Kreisgericht St.Gallen
Schnelles Geld als Kurier erträumt: Schweizer wegen Kokaintransport zu zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe verurteilt

Ein 28-jähriger Schweizer hat für eine Drogenbande Kokain von Amsterdam nach St.Gallen transportiert. Im abgekürzten verfahren verurteilte das Kreisgericht St.Gallen ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte erhoffte sich finanziellen Zustupf von den Kurierfahrten.

Der Beschuldigte erhoffte sich finanziellen Zustupf von den Kurierfahrten.

Symbolbild: Manuela Jans

Laut dem Untersuchungsamt St.Gallen ermitteln die Strafverfolgungsbehörden seit längerer Zeit gegen eine vorwiegend aus Schwarzafrikanern bestehende Gruppierung, die in der Ostschweiz grosse Mengen Kokain absetzt. «Dabei stellte sich heraus, dass in der Regel wöchentlich mehrere Kilogramm Kokain aus Amsterdam nach St.Gallen geliefert und von hier an zahlreiche Binnenkuriere übergeben werden», heisst es in der Anklageschrift. Diese verteilten das Kokain an verschiedene Abnehmer in der Schweiz.

Einer, der in diese Drogengeschäfte verwickelt war, warb im Sommer 2015 den Beschuldigten als Kurier an. Es sei der Fehler seines Lebens gewesen, das Angebot anzunehmen, erklärte der 28-Jährige an der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen. Damals vor fast sechs Jahren seien seine Pläne, sich beruflich selbstständig zu machen, bachab gegangen. Dadurch sei kein Geld mehr hereingekommen. Gleichzeitig habe es Probleme in der Beziehung mit seiner damaligen Freundin gegeben.

«Ich dachte, ich könnte mit den Kurierfahrten das finanzielle Loch decken.»

Sein Auftrag war es, gegen ein Entgelt von 800 Franken in Amsterdam Koffer zu holen und diese mit dem Zug in die Schweiz zu bringen. Im Sommer 2015 fuhr er dazu erstmals mit dem Zug nach Amsterdam und bezog ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs. In der Nacht wurde er abgeholt und in einem Auto zu einem Bahnhof an der Grenze zu Deutschland gebracht. Gemäss Staatsanwaltschaft wurde das Fahrzeug von einem Schwarzen gelenkt. Unterwegs stoppte der Wagen, worauf der Beschuldigte einen Koffer mit doppeltem Boden erhielt. Mit dem Zug fuhr er schliesslich nach St.Gallen. Unterwegs entsorgte er die im Koffer transportierten Kleider und legte seine eigenen Kleider hinein.

Wie die Untersuchungsbehörden herausfanden, unternahm der Beschuldigte noch mindestens eine weitere Reise nach Amsterdam, wo er ebenfalls einen Rollkoffer mit Kokain in Empfang nahm und diesen nach St.Gallen brachte. Die Koffer enthielten jeweils zwischen 2 und 5 kg Kokain. Es sei ihm schon bewusst gewesen, dass es um einen Drogentransport gehe, doch habe er niemals eine so grosse Menge erwartet, erklärte er.

Anklage im abgekürzten Verfahren

Da der Beschuldigte geständig war, klagte ihn die Staatsanwaltschaft im abgekürzten Verfahren an. Sie beantragte dem Gericht eine Verurteilung wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Sachbeschädigung, weil er im August 2020 bei seiner ehemaligen Freundin so heftig an der Haustüre läutete, dass die Sonnerieanlage beschädigt wurde. Als Strafmass sah die Anklage eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit einer Probezeit von drei Jahren und eine Busse von 150 Franken als gerechtfertigt.

Sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger betonten, bei der Straftat des Beschuldigten handle es sich um einen einmaligen «Ausrutscher». Sowohl vor wie auch nach den Kurierfahrten habe er sich wohlverhalten. Der Verteidiger wies zudem darauf hin, dass sich sein Mandant nur ganz kurz im Drogenmilieu aufgehalten habe. Der Zeitraum sei auf einen Monat beschränkt.

Anträge zum Urteil erhoben

Das Kreisgericht St.Gallen erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Der Beschuldigte muss 270 Franken Schadenersatz für die kaputte Sonnerieanlage zahlen. Zudem hat er die Verfahrenskosten von knapp 7000 Franken zu übernehmen.