Kommentar
Geht gar nicht: In Gossau soll Heineken in Abertausende Sängerkehlen fliessen

Am Schweizer Gesangsfestival 2022 in Gossau ist der zweitgrösste Brauereikonzern weltweit Sponsor. Heineken wird den Durst von 50'000 Sängern und Besuchern stillen. Das geht gar nicht, schreibt Daniel Wirth, Leiter der Stadtredaktion, in seinem Kommentar.

Daniel Wirth
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Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion St. Galler Tagblatt.

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion St. Galler Tagblatt.

Bild: Ralph Ribi

50'000 Frauen und Männer wird das Schweizer Gesangsfestival kommendes Jahr nach Gossau locken. Mehrere Hundert Chöre werden erwartet, 15'000 Sängerinnen und Sänger und 35'000 Besucherinnen und Besucher. Das Organisationskomitee, dem alt Stadtpräsident und Sänger Alex Brühwiler vorsteht, stemmt eine grosse Kiste.

Das Sponsoring hat das OK ausgelagert an eine spezialisierte Firma. Diese hat nun Heineken an Bord geholt. Finanziell ist das ein Coup. Der zweitgrösste Brauereikonzern der Welt hat andere Möglichkeiten als die ortsansässige «Stadtbühl», Locher in Appenzell oder «Schützengarten» in St. Gallen. Aber: Heineken hat null Ostschweizer Charme.

Das Schweizer Gesangsfest ist für Gossau eine gute Möglichkeit, auf sich und auf die Region aufmerksam zu machen – und auf regionale Spezialitäten. Mit Heineken geht das nicht. Die Gossauer können ein Lied davon singen, wenn Aufträge abwandern: Der Aufschrei, als die Stadt ihr Magazin ins Appenzellerland vergab, war unüberhörbar.

Der Aufschrei darüber, dass in Gossau Heineken in Abertausende Sängerkehlen fliesst, dürfte bis Amsterdam hallen. Verständlicherweise. Bier ist Heimat. Ein Gastgeber sollte mit Lokalem trumpfen. Und das geht. Das letzte Gesangsfestival fand 2015 in Meiringen im Berner Oberland statt. Zu trinken gab es Rugenbräu aus Interlaken.