Kreisgericht St.Gallen
Nach Fussballspiel Polizist auf Strasse gestossen: Gericht spricht Mann vom Vorwurf frei

Einem 26-jährigen Mann wurde vorgeworfen, er habe einem Verkehrspolizisten einen heftigen Stoss in den Rücken versetzt. Er bestritt vor Gericht die Tat.

Claudia Schmid
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Bei Fussballspielen regelt die Polizei den Verkehr.

Bei Fussballspielen regelt die Polizei den Verkehr.

Bild: Urs Bucher

Im November 2019 fand im Kybunpark in St.Gallen das Fussballspiel Schweiz gegen Georgien statt. Nach dem Spiel regelte ein uniformierter Verkehrspolizist vor dem Stadion den Verkehr. Dazu stand er auf der Verkehrsinsel des Fussgängerstreifens, der vom Stadion zur Einmündung in die Herisauer Strasse führt. Damit der Verkehr fliessen konnte, hielt der Polizist auf der Verkehrsinsel die Fussgänger an. Er hielt seine Arme weit ausgestreckt, in der einen Hand hatte er zudem eine Stablampe.

Trotz des fahrenden Verkehrs und der eindeutigen Zeichengebung des Polizisten trat einer der Stadionbesucher von der Verkehrsinsel auf den Fussgängerstreifen, um die Zürcher Strasse zu queren. Der Verkehrspolizist machte daraufhin einen grossen Schritt in die Fahrbahn und rief «Stopp». Es gelang ihm, den Mann festzuhalten und ihn zurück auf die Fussgängerinsel zu ziehen. Danach wandte er sich wieder der Zeichengebung und dem motorisierten Verkehr zu.

Einen Augenblick später erhielt der Beamte von hinten einen wuchtigen Stoss in den Rücken, durch den er auf die Fahrbahn befördert wurde. Mit einem Vorwärtsschritt gelang es ihm, sich noch aufzufangen und einen Sturz auf den Boden zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Beschuldigte für den Stoss verantwortlich ist und stellte einen Strafbefehl aus. Wegen Verletzung der Verkehrsregeln sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sollte er mit einer bedingten Geldstrafe von 1800 Franken und einer Busse von 400 Franken bestraft werden.

Den Polizisten nicht gesehen

Am Kreisgericht St.Gallen wehrte sich der Beschuldigte gegen den Vorwurf, dem Beamten einen Stoss versetzt zu haben. Es sei zwar korrekt, dass er die Fahrbahn betreten habe. Da seine Aufmerksamkeit aber auf die orange blinkende Ampel konzentriert gewesen sei, habe er den Verkehrspolizisten nicht gesehen. Dieser habe ihn heftig zurückgezerrt. Er sei richtig geschockt gewesen und habe auch noch die Stablampe an den Kopf erhalten. Wer den Polizisten geschubst habe, wisse er nicht. Mit Sicherheit aber sei der Stoss nicht von ihm gekommen.

Der Verteidiger beantragte einen Freispruch vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Wegen Verletzung der Verkehrsregeln sei sein Mandant mit einer Busse von 20 Franken zu bestrafen. Die Verfahrenskosten habe der Staat zu zahlen. Auf den Aufnahmen einer Videokamera sei nicht zu erkennen, wer den Stoss verübt habe, betonte er. Die beiden Begleiter des Beschuldigten hätten ausgesagt, dass sie damit beschäftigt gewesen seien, ihren aufgebrachten Kollegen zu beruhigen. Von einem Schubs gegen den Polizisten hätten sie nichts mitbekommen.

Täter ist auf Video nicht zu erkennen

Der Einzelrichter folgte bei den Schuld- und Freisprüchen dem Antrag der Verteidigung. Aufgrund der Videoaufnahmen müsse man eigentlich davon ausgehen, dass einer der drei Kollegen den Polizisten gestossen hätte, erklärte er zum Entscheid. Für ihn spreche vieles dafür, dass es der Beschuldigte gewesen sei. Da aber die Videoaufnahmen tatsächlich keinen eindeutigen Beweis erkennen liessen, müsse ein Freispruch vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte erfolgen.

Als Strafe für die Verletzung der Verkehrsregeln erhielt der Beschuldigte eine Busse von 100 Franken. Ausserdem muss er einen Zwölftel der Verfahrenskosten (375 Franken) zahlen. Den Rest von etwas über 4000 Franken übernimmt der Staat. Dieser zahlt auch elf Zwölftel der Kosten an die Verteidigung des Beschuldigten (rund 6000 Franken).

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