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Die deutschen Bestseller-Autoren Klüpfel und Kobr zu Gast in Gossau

Auf Ihrer Jubiläumstournee machen die Krimiautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr auch einen Halt in der Schweiz - und zwar in Gossau. Im Gespräch erzählen sie vom gemeinsamen Schreiben, massentauglichen Figuren und dämlichen Fragen.
Interview: Adrian Lemmenmeier
Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel schreiben seit 15 Jahren Bestseller. Von einer Bücherkrise merken sie nichts. Bild: Andrea Stadler

Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel schreiben seit 15 Jahren Bestseller. Von einer Bücherkrise merken sie nichts. Bild: Andrea Stadler

Volker Klüpfel, Michael Kobr, Sie schreiben seit 15 Jahren gemeinsam Krimis. Ihre Bücher wurden millionenfach verkauft, mehrfach verfilmt und unter anderem ins Chinesische oder Russische übersetzt. Wie erklären Sie sich diesen riesigen Erfolg?

Michael Kobr: Wir hatten am Anfang selber nie gedacht, dass wir je vom Krimi-Schreiben leben könnten. Die Frage nach dem Erfolg haben wir uns oft gestellt. Wir glauben, dass er mit der Hauptfigur unserer Bücher zusammenhängt: Kommissar Kluftinger. Er ist eine starke Identifikationsfigur.

Kluftinger ist ein kauziger Mittfünfziger, der gerne Wurstsalat isst. Schrullige Kommissare gibt es doch Hunderte. Was macht diesen Kluftinger so massentauglich?

Kobr: Kluftinger ist gar nicht so schrullig, wie er oft beschrieben wird. Vielmehr ist er ein ganz normaler Typ, ein Riesenspiesser, der sich tagsüber auf den Feierabend freut. Letzteres verbindet ihn mit vielen Leuten.

Klüpfel: Die Idee war tatsächlich, einen Gegenentwurf zu schaffen zu den ganzen kaputten, verschrobenen, psychisch derangierten Kommissaren. Kluftinger ist ein Normalo, einer, der auch ein Privatleben hat. Was macht denn der Derrick, wenn er zu Hause ist? Für den Kluftinger wollten wir das wissen.

Die Kluftinger-Krimis spielen alle in der bayrischen Region Allgäu, wo auch Sie herkommen. Haben die Krimis auch die Region verändert? Klappern jetzt chinesische Touristen die Schauplätze ab?

Klüpfel: Der Tourismus aus dem Ausland hat wegen unserer Bücher wohl kaum zugenommen, der aus dem Inland aber schon. Es gibt mittlerweile Kluftinger-Touren in Füssen, in Kempten und in Altusried, ebenso Bustouren zu allen Schauplätzen. Es war aber nie unser Anliegen, das Allgäu touristisch voranzubringen.

Sie schreiben ihre Bücher gemeinsam. Wie funktioniert das eigentlich?

Kobr: Wir entwickeln die Bücher zwar zusammen, schreiben aber getrennt. Jeden Morgen skypen wir und diskutieren die Handlung. Dann verteilen wir die Szenen, schreiben sie, schicken sie uns gegenseitig, korrigieren sie und setzen sie dann zu einem Ganzen zusammen.

Wie schaffen Sie einen einheitlichen Stil?

Klüpfel: Das ist schon aufwendig. Erstens muss man einen gemeinsamen Ton finden. Dann schicken wir den Text so oft hin und her, bis von jedem so viel drin ist, dass es ein gemeinsamer Text ist.

Führt das auch zu Konflikten, wenn der eine immer den Text des andern verändert?

Klüpfel: Ja klar, Konflikte sind auch ein Ziel unserer Arbeit. Reibung erzeugt Energie und da ziehen wir kreatives Potenzial draus. Das heisst nicht, dass wir deswegen streiten.

Sie sind in Deutschland ebenso für Ihre komödiantischen Lesungen bekannt wie für Ihre Bücher. War es Konzept oder Zufall, das Schreiben mit Live-Auftritten zu verbinden?

