Kreisgericht
Bedingte Freiheitsstrafe gegen St.Galler Autoverkäufer: Bei Probefahrt mit Tempo 120 Unfall mit zwei Verletzten verursacht

Neun Monate Gefängnis bedingt und eine Busse von 3000 Franken hat ein Autoverkäufer kassiert. Zudem wurden ihm fast 20'000 Franken Verfahrenskosten aufgebrummt. Bei einer Probefahrt im Sommer 2018 verursachte er einen Unfall, bei dem zwei Frauen erheblich verletzt wurden.

Claudia Schmid
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Das Kreisgericht St.Gallen verurtelte den Autoverkäufer.

Das Kreisgericht St.Gallen verurtelte den Autoverkäufer.

Ralph Ribi

Der Beschuldigte musste sich vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten. Er hatte im Juli 2018 mit zwei Frauen, die Interesse an einem Autokauf hatten, eine Probefahrt mit dem Fahrzeug seines Arbeitgebers unternommen. Laut Anklageschrift bremste er auf einer zunächst geraden Strecke den Wagen bis zum Stillstand ab, drückte den Knopf «Sportmodus» und beschleunigte mit Vollgas.

Viel zu schnell gefahren

Das Fahrzeug schoss mit einer Geschwindigkeit von geschätzten 120 bis 140 Stundenkilometern auf eine Rechtskurve los. Aufgrund der massiv überhöhten Geschwindigkeit – signalisiert waren 70 km/h – sei der Personenwagen ins Rutschen gekommen und das Heck ausgebrochen, schreibt die Staatsanwaltschaft. Das Auto drehte sich um die eigene Achse, schleuderte über die Gegenfahrbahn an ein Wiesenbord und überschlug sich mehrmals.

Beide Frauen erlitten erhebliche Verletzungen. Bei der Beifahrerin auf dem vorderen Sitz wurden unter anderem eine Verstauchung der Hals- und der Lendenwirbelsäule, eine Rippenfraktur und Prellungen festgestellt. Ihre Kollegin, die auf dem hinteren Sitz nicht angeschnallt war, trug Knie- und Fussverletzungen, Rippenbrüche, Prellungen und Blutergüsse davon. Beide Verletzten hatten posttraumatische Verarbeitungsstörungen.

«Ich habe einen Fehler gemacht»

In der Befragung beteuerte der Autoverkäufer, er habe seine Mitfahrerinnen nie in Gefahr bringen wollen. Noch heute gehe es ihm sehr nahe, dass durch ihn zwei Menschen verletzt worden seien. Er würde alles tun, um den Unfall ungeschehen zu machen. Ihm sei klar, dass er einen Fehler gemacht habe und dafür auch eine Strafe erhalten müsse. Es entspreche aber nicht der Tatsache, dass er mit seiner Fahrt bewusst einen Unfall in Kauf genommen habe.

Seine Absicht sei es gewesen, den Wagen höchstens auf 90 km/h zu beschleunigen, erklärte der Beschuldigte weiter. Vor der Kurve habe er abgebremst. Weshalb das Auto ins Schleudern geraten sei, könne er sich nicht erklären. Das kurze Beschleunigungsmanöver durchgeführt habe er, weil sich die Kaufinteressentin im Vorfeld explizit zum Potenzial des Wagens erkundigt habe. Er habe sich davor vergewissert, dass keine weiteren Verkehrsteilnehmer in Sicht seien.

Gericht folgt den Anträgen der Staatsanwaltschaft

Die von der Staatsanwaltschaft beantragten Schuldsprüche seien nicht bestritten, erklärte der Verteidiger. Seinem Mandanten sei bewusst, dass er einen Fehler gemacht habe und sei bereit, eine angemessene Strafe auf sich zu nehmen. Das Strafmass der Anklage aber sei zu hoch. Zu berücksichtigen sei, dass es sich bei der Autofahrt nicht etwa um einen privaten Ausflug mit Imponiergehabe, sondern eine berufliche Probefahrt gehandelt habe. Die Präsentation eines Autos habe zum Job seines Mandanten gehört.

Auch sei es keineswegs die Absicht des Beschuldigten gewesen, auf bis zu 120 km/h zu beschleunigen oder ganz allgemein die Geschwindigkeit des Wagens unter Beweis zu stellen. Ihm sei es allein darum gegangen, mit einem kurzen Manöver und mit Inkaufnahme einer geringen Überschreitung der erlaubten Geschwindigkeit das Beschleunigungspotenzial zu zeigen. Schlussendlich handle es sich um eine Fehleinschätzung der Situation und damit um menschliches Versagen. Sein Mandant sei mit einer bedingten Geldstrafe von höchstens 180 Tagesätzen und einer angemessenen Busse zu bestrafen.

Unfallverursacher zeigt Einsicht und Reue

Der Einzelrichter am Kreisgericht St.Gallen folgte den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Er verurteilte den Mann wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung und grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten und einer Busse von 3000 Franken. Zudem muss der Beschuldigte rund 19'600 Franken Verfahrenskosten bezahlen.

Tatsache sei, dass der Autoverkäufer bereits vor dem Beschleunigungsmanöver beabsichtigt habe, die erlaubte Geschwindigkeit von 70 km/h um 20 km/h zu überschreiten. Schlussendlich seien es sogar 50 km/h zuviel gewesen. Selbst wenn dabei kein Unfall passiert wäre, ahnde das Gesetz eine solche Verletzung der Verkehrsregeln streng. Straferschwerend sei, dass er das Beschleunigungsmanöver auf einer öffentlichen Strasse und nicht etwas auf privatem Grund durchgeführt habe. Strafmildernd sei beim Urteil die Einsicht und Reue des Beschuldigten berücksichtigt worden.

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