann von hinten erschossen wird. Ihm sei zugutezuhalten, dass er die Filme nur erhalten und nicht weiterverbreitet habe, betonte dazu der Staatsanwalt.

Er beantragte dem Kreisgericht St.Gallen eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 33 Monaten. Davon seien acht Monate zu vollziehen und bei 28 Monaten der bedingte Strafvollzug zu gewähren. Zudem sei er mit einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 10 Franken zu bestrafen und für fünf Jahre des Landes zu verweisen. Die Landesverweisung sei im Schengener Informationssystem (SIS) auszuschreiben.

Resozialisierung nicht gefährdet

Der Verteidiger erklärte in seinem Kurzplädoyer, er erachte das beantragte Urteil als gerecht und angemessen. Bevor sein Mandant in die Kriminalität abgerutscht sei, habe er sein Geld mit legaler Arbeit verdient. Er habe seine Lektion gelernt und begriffen, dass der eingeschlagene Weg keine Zukunft habe. Die Resozialisierung sei seines Erachtens nicht gefährdet. Der Beschuldigte betonte in seinem Schlusswort, er habe im Gefängnis erkannt, wie gross der Wert die Freiheit sei.

Das Kreisgericht St.Gallen kam zum Schluss, dass das abgekürzte Verfahren korrekt eingeleitet und durchgeführt wurde. Es erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Der teilbedingte Strafvollzug zeige dem Beschuldigten, dass strafbares Verhalten nicht toleriert werde, erklärte die vorsitzende Richterin. Gleichzeitig bedeute das Urteil aber auch eine Chance, sich durch ein strafloses Verhalten zu bewähren. Bei erneuter Delinquenz sei allerdings die Wahrscheinlichkeit gross, dass der bedingt ausgesprochene Teil der Strafe widerrufen werde. Die Verfahrenskosten in Höhe von über 32'500 Franken gehen zu Lasten des Beschuldigten.