Klüpfel: Das war nicht von Anfang an geplant. Bei unseren ersten Auftritten waren wir auch total nervös. Wir haben dann aber entdeckt, dass wir gerne auf der Bühne stehen, dass wir ein Talent haben, Leute zu unterhalten. So haben wir die Live-Auftritte ausgebaut.

Kobr: Und es macht auch mehr Spass, live zu lesen, als nur Autor zu sein, daheim zu sitzen und vielleicht einmal im Jahr zur Buchmesse zu fahren.

In der Danksagung ihres neusten Krimis entschuldigen Sie sich bei der Kemptener Polizei für die vielen dämlichen Fragen, die sie dort gestellt haben. Was war denn die dämlichste?

Kobr: Wir haben uns erst nach dem zweiten Buch getraut, überhaupt dort anzurufen. Wir wussten einfach nicht, wie der Polizeialltag so aussieht. Und anfangs waren wir grob fahrlässig. So haben wir etwa immer vom Polizeipräsidium in Kempten geschrieben, dabei gab es dort bloss eine Direktion.

Klüpfel: Saudämlich waren sicher auch unsere Fragen, wie genau man den Tätern auf die Schliche kommt. Das konnte die Polizei uns natürlich nicht sagen, weil sie ihre Ermittlungsmethoden nicht öffentlich macht.

Sie feiern ein Doppeljubiläum: In 15 Jahren haben Sie zehn Kluftinger-Krimis geschrieben. Wäre das nicht eine gute Gelegenheit gewesen, Kluftinger sterben zu lassen?

Klüpfel: Klar, man will ja aufhören, solange es läuft, und abtreten mit einem Knall. Wir haben uns das schon überlegt.

Warum hat Kluftinger seinen neusten Fall dennoch überlebt?

Klüpfel: Wir haben immer wieder angedeutet, dass wir die Kluftinger-Reihe vielleicht beenden. Daraufhin gab es überraschend vehemente Reaktionen von Lesern, dass wir das nicht tun sollten. Das hat uns überzeugt. Wir werden in Zukunft aber mehr andere Bücher schreiben.

Kobr: Es ist, wie wenn man heiratet und denkt: Mein Gott, werde ich diese Frau in 15 Jahren noch attraktiv finden und später merkt, dass es tatsächlich so ist. Die Figur Kluftinger ist noch nicht auserzählt.

Und der Boom ist noch nicht vorbei.

Klüpfel: Nein, es ist der Hammer. Wir merken nichts von der Buchkrise. Die Verkaufszahlen von Kluftinger bleiben konstant.

Sie haben gesagt, Sie wollten in Zukunft andere Bücher schreiben. Was ist in Planung?

Kobr: Wir schreiben zurzeit an einem Thriller, der ohne Kluftinger auskommen wird. Er wird auch nicht im Allgäu spielen, sondern sonst irgendwo in Deutschland. Und er wird auch nicht humorvoll sein.

Krimi-Comedy im Gossauer Werk 1

Auf ihrer Jubiläumstournee «der Sinn des Lesens» machen Volker Klüpfel und Michael Kobr auch einen Halt in der Schweiz – und zwar in Gossau. Am Mittwoch, 17. Oktober, treten die für ihre komödiantische Live-Show bekannten Krimiautoren im Werk 1 auf. Sie lesen aus dem neusten Krimi mit dem Titel «Kluftinger».
Für Mitglieder des Kulturkreises kostet der Eintritt 25 Franken, für Nichtmitglieder 35. Jugendliche bis 18 Jahre bezahlen 15 Franken. Saalöffnung ist um 19 Uhr. Der Vorverkauf läuft über die Gutenberg Buchhandlung: 071 383 20 00, kontakt@gutbuch.ch.
Die Bücher von Klüpfel und Kobr gelten in Deutschland als Kult. Über sechs Millionen Exemplare wurden verkauft. Übersetzungen erschienen in Japan, Taiwan, Italien, Polen, China, Russland und der Türkei. Drei Krimis wurden verfilmt. (al)

Hinweis: Klüpfel & Kobr: Kluftinger, Ullstein-Verlag, 480 S., Fr. 30.-

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