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«Das ist ein herber Schlag für uns»: Konkurs von Reiseveranstalter Thomas Cook betrifft Büros in Horn und Goldach

Nach dem Konkurs von Thomas Cook muss ein Horner Reisebüro in die eigene Tasche greifen. Auch in Goldach muss ein Reisebüro deswegen einen mittleren fünfstelligen Betrag aus eigener Tasche zahlen.
Jolanda Riedener
Franziska Bresciani führt das unabhängige Reisebüro in Horn seit vier Jahren. (Bild: Jolanda Riedener)

Franziska Bresciani führt das unabhängige Reisebüro in Horn seit vier Jahren. (Bild: Jolanda Riedener)

Es war ein kleines Erdbeben, das an jenem Montagmorgen Franziska Bresciani und ihr Team vom Horner Reisebüro Hampis Travel Service erschütterte. «Es war ein Schock, niemand hatte den Konkurs kommen sehen», sagt sie. Thomas Cook, einer der grössten Reiseveranstalter, zu dem auch Neckermann Reisen gehört, ging pleite. Die Woche zuvor habe man noch ganz normal Buchungen über den Reiseveranstalter getätigt.

«Zum Glück war von unseren Kunden gerade niemand über einen der betroffenen Reiseveranstalter in den Ferien», sagt Bresciani. Dennoch, für einige Kunden hatte sie bereits Herbstferien gebucht, als sie die Konkursmeldung von Thomas Cook erreichte. «Vom Veranstalter kam lediglich die Nachricht: ‹Sie können ihre gebuchte Reise nicht antreten›».

Die Reisen hatte Thomas Cook bereits eingezogen, die Leistungen aber nicht weiterbezahlt, zum Beispiel an Hotels oder Fluggesellschaften. Pauschalreisen verfügen für solche Fälle über eine Kundengeldabsicherung. Im Fall von Thomas Cook standen dazu 110 Millionen Euro bereit. «Es wurde rasch klar, dass dieses Geld längst nicht reicht», sagt Bresciani. Zuversichtlicher können Kunden in England sein, wo der Firmensitz von Thomas Cook liegt und der Staat für die fehlenden Leistungen aufkommt.

Ersatzbuchung reisst Loch in die Kasse

Hampis Travel Service muss nun die Reisen aus eigener Tasche bezahlen. «Das ist ein herber Schlag für uns», sagt Franziska Bresciani. Gerade bei einem kleinen Betrieb, wie jenem in Horn, reisst dies ein Loch in die Kasse. Sie sagt:

«Wir werden das in unserer Jahresbilanz sicher spüren.»

Das Reisebüro ist unabhängig und bucht individuell von verschiedenen Anbietern. Ersatzleistungen zu finden, sei teuer und aufwendig. Langsam seien Flüge und Hotels knapp geworden. «Wir haben viel Zeit und Geld investiert, damit unsere Kunden ihre Ferien wie geplant geniessen konnten», sagt die Geschäftsführerin. Zum Beispiel nach Mauritius musste das Unternehmen eine Ersatzreise buchen. «Die betroffenen Kunden waren sehr dankbar über unser Engagement», sagt sie. So hoffe man, dass diese ihre Ferien künftig wieder bei Hampis Travel Service buchen. «Den Verlust durch den Konkurs müssen wir mit mehr Umsatz wieder wettmachen.» Damit dem Horner Reisebüro dasselbe allenfalls beim nächsten Grounding nicht nochmals passiert, wird es alle Buchungen noch zusätzlich gegen Insolvenz versichern lassen.

Auch Junge buchen Ferien nicht nur im Internet

Vom Aussterben bedroht seien Reisebüros trotz Internet noch lange nicht: «Die Kunden wollen ihre Abende nicht damit verbringen, das günstigste Ferienangebot im Internet zu suchen», sagt Bresciani. Gerade jüngere Kunden würden dies vermehrt schätzen.

Eine Ansprechperson zu haben, sei auch ein Vorteil, wenn man Ferien im Reisebüro bucht. Für unverbindliche Offerten verrechnet das Horner Büro ausserdem nichts. Und insbesondere, wer einmal schlechte Erfahrungen gemacht habe, wisse den Service des Reisebüros zu schätzen. Besonders beliebt sei der Abflugort Altenrhein: «Den Kunden aus der Region gefällt der kurze Anfahrtsweg.»

Auch Goldacher Reisebüro ist betroffen

Gemäss Reto Kuratli, Geschäftsführer von Bernhard Reisen in Goldach, wird ein erheblicher Schaden zurückbleiben. Derzeit rechnet er mit einem mittleren fünfstelligen Betrag, den die Firma aus der eigenen Kasse stemmen muss. Mehrere Kunden haben sich laut Kuratli in den Ferien befunden, oder standen kurz vor der Abreise, als Thomas Cook pleite ging. «Ein Kunde musste zum Beispiel das Hotel vor Ort nochmals selber bezahlen.» Pauschalreisen, ein Hauptgeschäft von Thomas Cook, unterstehen dem Pauschalreisegesetz und müssen finanziell rückversichert werden. In einigen Fällen wurden hingegen nur Einzelleistungen, etwa Hotels oder Flüge, via Thomas Cook gebucht. Kunden, die solche Leistungen übers Reisebüro gebucht haben, seien auch hier abgesichert. Wer aber online bucht, müsse für den Schaden selber aufkommen. Kuratli sagt:

«Unsere Kunden sollen schadlos aus der Sache raus kommen.»

Besonders unglücklich sei der Zeitpunkt des Konkurses kurz vor den Herbstferien, ein beliebter Zeitraum für Pauschalreisen. «Für die Herbstferien konnten wir mit einigem Aufwand bei allen Betroffenen für eine akzeptable Lösung sorgen. Internetkunden mussten sich selber organisieren.»

Nur marginal betroffen vom Konkurs ist Hotelplan Suisse, heisst es auf Anfrage. In der ganzen Schweiz waren weniger als hundert Buchungen betroffen, heisst es vom Büro, das in Rorschach eine Filiale führt.

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