Kommentar
St.Galler Stadtregierung kippt Musikverbot: Vorgehen der Verwaltung ist dilettantisch

Für die Liegewiesen am Mannenweier galt ein Musikverbot. Das hat der Stadtrat St.Gallen nun nach Protesten wieder aufgehoben. Trotzdem wirkt es nicht wie ein Akt der Einsicht.

Reto Voneschen
Reto Voneschen
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Laut Musik hören oder selbst spielen: Am Mannenweier war das kurzzeitig verboten.

Laut Musik hören oder selbst spielen: Am Mannenweier war das kurzzeitig verboten.

Bild: Ralph Ribi

Dilettantischer geht’s nicht mehr: Zuerst erlassen Dienststellen der Stadt ein Musikverbot für die Liegewiesen am Mannenweier. Dann werden durch die Polizei mit Verweis auf das Verbot Bussen verteilt. Auf Kritik hin werden die Verbotstafeln nachgebessert. Auf weitere Kritik hin wird alles zum Irrtum erklärt und wieder aufgehoben.

Es ist offensichtlich, dass bei diesem Geschäft in den städtischen Amtsstuben die Hausaufgaben vor dem Erlass des Verbots nicht gemacht wurden. Man hat den Eindruck, dass da eine Verwaltung am Werk war, die keine Ahnung von der Stadt und von den Verhältnissen auf Drei Weieren hat.

Der Mannenweier – und nur um ihn geht es im Fall des Musikverbots – ist kein geschlossenes Freibad. Er ist aufgrund politischer Entscheide 365 Tage im Jahr zugänglich und so etwas wie ein öffentlicher Raum. Er ist vor allem aber ein Ort, über den seit Jahr und Tag wegen der Wochenendpartys diskutiert wird, für den Jugendarbeit und Stadtpolizei sogar eigene Kamp­ag­nen entwickelt haben.

Wenn nun die Badeverwaltung hingeht und per Hausordnung ein allgemeines Musikverbot verhängt, ist das naiv und politisch ein Fauxpas. Tragisch ist, dass das niemanden in der Verwaltung interessiert und sogar Bussen auf einer fragwürdigen Rechtsgrundlage verteilt werden. Die Glaubwürdigkeit der Behörden stärkt das nicht. Dafür kommt auch die Rücknahme des Verbots zu spät: Sie wirkt nicht mehr als Akt von Einsicht und damit Stärke, sondern als Hüst-und-Hott-Politik.