Kokaindealer flüchtet vor der Polizei - jetzt muss er das Land verlassen

Ein 35-jähriger Drogendealer ist über die Bahngeleise der Appenzeller Bahnen vor einer Polizeikontrolle geflüchtet.

Claudia Schmid
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Der Flüchtige ist über die Gleise der Appenzellerbahnen geflüchtet.

Der Flüchtige ist über die Gleise der Appenzellerbahnen geflüchtet.

Der Beschuldigte musste sich wegen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetzes, Hinderung einer Amtshandlung und Übertretung des Eisenbahngesetzes vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Vorgeworfen wurde dem nigerianischen Staatsangehörigen, dass er Anfang November 2018 ein St. Galler Hotel betreten und dort von einem Komplizen 15 Fingerlinge mit insgesamt 149 Gramm Kokaingemisch entgegengenommen hat.

Nach dem Fluchtversuch 
wurde er verhaftet

Eine halbe Stunde später wurde der Beschuldigte am Hauptbahnhof kontrolliert. Als er ins Patrouillenfahrzeug einsteigen sollte, ergriff er die Flucht Richtung Gaiserbahnhof. Die Polizisten konnten ihn schliesslich beim St. Leonhard-Pärkli festnehmen. Kurz vorher soll er eine Socke mit den Fingerlingen ins Gebüsch geworfen haben.

Diesen Vorwurf hatte er während des Vorverfahrens bestritten. Erst an der Gerichtsverhandlung gab er es zu. Der vorsitzende Richter hielt ihm darauf vor, dass er bereits vor diesem Vorfall mehrmals in besagtem Hotel gesehen worden ist. Da habe er kein Kokain geholt, sondern einen Freund besucht, beteuerte der Beschuldigte, der in Spanien lebt. Er gab an, nicht vom Drogengeschäft, sondern Pneuhandel zu leben. Er kaufe in der Schweiz Pneus und Autoeinzelteile ein und exportiere sie nach Afrika.

Laut Staatsanwalt war den Behörden schon lange bekannt, dass im ehemaligen Hotel wiederholt Kokainlieferungen aus Amsterdam eintreffen und an mehrere sogenannte Binnenauslieferer weitergegeben werden. Die Untersuchungsbehörden gingen eigentlich davon aus, dass der Beschuldigte mehr als einmal Kokain abgeholt habe, könne es aber nicht beweisen, weshalb nur der eine Fall zur Anklage gekommen sei.

Staatsanwalt verlangte
Landesverweis

Der Staatsanwalt verlangte als Sanktion eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monate, eine Geldstrafe, eine Busse und Landesverweisung. Er wies auf die Vorstrafen des Beschuldigten hin. In Österreich wurde er dreimal wegen Drogendelikten verurteilt und schliesslich in seine Heimat ausgeschafft. Danach kam er in die Schweiz und beantragte Asyl. Nachdem das Gesuch abgewiesen wurde, tauchte er unter und heiratete später in Spanien eine Europäerin. 2011 wurde er in der Schweiz wegen Missachtung der Ausgrenzung zweimal verurteilt.

Vater von 
vier Kindern

Der Verteidiger forderte einen Freispruch vom Vorwurf der Hinderung einer Amtshandlung und Übertretung des Eisenbahngesetzes. In Bezug auf das Betäubungsmitteldelikt müsse zugunsten seines Mandanten davon ausgegangen werden, dass es sich um einen einmaligen, kleineren Kurierdienst gehandelt habe. Er sei deshalb lediglich wegen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetzes zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu verurteilen. Es bestehe eine erhöhte Strafempfindlichkeit, da der Mann in Nigeria mit einer Landsfrau vier Kinder habe.

Das Kreisgericht St. Gallen folgte den Argumenten des Verteidigers nicht. Es verurteilte den Beschuldigten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wobei ein Jahr zu vollziehen ist. Zudem muss er eine Geldstrafe von 12 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse von 200 Franken bezahlen. Er wird für sieben Jahres des Landes verwiesen. Die Untersuchungs- und Verfahrenskosten von rund 24 600 Franken gehen zu seinen Lasten.