Kommentar
Umweltschutz hat seinen Preis: Die St.Galler Stadtwerke gehen mit neuen Fernwärmetarifen den richtigen Weg

Die meisten St.Gallerinnen und St.Galler müssen ab Juni mehr bezahlen für Fernwärme aus dem Kehrichtheizkraftwerk. Das schadet dem Haushaltsetat minim, hilft dem Klimaschutz aber umso mehr.

Daniel Wirth
Daniel Wirth
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Was hier beim Kehrichtheitskraftwerk abgeladen wird, erzeugt heute in 17'000 Haushalten der Stadt Wärme: Kehricht.

Was hier beim Kehrichtheitskraftwerk abgeladen wird, erzeugt heute in 17'000 Haushalten der Stadt Wärme: Kehricht.

Bild: Benjamin Manser

Die gut ausgebaute Fernwärmeversorgung der Stadt St.Gallen hat in der Schweiz Pioniercharakter und gilt als fortschrittlich und umweltverträglich: Aus Kehricht entsteht Wärme, mit der Häuser und Wohnungen beheizt werden; Ende 2020 waren es schon über 17 000 Einheiten, und es werden kontinuierlich mehr.

Die Folge: Es braucht immer mehr Wärme. Der Kehricht wird aber nicht mehr. Es braucht mehr Ergänzungsenergie. Heute schon wird an kalten Tagen im Kehrichtheizkraftwerk mit Öl nachgefeuert, damit niemand frieren muss daheim. Bloss: Das Verbrennen von Öl schadet der Umwelt.

Darum wollen die Stadtwerke den Anteil Öl sukzessive verringern und durch erneuerbare Stoffe wie Biogas, synthetisches Gas und Holz ersetzen. Diese Energieträger sind alle umweltverträglicher als Öl. Aber auch teurer, zum Teil massiv, gerade was Biogas aus der Schweiz angeht.

Das Gros der Einwohnerinnen und Einwohner, die heute Fernwärme beziehen, müssen ab Juni deshalb tiefer ins Portemonnaie greifen. Sie haben die Wahl, wie viel tiefer. Dem Ausbau des Fernwärmenetzes haben die Stimmberechtigten der Stadt jeweils mit Mehrheiten zugestimmt, die an Resultate aus China oder Nordkorea erinnern. Jetzt können die St.Gallerinnen und St. Galler beweisen, wie ernst es ihnen mit dem Umwelt- und Klimaschutz ist. Denn eines ist klar: Ökologie hat ihren Preis.

Das Stadtparlament könnte am 22. Februar ein Signal aussenden, wenn es der Tarifrevision klar zustimmt. Stadtrat und Verwaltung sollten die Werbetrommel rühren und Überzeugungsarbeit leisten mit dem Slogan «Sankt Energiewende».

Mit der Tarifrevision schneidet die Stadt einen alten Zopf ab: die Koppelung des Preises für Fernwärme an den Ölpreis. Die Tarife sind damit ab Juni dieses Jahres nicht mehr den gleichen Schwankungen ausgesetzt wie heute; das gibt sowohl den Stadtwerken als auch den Kundinnen und Kunden deutlich mehr Planungssicherheit.