Kreisgericht
Illegalen Hanf in St.Gallen betreut: Serbe kassiert fünfjährigen Landesverweis

Ein serbischer Staatsangehöriger hat sich für Anbau, Pflege und Ernte von Hanf anheuern lassen. Vor dem Kreisgericht St.Gallen beteuerte der 32-Jährige, er habe nicht gewusst, dass die Anlage illegal sei. Er sei nur ein gewöhnlicher Hilfsarbeiter. Der Richter glaubte dem Beschuldigten nicht. Dieser wird in seine Heimat ausgeschafft.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte wurde Anfang Jahr verhaftet, weil er in einer illegalen Hanfplantage in St.Gallen gearbeitet hat.

Der Beschuldigte wurde Anfang Jahr verhaftet, weil er in einer illegalen Hanfplantage in St.Gallen gearbeitet hat.

Symbolbild: Kantonspolizei SG

Anfang 2021 hat die Polizei zwei professionell betriebene Hanfplantagen in Thal und St.Gallen ausgehoben. Hinter dem Anbau des illegalen Drogenhanfs steckte eine Bande von über zehn Mitgliedern. In beiden Hanfplantagen arbeiteten rechtswidrig anwesende serbische Staatsangehörige zur Betreuung der angebauten Hanfpflanzen. Sie wohnten auch in den Industriehallen, in denen der Hanf angepflanzt wurde.

Das Hauptverfahren gegen die meisten Bandenmitglieder wird im Laufe des nächsten Jahres am Kreisgericht St.Gallen durchgeführt. Damit das Verfahren gegen einen nicht in der Schweiz wohnhaften Beschuldigten zeitnah abgeschlossen werden kann, wurde dieses aus dem Hauptverfahren ausgekoppelt. Die entsprechende Gerichtsverhandlung fand Anfang September statt.

Ein ganz gewöhnlicher Hilfsarbeiter

Der 32-jährige Serbe wurde im Februar an der Schoretshuebstrasse in St.Gallen verhaftet, wo die Hanfplantage in einer Industriehalle untergebracht war. Er war wegen banden- und gewerbsmässigen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfachen Vergehens gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, falscher Anschuldigung und versuchter Begünstigung angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wobei acht Monate zu vollziehen seien. Zudem beantragte sie eine Landesverweisung und die Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS).

Er sei nicht Teil der Bande, sondern ein ganz gewöhnlicher Hilfsarbeiter, erklärte der Beschuldigte an der Verhandlung. Er habe nicht gewusst, dass die Hanfplantage illegal sei. Er sei überzeugt gewesen, dass seine Arbeitgeber sich um eine Arbeitsbewilligung kümmern würden.

Da er nach der Verhaftung den falschen der Hauptangeklagten als Chef der Bande bezeichnet hatte, war er auch wegen falscher Anschuldigung und Begünstigung angeklagt. Er habe erst mit der Zeit gemerkt, wer der eigentliche Chef sei, betonte er dazu. Es sei nicht seine Absicht gewesen, den falschen Mann zu beschuldigen.

Einen guten Lohn versprochen

Er sei mit einem Kollegen in die Schweiz gekommen, um ein Auto zu kaufen, erzählte der Serbe weiter. In einem Café in St.Gallen habe er den Chef der Bande kennen gelernt. Dieser habe ihm einen Job als Hilfsarbeiter angeboten. Zunächst sei er aber wieder nach Serbien zurückgekehrt, um bei einem Bauern zu arbeiten.

Er habe gedacht, er werde in der Schweiz sicher einen guten Lohn erhalten und habe den versprochenen Job schliesslich angenommen. Laut Anklageschrift wurden ihm rund 3000 Franken versprochen.

Der Staatsanwalt bezweifelte, dass der Beschuldigte tatsächlich nichts von der Illegalität seiner Arbeit gewusst hatte. Er habe seine Aussageverhalten immer wieder den neu bekannt gewordenen Fakten angepasst, betonte er.

Bedingte Freiheitsstrafe und Landesverweis

Der Verteidiger forderte Freisprüche von den Hauptanklagepunkten. Weil sich sein Mandant länger als erlaubt in der Schweiz aufgehalten habe, sei er mit einer Geldstrafe zu sanktionieren. Er sei unverzüglich aus dem Gefängnis zu entlassen und ihm sei für Überhaft eine Entschädigung zu zahlen. Er sei als Hilfsarbeiter in die Ostschweiz gekommen und habe nur ausgeführt, was man ihm aufgetragen habe.

Er habe sich nie beschwert, dass er in der Halle habe hausen müssen, da er gedacht habe, so könne er mehr Geld nach Hause bringen. Ihm sei von seinen Arbeitgebern mehrfach versichert worden, dass es sich um den Anbau von legalem CBD-Hanf handle.

Für das Kreisgericht St.Gallen war hingegen klar, dass der Beschuldigte von der Illegalität seiner Arbeit wusste. Es sprach ihn lediglich von den Vorwürfen der falschen Anschuldigung und der Begünstigung frei. Es sanktionierte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einer Landesverweisung von fünf Jahren, die im SIS ausgeschrieben wird. Er werde so bald als möglich in seine Heimat ausgeschafft, erklärte der vorsitzende Richter.

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