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St.Gallen hat mit Maria Pappa die erste Stadtpräsidentin: Ein starkes Zeichen für die Frauen in der Politik

Das Wahlvolk hat gesprochen: Maria Pappa (SP) wird die erste Frau im St.Galler Stadtpräsidium. Für «Tagblatt»-Redaktor Reto Voneschen ist das eine historische Wahl, vor allem aber auch ein starkes Zeichen für die politische Gleichstellung der Geschlechter.

Reto Voneschen
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«Tagblatt»-Stadtredaktor Reto Voneschen.

«Tagblatt»-Stadtredaktor Reto Voneschen.

Bild: Hanspeter Schiess

Es ist eine historische Wahl: St.Gallen bekommt mit Maria Pappa die erste Stadtpräsidentin der Geschichte. Dass sie das Amt 2021 antreten kann, also in dem Jahr, in dem sich das Ja der Schweizer zum Frauenstimmrecht zum fünfzigsten Mal jährt, hat Symbolkraft. Die Frauen sind definitiv in der Stadtpolitik angekommen.

Die Pionierarbeit, die Frauen quer durch alle Lager und allen Widerständen zum Trotz geleistet haben, zahlt sich mit diesem Sonntag aus. Die Wahl von Maria Pappa ins Stadtpräsidium ist aber noch mehr: es ist auch ein Etappensieg für all jene, denen die Gleichstellung der Geschlechter wichtig ist.

Wahl einer Seconda war diesmal das Normalste der Welt

Dass mit Maria Pappa am Sonntag eine Seconda ins St.Galler Stadtpräsidium gewählt wurde, ist ebenfalls ein Novum. Das Positivste daran ist, dass die italienischen Wurzeln der Kandidatin im Wahlkampf überhaupt kein Thema waren. Für einmal war völlig selbstverständlich, dass jemand, der sich engagieren und die Zukunft der Stadt mitgestalten will, nicht nach der Herkunft, sondern aufgrund der Fähigkeiten beurteilt wird. Und genau so sollte es sein.

Überschäumende Freude herrscht: Maria Pappa mit Blumenstrauss und Regenbogen-Hygienemaske freut sich am Sonntag über ihre Wahl zur Stadtpräsidentin.

Überschäumende Freude herrscht: Maria Pappa mit Blumenstrauss und Regenbogen-Hygienemaske freut sich am Sonntag über ihre Wahl zur Stadtpräsidentin.

Bild: Ralph Ribi (29.11.2020)

Ebenfalls ein positives Zeichen ist dieses Sonntags aber auch die Wahl von Mathias Gabathuler in den Stadtrat. Natürlich wäre es das Tüpfelchen auf dem «i» gewesen, wenn die Stadtregierung 2021 auch noch mit einer Frauenmehrheit aufgewartet hätte. Wichtiger für die Zukunft der Stadt ist unter dem Strich aber schon, dass mit Gabathuler die zweitstärkste Kraft – die FDP und mit ihr das bürgerliche Lager – in der Stadtregierung verbleibt.

Jetzt liegt der Ball bei den fünf Gewählten Mitgliedern der Stadtregierung

Unser direktdemokratisches System ist darauf angelegt, die relevanten Kräfte in die Entscheidungsfindung einzubinden. Gerade in einer städtischen Exekutive geht’s nicht ohne Kompromisse. Sollen diese vor dem Parlament und vor dem Volk bestehen, müssen sie breit abgestützt sein. Alles andere führt zu Blockaden - also nirgends hin.

Die Ausgangslage für die neu gewählte St.Galler Stadtregierung stimmt diesbezüglich. Jetzt liegt der Ball bei den zwei Neu- und den drei Wiedergewählten: Es ist nun an ihnen, die Stadt in den kommenden Jahren massgeblich weiter zu bringen. Nur sie können all jene Lügen strafen, die im Wahlkampf kritisierten, es fehle auf dem Wahlzettel eigentlich an den geeigneten Persönlichkeiten.