Kreisgericht Rorschach
Der Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Goldach beschuldigt: Mann wird vom Kreisgericht freigesprochen

Was sich in einem Hotelzimmer in Goldach abgespielt haben soll, ist unklar. Die Aussagen des 24-jährigen Beschuldigten und der damals 15-Jährigen gehen weit auseinander. Vergewaltigung oder Geschlechtsverkehr lasse sich weder nachweisen noch ausschliessen.

Jolanda Riedener
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Vergangene Woche begegneten sich die Frau und der Beschuldigte vor dem Rorschacher Kreisgericht.

Vergangene Woche begegneten sich die Frau und der Beschuldigte vor dem Rorschacher Kreisgericht.

Bild: Benjamin Manser

Einig waren sich die damals 15-Jährige und der Beschuldigte einzig über die Tatsache, dass sie sich an diesem Tag im September 2018 getroffen und zusammen Zeit in einem Hotelzimmer in Goldach verbracht haben.

Laut dem 24-jährigen Beschuldigten aus Sri Lanka habe ihn die damals 15-Jährige geliebt. Auch von Heirat sei die Rede gewesen. Sie habe ihm jedoch gesagt, dass sie 18 Jahre alt sei. Das Hotelzimmer hätten sie sich genommen, um alleine zu sein und in Ruhe reden zu können. Zu mehr als Küssen und Umarmungen sei es aber nicht gekommen.

Ganz anders hat sich der Nachmittag in den Augen der jungen Frau abgespielt. Sie habe ihn zuvor nur wenige Male gesehen. Er habe sehr wohl gewusst, dass sie noch minderjährig war. So habe er auch den Alkohol gekauft und sie im Hotelzimmer mit Wodka abgefüllt. Danach habe er sie dort dreimal vergewaltigt.

Ungereimtheiten lassen Zweifel aufkommen

Das Kreisgericht Rorschach spricht den Beschuldigten von der Anklage der mehrfachen Vergewaltigung und der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern frei. Es handle sich beim vorliegenden Fall um ein Vieraugendelikt mit einer Aussage-gegen-Aussage-Konstellation. Einzig ein Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin liege vor: «Dieses vermag eine Vergewaltigung, beziehungsweise stattgefundenen Geschlechtsverkehr, weder nachzuweisen noch auszuschliessen», heisst es.

Die Schilderungen der Frau seien zwar detailreich und nicht grundsätzlich unglaubwürdig. Sie würden sich aber in einzelnen Punkten widersprechen. Es gebe Ungereimtheiten, die den Zeitpunkt betreffen, bevor man in das Hotelzimmer ging beziehungsweise nachdem man es verliess. So würden nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen.

Es stehe nicht zweifelsfrei fest, was sich an diesem Tag zugetragen habe. «In dubio pro reo» – im Zweifel für den Angeklagten – müsse davon ausgegangen werden, dass zwischen dem Beschuldigten und der Frau kein Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen stattgefunden habe.

Privatklägerin wollte Kontaktverbot erwirken

Die Staatsanwaltschaft forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten und eine Landesverweisung von zehn Jahren, sollte er der mehrfachen Vergewaltigung und der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig gesprochen werden.

Die Privatklägerin forderte ausserdem ein vollständiges Kontaktverbot von mindestens fünf Jahren und eine Genugtuung von 30'000 Franken. Die Beteiligten können das Urteil ans Kantonsgericht weiterziehen.