Kreisgericht St.Gallen
Er packte den Buschauffeur am Kragen und verprügelte ihn: Gericht verordnet dem Täter eine stationäre Therapie

Ein psychisch kranker Mann hat einen Buschauffeur verprügelt. Vor dem Kreisgericht St.Gallen erklärte er, er könne sich an nichts mehr erinnern. Der bereits vorbestrafte Mann wurde der versuchten schweren Körperverletzung schuldig gesprochen.

Claudia Schmid
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Im Februar 2020 wurde ein Buschauffeur an der Endhaltestelle Rotmonten von einem 32-jährigen Mann angegriffen und verprügelt.

Im Februar 2020 wurde ein Buschauffeur an der Endhaltestelle Rotmonten von einem 32-jährigen Mann angegriffen und verprügelt.

Symbolbild: Ralph Ribi

Der 32-jährige Schweizer passte einem Buschauffeur im Februar 2020 an der Endhaltestelle Rotmonten ab. Zunächst griff er ihn verbal an und gab ihm unter anderem die Schuld, dass bei ihm derzeit alles «scheisse» laufe. Er packte den Chauffeur am Halskragen des Oberteils, drückte ihn ins Gebüsch und teilte ihm Schläge mit der rechten Faust ins Gesicht aus. Danach ging er zurück zu seinem Personenwagen und fuhr davon.

Passanten eilten zu Hilfe

Laut Anklageschrift wollte der Buschauffeur die Leitstelle informieren, damit diese die Polizei rief, als der Beschuldigte erneut mit hoher Geschwindigkeit auf den Bus zufuhr und sein Auto direkt vor ihm anhielt. Bevor der Buschauffeur die Türe schliessen konnte, gelang es dem Beschuldigten, in die Führerkabine zu treten.

Sofort begann er auf sein Opfer einzuprügeln. Er schlug mit den Fäusten ins Gesicht und kickte mit dem Fuss mehrmals gegen Kopf, Bauchbereich, Rücken und Nacken. Erst herbeieilende Passanten konnten den Beschuldigten vom Opfer losreissen und ihn bis zum Eintreffen der Polizei arretieren.

Schädel-Hirn-Trauma erlitten

Der Buschauffeur leide seit dem Überfall an einer posttraumatischen Belastungsstörung, erklärte die Staatsanwältin vor dem Kreisgericht St.Gallen. Schwer wiege für ihn, dass er seither nicht mehr in seinem Beruf arbeiten könne, da er aufgrund der Verletzungen seine Fahreignung als Buschauffeur verloren habe.

Durch die Faustschläge und Fusstritte erlitt das Opfer ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Rissquetschwunde an der Unterlippe, ein Hämatom am Hinterkopf sowie Schmerzen im Nacken-, Rücken- und Schulterbereich. Zurück blieben auch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und Konzentrationsschwächen.

Gutachter sieht hohe Rückfallgefahr

Auch seine Eltern und Geschwister bekamen die Gewaltausbrüche des Beschuldigten mit Ohrfeigen und Faustschlägen zu spüren. Ausserdem wurde ihm vorgeworfen, dass er sich trotz des Entzugs des Führerscheines ans Steuer seines Wagens gesetzt hatte.

Die Staatsanwältin wies darauf hin, dass ein forensisch-psychiatrisches Gutachten erstellt worden ist. Darin werde festgehalten, dass der Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie und einer Persönlichkeitsstörung leide, eine hohe Rückfallgefahr bestehe und er Hilfe in Form einer stationären Therapie brauche.

Sie erinnerte daran, dass der Beschuldigte ausgesagt hatte, er nehme seine Medikamente nur dann ein, wenn er das Gefühl habe, dass es ihm schlecht gehe und er sie brauche. Bei den Gewaltvorfällen habe ihn jeweils nur eine fürsorgerische Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik vor weiteren Straftaten abgehalten.

Beschuldigter gibt sich reumütig

Der Beschuldigte betonte an der Gerichtsverhandlung immer wieder, er habe bei den Gewaltvorfällen nicht gewusst, was er mache. Er habe jeweils nicht klar denken können. Die Straftaten seien ein Fehler gewesen. Es tue ihm alles sehr leid. Gegen eine stationäre Behandlung wehrte er sich. Seines Erachtens sei eine ambulante Therapie das Richtige für ihn.

Auch der Verteidiger plädierte für eine ambulante Massnahme. Sein Mandant sei kein Krimineller im eigentlichen Sinne, sondern leide selber schwer an seiner psychischen Erkrankung. Seit den Vorfällen vor rund einem Jahr habe er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen. Dem Gericht stehe die Möglichkeit offen, die Anordnung einer ambulanten Therapie mit der Auflage zu verbinden, dass der Beschuldigte regelmässig seine Medikamente einnehmen müsse. Dies banne die Rückfallgefahr.

Gericht ordnet stationäre Therapie an

Das Kreisgericht St.Gallen sprach den bereits vorbestraften Mann der versuchten schweren Körperverletzung und des Führens eines Motorfahrzeuges trotz Entzug des Führerausweises schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, einer Geldstrafe und einer Busse.

Anstelle des Vollzugs der Freiheitsstrafe ordnete es eine stationäre therapeutische Massnahme zur Behandlung an. Der Beschuldigte habe die Einsicht noch nicht, dass er die verschriebenen Medikamente dauernd einnehmen müsse, erklärte der vorsitzende Richter zum Urteil. Aufgrund der Schwere der psychischen Erkrankung sei somit ein erneuter Gewaltausbruch nicht auszuschliessen. Deshalb erachte es das Gericht als notwendig, dass er in einer stationären Einrichtung therapiert werde.