KREISGERICHT ST.GALLEN
Algerier wehrt sich gegen Strafbefehl – und taucht dann vor der Verhandlung unter

Ein abgewiesener Asylbewerber hat gegen einen Strafbefehl wegen Ladendiebstahls Einsprache erhoben. Zur Gerichtsverhandlung erschien er nicht.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte erschien gar nicht erst zur Verhandlung, nachdem er seine Verurteilung wegen Ladendiebstahls angefochten hatte. Seither ist der Algerier untergetaucht.

Der Beschuldigte erschien gar nicht erst zur Verhandlung, nachdem er seine Verurteilung wegen Ladendiebstahls angefochten hatte. Seither ist der Algerier untergetaucht.

Bild: Hanspeter Schiess

Der 26-jährige Algerier stellte in der Schweiz ein Asylgesuch, das Anfang Dezember 2020 abgelehnt wurde. Er hätte das Land bis Ende Jahr verlassen müssen. Da er blieb, hielt er sich ab 2021 rechtswidrig in der Schweiz auf.

Am 7. Juni war der Beschuldigte in St.Gallen und steckte im Neumarkt diverse Lebensmittel in eine Tasche. Als er die Kasse passierte und den Laden mit der gestohlenen Ware verlassen wollte, wurde er von Angestellten angehalten und bei der Polizei angezeigt. Die Lebensmittel hatten einen Wert von rund 67 Franken.

Die Staatsanwaltschaft stellte einen Strafbefehl aus und erklärte ihn des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und des geringfügigen Vermögensdelikts (Diebstahl) schuldig. Zur Bestrafung fällte sie eine Freiheitsstrafe von 60 Tagen und eine Busse von 300 Franken aus.

Beschuldigter ist mehrfach vorbestraft

Im Strafbefehl wurde darauf hingewiesen, dass die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs nicht mehr erfüllt sind, da der Beschuldigte mehrfach vorbestraft ist. So erhielt er Anfang Februar von der Tessiner Staatsanwaltschaft in Bellinzona ebenfalls einen Strafbefehl, mit dem er wegen diverser Delikte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen bei einer Probezeit von drei Jahren verurteilt wurde.

Wegen des Deliktdatums sei die Strafe von St.Gallen im teilweisen Zusatz zum Strafbefehl von Bellinzona auszufällen, heisst es im Strafbefehl. Auf den Widerruf der Vorstrafe werde verzichtet, der Beschuldigte aber verwarnt. Das Migrationsamt St.Gallen verfügte, dass er zwei Tage nach dem Ladendiebstahl in St.Gallen direkt aus der Haft in den Kanton Tessin überführt wird.

Einsprache gegen den Strafbefehl

Da der Beschuldigte gegen den Strafbefehl Einsprache erhob, wurde ein Termin für ein ordentliches Verfahren am Kreisgericht St.Gallen festgelegt. Der Mann wurde per Einschreiben vorgeladen, erschien jedoch nicht zur Gerichtsverhandlung. Nachdem der Einzelrichter, die Gerichtsschreiberin und der Dolmetscher eine halbe Stunde gewartet hatten, wurde die Verhandlung abgesagt.

Da die Behörden den Aufenthaltsort des Beschuldigten nicht kennen, ist die Vermutung gross, dass er erneut untergetaucht ist. Was mit der Einsprache geschieht, konnte der vorsitzende Richter noch nicht sagen. Eine Möglichkeit ist, dass sie wegen Nichterscheinens an der Hauptverhandlung als zurückgezogen gilt und der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft in Rechtskraft tritt.

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