Kreisgericht St.Gallen: Dreifacher Vater muss Schweiz verlassen

Ein süchtiger Mazedonier hat seinen Heroinkonsum mit Einbrüchen und Betrügereien finanziert. Im vorzeitigen Strafvollzug flüchtete er aus dem Gefängnis. Nun ist er zu einer Haftstrafe von 21 Monaten verurteilt worden. Danach muss er das Land für fünf Jahre verlassen

Claudia Schmid
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Ein drogensüchtiger und wiederholt straffällig gewordener Mazedonier muss nach Verbüssung seiner Haftstrafe die Schweiz verlassen. Das hat das Kreisgericht St.Gallen entschieden. (Symbolbild: Gaetan Bally/KEY)

Ein drogensüchtiger und wiederholt straffällig gewordener Mazedonier muss nach Verbüssung seiner Haftstrafe die Schweiz verlassen. Das hat das Kreisgericht St.Gallen entschieden. (Symbolbild: Gaetan Bally/KEY)

Dem 30-jährigen mazedonischen Staatsangehörigen wird vorgeworfen, zwischen Mai und August 2017 verschiedene Delikte begangen zu haben. In der Anklageschrift wurden von der Staatsanwaltschaft 16 Einbruch- und Einschleichdiebstähle in Restaurants, Ladenlokale, Autos und einen Kiosk aufgelistet.

Der Beschuldigte stahl zudem zwei Fahrzeuge, tankte ohne das Benzin zu bezahlen und verkaufte eines der zwei entwendeten Autos. Mit einer gestohlenen Kreditkarte kaufte er an Automaten ein und spielte bei Online-Casinos. Ausserdem machte sich der Mann Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, das Ausländergesetz und das Betäubungsmittelgesetz schuldig.

Der Deliktsbetrag wurde jetzt bei der Verhandlung vor dem Kreisgericht St.Gallen auf 45'000 Franken beziffert. Hinzu kommen insgesamt einige Tausend Franken Sachschaden bei den verschiedenen Einbrüchen.

Abwärtsspirale dreht sich

Der Vater dreier Kinder heiratete bereits mit 18 Jahren. Nicht zuletzt wegen seiner Drogensucht, begann es in der Ehe zu kriseln. Er habe mehrmals versucht, mit dem Konsum aufzuhören, habe es aber nicht geschafft, sagte er vor dem Kreisgericht St.Gallen. Nachdem er zu Hause ausgezogen sei, habe sich die Abwärtsspirale zu drehen begonnen.

Er sei ohne Wohnsitz und Arbeitsstelle gewesen und habe Geld für den Kauf von Drogen gebraucht. Mit den Delikten habe er seinen Lebensunterhalt und das Heroin finanziert. Seine Flucht aus dem Gefängnis begründete er mit einem Rückfall während seiner Drogentherapie. In diesem Moment sei er von sich selbst enttäuscht gewesen und habe sich geschämt. Er sei abgehauen, um seine Kinder zu besuchen und sei danach «auf der Gasse» in St.Gallen von der Polizei aufgegriffen worden.

Geständiger Angeklagter

Die Liste mit den Vorwürfen sei lang, betonte der Staatsanwalt an der Gerichtsverhandlung. Der Beschuldigte habe alle in der Anklageschrift aufgelisteten Delikte zugegeben. Das Tatverschulden sei aufgrund der Häufigkeit nicht mehr als leicht zu bezeichnen. Bereits früher sei der Mann von den Strafbehörden wegen Gesetzesverstössen strafrechtlich verurteilt worden.

Als Sanktion beantragte der Staatsanwalt eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten und eine Busse von 500 Franken. Es sei vollzugsbegleitend eine ambulante Massnahme anzuordnen und eine Landesverweisung von fünf Jahren auszusprechen.

Verteidigung spricht von einem Härtefall

Die Verteidigerin beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten und die Anordnung einer ambulanten Massnahme. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. Im Falle ihres Mandanten liege klar ein Härtefall vor. Er sei in der Schweiz aufgewachsen und habe zu seinen drei Kindern ein liebevolles Verhältnis.

Trotz seiner Drogensucht habe er sich ihnen gegenüber sehr verantwortungsbewusst gezeigt und sie während einer langen Rekonvaleszenz seiner Ehefrau über Monate alleine betreut. Zu Mazedonien habe er kaum Bezug. Der Beschuldigte wisse, dass er nun alles daran setzen müsse, seine Drogensucht zu überwinden.

Unbedingte Gefängnisstrafe

Das Kreisgericht St.Gallen folgte grossmehrheitlich den Anträgen der Anklage. Es verurteilte den Beschuldigten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie einer Busse von 500 Franken. Zudem ordnete es eine ambulante Massnahme an. Der dreifache Vater wird die Schweiz nach Verbüssung der Haftstrafe zudem für fünf Jahre verlassen müssen und im Schengener Informationssystem ausgeschrieben.