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Gemeindepräsident von Rorschacherberg will Quartiere aufwerten - das darf auch etwas kosten

Beat Hirs will in die Ortsteile seiner Gemeinde investieren. Dafür soll die Gemeinde Geld in die Hand nehmen. Denn in der Vergangenheit sei das Dorf zu konzeptlos gewachsen.
Martin Rechsteiner
Beat Hirs vor dem Schloss Wartegg: Der Gemeindepräsident will den Fokus auf Rorschacherbergs Naherholungsgebiete legen. (Bild: Martin Rechsteiner)

Beat Hirs vor dem Schloss Wartegg: Der Gemeindepräsident will den Fokus auf Rorschacherbergs Naherholungsgebiete legen. (Bild: Martin Rechsteiner)

Wenn Beat Hirs seinen Kopf lüften will, geht er gerne nach draussen. Als passionierter Jäger bewegt er sich dabei meist ausserhalb Rorschacherbergs. Heute schlägt er jedoch einen Spaziergang am Hörnlibuck vor. Das hat seinen Grund. Denn die Hörnlibuck AG will das Ufer wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen, verrät Hirs. «Im Herbst informieren wir im Detail darüber. Die Ufersteine kommen weiter hinaus in den See und werden flacher gelegt. An ihre Stelle kommt Kies, sodass es eine Art Strand gibt.» Das sei nicht nur eine Renaturierung, sondern auch für die Badegäste am Hörnlibuck eine Aufwertung.

Aufwertung. Dieses Wort benutzt Gemeindepräsident Hirs oft an diesem Nachmittag. Denn er will die Quartiere seines Dorfs für die Bewohner attraktiver machen. «Rorschacherberg hat kein Zentrum. Es lohnt sich daher, in die Quartiere und ihre Umgebung zu investieren. Sie sollen lebenswert sein für Jung und Alt.» Arbeit gebe es genug. Denn in der Gemeinde sei in Vergangenheit zu wenig nach Konzept gewachsen. «Dem geben wir jetzt Gegensteuer.» Für lebenswerte Quartiere braucht es Naherholungsgebiete, ist Hirs überzeugt. Der heutige Spaziergang führt durch ein solches: den Park des Schlosses Wartegg. Dort scheute die Gemeinde keine Kosten. «Über drei Millionen Franken haben wir in den Erhalt dieses Parks gesteckt», sagt Hirs und zeigt auf die grossen Bäume, die sich unterhalb des Anwesens dem Weg entlang reihen.

«Wir sind finanziell sehr gut unterwegs»

Auch das neue Feuerwehrdepot und der Bauamtswerkhof kosten über zehn Millionen Franken. Hinzu kommen verschiedene weitere Investitionen in Strassenprojekte. Dennoch hat Rorschacherberg an der vergangenen Bürgerversammlung die Steuern gesenkt. Und das soll so bleiben. «Wir sind sehr gut unterwegs, die Infrastruktur der Gemeinde ist in gutem Zustand. Dort werden wir in nächster Zeit kaum mehr so hohe Investitionen haben wie in den letzten Jahren», sagt Hirs. Zudem sei die Zinssituation derzeit eine sehr gute: «Wenn sich eine Gemeinde Geld leiht, zum Beispiel bei Pensionskassen, erhält sie in der Regel sogar Zins für das Aufbewahren.»

Harsche Kritik an der Bürgerversammlung

Kommendes Jahr, im August, soll das ganze Areal beim Feuerwehrdepot fertig sein. Das will die Gemeinde mit einem Dorffest feiern. «Wichtig ist auch unser Neujahresanlass. Und wir unterstützen die Vereine durch Beiträge. Zudem können sie die Gemeinde-Infrastruktur gratis nutzen», sagt Hirs. Anlässe im Dorf, und das Soziale, seien ebenso wichtig, wie die Gestaltung der Quartiere.

