Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kreisgericht St.Gallen: Bedingte Haftstrafe für Sicherheitsmann wegen Messerstich

Vor einem Club in der Stadt St.Gallen ist es im August 2016 zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen gekommen. Dabei fügte ein Security-Angestellter einem Mann eine Stichverletzung zu. Nun hat er eine bedingte Haftstrafe erhalten.
Claudia Schmid
Sicherheitsleute vor Clubs oder in Ausgehmeilen (wie in diesem Themenbild) haben oft einen schwierigen Job zu erledigen. (Bild: Urs Jaudas)

Sicherheitsleute vor Clubs oder in Ausgehmeilen (wie in diesem Themenbild) haben oft einen schwierigen Job zu erledigen. (Bild: Urs Jaudas)

Laut Anklageschrift war der Auslöser der Auseinandersetzung ein Hausverbot, das die Clubverantwortlichen bereits früher gegen einen aufsässigen Besucher ausgesprochen hatten. Dieser tauchte am 14. August 2016 aber wieder in einer Gruppe vor dem Club auf, die einen Geburtstag feiern wollte. Als der Beschuldigte, der seit mehreren Jahren für eine Sicherheitsfirma arbeitete, den mit Hausverbot belegten Gast nicht in den Club einlassen wollte, entstand in der Brühltor-Passage zwischen ihm und mehreren Personen eine Auseinandersetzung.

Kollegen versuchten, Situation zu beruhigen

Es folgten Geschrei, gegenseitige Beleidigungen, Drohungen und auch kleinere Handgemenge. Vor dem Club befanden sich laut Anklageschrift auch Arbeitskollegen des beschuldigten Sicherheitsmitarbeiters, die ausserdienstlich anwesend waren. Sie versuchten, die Situation zu beruhigen, und rieten ihrem Kollegen, sich von der Gruppe zu entfernen.

Trotz eines grösseren Abstandes zwischen den Streitenden gingen die Drohungen und gegenseitigen Beleidigungen zwischen einem Gast und dem Sicherheitsmann weiter. Der Gast, den die Anklage als stark betrunken und unter Cannabis-Einfluss bezeichnete, soll immer aggressiver geworden sein. Er beleidigte massiv die Familie des Beschuldigten.

Ein Stich in den Bauch

Um 4 Uhr morgens eskalierte die Situation. Der beschuldigte Sicherheitsmann nahm vom Kassentisch des Clubs ein Messer und sprintete durch eine Gruppe von Personen auf den provozierenden Gast zu. Dieser erwartete seinen Angreifer mit erhobenen Fäusten. Im Gemenge hieb der Sicherheitsangestellte die Faust, in der er das Messer hielt, gegen den Bauch des Kontrahenten. Das Opfer musste sich im Spital behandeln lassen, befand sich aber nie in Lebensgefahr.

Er habe Angst um sein Leben gehabt, weil ihn die Gruppe massiv bedroht habe, betonte der Beschuldigte an der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen. Nur deshalb habe er das Messer an sich genommen. Er habe den Mann nicht verletzen wollen. Passiert sei es versehentlich, weil er einen kurzen Moment die Kontrolle verloren habe, da der Gast seine Kinder bedroht habe.

Bedroht gefühlt

Das eigentliche Opfer sei er und nicht sein Kontrahent, betonte der Sicherheitsmann. Er habe in Notwehr gehandelt. Die Verteidigung beantragte einen Freispruch von Schuld und Strafe oder eine milde Sanktion wegen einfacher Körperverletzung. Der Beschuldigte sei ein erfahrener Sicherheitsmann, der lediglich einen kurzen Moment die Selbstkontrolle verloren habe, weil er und seine Familie auf das Schwerste bedroht worden seien. Er leide stark unter dem Vorfall.

Das Kreisgericht St.Gallen folgte der Argumentation der Verteidigung nicht und verurteilte den Beschuldigten wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Als Sanktion sprach es eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten aus und eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 60 Franken.

Keine Notwehr

Der Job eines Sicherheitsangestellten sei nicht einfach, erklärte die vorsitzende Richterin. Seine Aufgabe sei es aber, für Sicherheit zu sorgen. Er müsse zudem in der Lage sein, auf Provokationen gelassen zu reagieren.

Im vorliegenden Fall liege keine Notwehr vor, weil der Beschuldigte die Möglichkeit gehabt habe, der Auseinandersetzung auszuweichen. Er habe – wie von den Kollegen geraten – sich in den Club zurückziehen und abwarten können, bis die Polizei eintreffe, begründete die Richterin den Schuldspruch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.