Kreisgericht St.Gallen
Rosenkrieg endet mit Freispruch: Frau soll ihren Ehemann bedrängt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben

Ein Ehemann hat seine Frau angezeigt. Er gab an, sie habe ihm massiv gedroht und geschlagen. Sie erhielt am Kreisgericht einen Freispruch.

Claudia Schmid
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Der Ehemann hat seiner Frau vorgeworfen, ihn zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben.

Der Ehemann hat seiner Frau vorgeworfen, ihn zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben.

Bild: Getty

Der inzwischen geschiedene Mann der Beschuldigten hatte vor der Staatsanwaltschaft geltend gemacht, seine Ehefrau habe ihm im Juli 2019 tagelang gedroht, dass sie ihn umbringen oder vom Balkon springen werde, wenn er von ihr weggehe. Aus Angst habe er sich jeweils über Nacht im Wohnzimmer eingeschlossen.

Der Privatkläger machte weitere Vorwürfe an die Adresse seiner damaligen Ehefrau geltend. So soll sie ihm an einem Samstag im Juli 2019 in der gemeinsamen Wohnung einmal mit der linken und einmal mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen haben. Auch gab er zu Protokoll, er sei von ihr mit zahlreichen Telefonanrufen belästigt worden und sie habe ihm im September 2019 einen Reifen seines Velos zerstochen.

Die zuständige Staatsanwältin beantragte dem Kreisgericht St.Gallen, die Beschuldigte sei wegen versuchter Nötigung, Tätlichkeiten, mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und geringfügiger Sachbeschädigung schuldig zu sprechen. Sie sei zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 90 Franken und einer Busse von 800 Franken zu verurteilen.

Scheidung wurde von der Frau eingereicht

An der Gerichtsverhandlung wehrte sich die 54-jährige Schweizerin vehement gegen die Vorwürfe. Sie basierten auf reinen Lügen. Sie habe ihrem Mann keineswegs gedroht und auch nicht die Trennung verhindern wollen. Das Gegenteil sei der Fall. Sie habe ihn wochenlang gebeten, die Scheidungspapiere zu unterschreiben. Sie sei es gewesen, die auf eine Scheidung gedrängt habe. Er hingegen habe lediglich eine Trennung gewollt.

Sie habe ihn weder mit den Fäusten traktiert, noch seinen Veloreifen zerstochen, beteuerte die Frau weiter. Die Vorwürfe seien alles reine Lügen. Die Telefonanrufe bestätigte die Beschuldigte. Sie habe ihn erreichen wollen, weil die Zahlung der gemeinsamen Steuerrechnung ausstehend gewesen sei. Er habe sie damit provoziert, dass er seinen Anteil der Steuern nicht zahlen werde.

Die Beschuldigte machte vor Gericht eine Entschädigung für Anwaltskosten von 2730 Franken geltend. Sie sei unschuldig. Wegen der ungerechtfertigten Vorwürfe habe sie sich einen Anwalt nehmen müssen, dessen Honorar sie finanziell sehr belaste.

Freispruch und Entschädigung

Der Einzelrichter am Kreisgericht St.Gallen fällte einen vollumfänglichen Freispruch und sprach der Frau die verlangte Entschädigung zu. Zum Vorwurf der versuchten Nötigung erklärte er, es stehe Aussage gegen Aussage. Zudem sei erwiesen, dass die Frau die Scheidungspapiere eingereicht habe. Dies stehe im Widerspruch zum Vorwurf, sie habe verhindern wollen, dass sie ihn verlasse.

Die 16 tatsächlichen oder versuchten Telefonanrufe habe die Frau zwar zugegeben, doch sei zu berücksichtigen, dass sie allesamt tagsüber und nicht zu nächtlichen «Unzeiten» erfolgt seien. Auch sei die telefonische Kontaktaufnahme keineswegs einseitig gewesen. Der Mann habe ebenfalls Nachrichten an seine Frau versendet.

Bei den Faustschlägen stehe wiederum Aussage gegen Aussage. Verletzungen habe der Privatkläger keine geltend machen können. Im Zweifelsfalle müsse ein Freispruch erfolgen. Für ihn unverständlich sei, dass es in Sachen zerstochenem Veloreifen überhaupt von Seiten der Staatsanwaltschaft zu einer Anklage gekommen sei, betonte der Einzelrichter. Dieser Vorwurf basiere auf reiner Vermutung des Ex-Mannes. Aufgrund des vollumfänglichen Freispruches trägt der Staat die Verfahrenskosten von 1950 Franken.

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