Kreisgericht St.Gallen
Heroin im St.Galler Hagenbuchwald versteckt: Dealer muss Schweiz verlassen

Drogendealer haben im Hagenbuchwald Heroin gebunkert. Das Gericht verurteilte einen von ihnen zu einer Freiheitsstrafe und verwies ihn des Landes.

Claudia Schmid
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Drogendealer haben ein Waldstück als Heroinversteck genutzt.

Drogendealer haben ein Waldstück als Heroinversteck genutzt.

Symbolbild: Donato Caspari

Die Kantonspolizei wurde auf ein Betäubungsmittelversteck aufmerksam, das eine Drogenbande bei einem umgestürzten Baum im Hagenbuchwald angelegt hatte. Am 27. Februar 2020 beobachteten Polizeibeamte, wie sich nachmittags um 13.45 Uhr zwei Männer dem Versteck näherten.

Als die beiden die Beamten entdeckten, floh der eine, konnte aber wenig später verhaftet werden. Der andere liess sich widerstandslos festnehmen. Im Betäubungsmittelversteck, das sich unter der Wurzel des umgestürzten Baumes befand, lagerten in einem Einmachglas 18 verkaufsfertig verpackte Minigrips mit Heroingemisch.

Prekäre finanzielle Lage ausgenutzt

Die Untersuchungsbehörden fanden heraus, dass hinter dem Heroinversteck eine Drogenbande steckt, die von der serbischen Stadt Nis aus operiert und dort immer wieder Männer anwirbt, um in der Schweiz für eine kurze Zeit Drogen an Abnehmer zu verkaufen. Oft befinden sie sich in einer prekären finanziellen Lage und lassen sich deshalb auf den Handel ein.

Das Kreisgericht St.Gallen hatte sich mit demjenigen Mann zu befassen, der sich am 27. Februar 2020 widerstandslos festnehmen liess. Er kam nach zwei Tagen Untersuchungshaft frei und reiste zurück in seine Heimat. Am 26. August befand er sich wieder in der Schweiz und wurde erneut verhaftet, da man vermutete, dass er erneut in Drogengeschäfte verwickelt sei. Diesmal nahm man an, das Drogenversteck befinde sich im Wattwald. Seit der Verhaftung sass er in Untersuchungshaft, später im vorzeitigen Strafvollzug.

In der Schweiz Freundin besucht

An der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen bestritt der Mann vehement, in Drogengeschäfte verwickelt gewesen zu sein. Er habe sich in der Schweiz aufgehalten, um seine Freundin zu besuchen. Deren Namen wollte er allerdings nicht preisgeben. Zum ersten Vorfall im Hagenbuchwald gab er an, er habe den Landsmann lediglich auf einen Spaziergang begleitet. Vom Drogenversteck habe er nichts gewusst. Für die Staatsanwaltschaft war hingegen klar, dass er in den Heroinverkauf eingeführt werden sollte, um die Aufgabe seines Vorgängers zu übernehmen.

Den Aufenthalt im Wattwald begründete er ebenfalls mit einem Spaziergang, bei dem er ein Sandwich gegessen und eine Cola getrunken habe. Die 2700 Franken und 300 Euro, die er in kleinen Scheinen auf sich trug, stammten laut seinen Angaben von seiner Freundin. Damit habe er ein gebrauchtes Auto kaufen sollen. Die Anklage ging davon aus, dass das Geld vom Drogenverkauf stammte. Nach beiden Verhaftungen fand man an den Händen des Beschuldigten Spuren von Heroin und Streckmitteln.

Freispruch und Genugtuung verlangt

Der Verteidiger forderte einen Freispruch von Schuld und Strafe sowie für die zu Unrecht erstandene Haft eine Genugtuung von über 50‘000 Franken. Er habe noch selten eine Anklageschrift gelesen, die mit so vielen Mutmassungen gespickt sei, argumentierte er. Die Beweislage sei so schwach, dass keine Verurteilung erfolgen könne.

Für die Unschuld seines Mandanten spreche auch, dass er bei der Verhaftung im Hagenbuchwald keinen Widerstand geleistet und nicht wie sein Landsmann einen Fluchtversuch unternommen habe

Das Kreisgericht St.Gallen sprach den Beschuldigten von den Vorwürfen im Wattwald frei. Es gebe zwar einige Indizien, dass er im Wald Drogengeschäften nachgegangen sei, doch genüge in diesem Fall das Anklageprinzip für eine Verurteilung nicht, begründete der vorsitzende Richter den Freispruch.

Landesverweisung von acht Jahren

Für den Vorfall im Hagenbuchwald fällte das Kreisgericht hingegen einen Schuldspruch wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das Richtergremium sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte in die Drogengeschäfte seines Vorgängers eingeführt werden sollte.

Der Beschuldigte erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Zudem sprach das Kreisgericht eine Landesverweisung von acht Jahren aus. Sie wird im Schengener Informationssystem (SIS) ausgeschrieben.