Apropos Quartiere. Aus einem davon, dem Wiggen, droht dem Gemeindepräsidenten immer wieder Ungemach. Denn die Bewohner der Wiggenrainstrasse sperren sich mit allen Mitteln gegen die Pläne der Gemeinde, die Strasse zu verlängern und eine Überbauung zu realisieren. «Der Fall dort ist allerdings klar, weil das Gesetz keine Alternativen zulässt. Das wiederhole ich immer wieder. Andere Optionen haben wir geprüft, sie haben sich aber als nicht machbar erwiesen», bekräftigt er. An der Bürgerversammlung richteten einige Wiggenrainer allerdings geharnischte Worte an ihren Gemeindepräsidenten, griffen ihn gar persönlich an. Hirs sagt: «Es ist normal, dass man in meiner Position manchmal Kritik ausgesetzt ist. Aber diese ehrverletzenden, falschen Anschuldigungen muss man sich nicht bieten lassen.» Er ist überzeugt: Damit hat die betreffende Person nur ihrem eigenen Lager geschadet. «Ich habe nach der Bürgerversammlung viel Zuspruch erhalten.»

«Kampf auf Kosten der Kinder»

Dass das Budget für die geplanten Kreisel beim Schulhaus Klostergut von den Bürgern abgelehnt worden ist, wertet er teilweise als Gegenreaktion der Wiggenrain-Anwohner. «Man kann ein solches Projekt aus diesem Grund versenken, wenn man will. Ich finde es aber schwierig, wenn so etwas auf dem Buckel der Kinder ausgetragen wird.» Denn die beiden Kreisel hätten den Weg zum Schulhaus Klosterguet für die Schüler sicherer gemacht, ist er überzeugt.

Wichtig für Rorschacherberg ist der geplante Zubringer zur A1 in Goldach, sagt Hirs. «Bis anhin hatten wir vor allem den Nachteil der Autobahn: den Lärm. Mit einem Anschluss in unserer Nähe ändert sich das, wir können profitieren.» Rorschacherberg werde sich finanziell entsprechend am Projekt beteiligen. Weniger Investitionsbedarf seitens Rorschacherberg sieht Hirs hingegen bei der Rorschacher Kultur. «Rorschacherberger nehmen das Freizeitangebot der Hafenstadt zwar teilweise in Anspruch, sie gehen aber grösstenteils nach St. Gallen», sagt er.

Ausdauer mit der Autobahn

Der Rückweg zum Gemeindehaus führt an der Poststelle vorbei. Ihr drohte vergangenes Jahr die Schliessung. «Ersatzlos streichen will die Post ihre Filiale in Rorschacherberg allerdings nicht, zu gross ist der Bedarf im Dorf. Das hat sie durch die Besucherzahlen selber festgestellt.» In einem solchen Fall lässt der Gelbe Riese seine Geschäfte bevorzugt durch einen Partner, etwa einen Dorfladen, erledigen. «In Rorschacherberg gibt es aber keinen solchen an zentraler Lage, deshalb scheint die Schliessung der Poststelle vorerst auf Eis gelegt», sagt er und wirkt zufrieden.

Viel Ausdauer brauche Hirs mit Lärmbekämpfungsmassnahmen entlang der Autobahn, wie er sagt. Speziell im Gebiet Steig. «Die Überdachungen haben sich als kaum finanzierbar erwiesen. Im Rahmen der Zonenplanrevision versuchen wir jetzt, Lärmwände mittels Baulandgewinn finanzierbar zu machen.» Die Betroffenen seien informiert worden und hätten Verständnis gezeigt.

Bleibt noch der Seeuferweg. «Das Projekt liegt derzeit beim Kanton in der Vorprüfung. Dann entscheidet sich, wie viel er dafür beisteuern wird.»

In seinen Sommerferien will Hirs wieder einmal abschalten. Das heisst, er muss weg aus der Region. Sein Ziel ist das Pamir-Gebirge an der Grenze zu Afghanistan. «Ich mache Männerferien: Mit einem Kollegen bin ich zwei Wochen lang mit dem Töff unterwegs.» Hirs freut sich. «Traumhafte Landschaften, am Abend Muskelkater und dreckige Finger. Das ist genau das, was ich jetzt zur Abwechslung brauche.»

Hinweis

Bisher erschienen: Dominik Gemperli, Goldach (2. Juli); Robert Raths, Thal (10. Juli); Norbert Rüttimann, Untereggen (21. Juli); Beat Hirs, Rorschacherberg (26. Juli).

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