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Kreisgericht St.Gallen: Pizzakurier überfallen, 23-Jährige soll dafür hinter Gitter

Wegen einiger Dosen Bier hat eine junge Frau mit ihrem Freund einen Pizzakurier überfallen. Auch kam sie ihren Pflichten als Schuldnerin nicht nach. Vor Kreisgericht St.Gallen ist die Schwangere jetzt knapp um einen Landesverweis herumgekommen.
Claudia Schmid
Ein Pizzakurier bereitet eine Lieferung vor. Das Kreisgericht St.Gallen hat jetzt eine 23-jährige Frau wegen eines Überfalls auf einen solchen Kurier verurteilt. (Themenbild: Archiv TZ)

Ein Pizzakurier bereitet eine Lieferung vor. Das Kreisgericht St.Gallen hat jetzt eine 23-jährige Frau wegen eines Überfalls auf einen solchen Kurier verurteilt. (Themenbild: Archiv TZ)

Die Verhandlung am Kreisgericht begann mit einer halben Stunde Verspätung. Der Grund war, dass der Freund der 23-jährigen Angeklagten und Vater des gemeinsamen Kindes nicht zum Termin erschienen war. Der Einzelrichter entschied, das Verfahren trotzdem durchzuführen und für den Mitangeklagten einen neuen Gerichtstermin anzusetzen.

Pizzakurier in eine Falle gelockt

Die Anklage warf der kosovarischen Staatsbürgerin vor, sie habe zusammen mit ihrem Freund einen Pizzakurier überfallen. Das Paar hatte bei ihm gegen Mitternacht einen Sechserpack Dosenbier bestellt, obwohl es kein Geld hatte. Deshalb beschlossen die beiden, dem Kurier das Bier abzunehmen, ohne dafür zu bezahlen.

Als der Kurier am vereinbarten Treffpunkt eintraf, nahm die Frau das Bier an sich und gab vor, sie müsse in der Wohnung Geld holen. Dann rannte sie weg. Da ihr der Pizzakurier folgte, mischte sich der Freund ein, der sich bis dahin im Hintergrund gehalten hatte. Er schlug dem Mann die Faust ins Gesicht und trat ihm gegen das Schienbein.

«Plötzlich ist alles aus dem Ruder gelaufen»

Sie hätten zuvor nicht abgesprochen, dass der Freund eingreife, falls es ihr nicht gelinge, mit dem Dosenbier wegzurennen, erklärte die Beschuldigte in der Befragung durch den Einzelrichter. Es sei einfach plötzlich alles aus dem Ruder gelaufen.

Angeklagt war die Frau zudem, weil sie gelegentlich Kokain und Marihuana konsumierte. Zudem ignorierte sie die Aufforderungen, dem Vollzug einer angeordneten Pfändung beizuwohnen. Die Staatsanwaltschaft beantragte Schuldsprüche wegen Raubes, wegen Ungehorsams der Schuldnerin im Betreibungs- und Konkursverfahren und wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Sie hielt eine bedingte Geldstrafe, eine Busse und die Landesverweisung auf fünf Jahre für angemessen.

Der Einzelrichter sprach die Beschuldigte auf einen Brief an, den sie dem Gericht im Vorfeld der Gerichtsverhandlung hatte zukommen lassen. Sie bat darin, auf eine Landesverweisung zu verzichten, da sie in der Zwischenzeit schwanger geworden sei. Zudem habe sie in Kosovo als Frau keine Perspektiven.

Das ganze Beziehungsnetz in der Schweiz

Auch der Verteidiger bezeichnete einen Landesverweis als überaus grosse Härte gegenüber seiner Mandantin. Sie sei in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Sowohl sämtliche Verwandten wohnten in der Schweiz als auch der Vater ihres Kindes, der Schweizer sei. Er stellte zudem in Abrede, dass sich die Frau des Raubes schuldig gemacht habe. Es handle sich lediglich um ein geringfügiges Vermögensdelikt oder Diebstahl.

Der Einzelrichter am Kreisgericht St.Gallen sah den Tatbestand des Raubes klar gegeben. Weil die Beschuldigte bereits sechs Vorstrafen hat, entschied er sich, statt eine Geldstrafe eine unbedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten und eine Busse von 750 Franken auszusprechen.

Eine letzte Chance für die Angeklagte

Aus den früheren Geldstrafen habe die Frau eindeutig nichts gelernt, begründete er das Urteil. Immer wieder sei sie noch während der Probezeit erneut straffällig geworden. Bei der Landesverweisung sei er der Argumentation der Verteidigung gefolgt, doch müsse sich die Beschuldigte bewusst sein, dass dies kein endgültiger Entscheid sei, warnte der Richter. Begehe sie weiterhin Straftaten, sei die Möglichkeit gross, dass sie bei einem weiteren Strafverfahren doch noch des Landes verwiesen werde.

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