Koffer einer Gouvernante am russischen Zarenhof: Das Ortsmuseum Andwil präsentiert seine neue Ausstellung

Das Ortsmuseum Andwil zeigt eine neue Ausstellung zum Thema «Kisten, Kästchen und Büchsen». Der ehemalige Geschichtslehrer Curdin Belart hat sein Corona-Quarantäneprojekt umgesetzt. Dabei ist er auf viele spezielle Geschichten gestossen.

Aybüke Köseoglu
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Eines der ältesten Ausstellungsstücke im Ortsmuseum: Das antike Nähkästchen aus dem Jahr 1779.

Eines der ältesten Ausstellungsstücke im Ortsmuseum: Das antike Nähkästchen aus dem Jahr 1779.

Bild: Aybüke Köseoglu

Die neue Wechselausstellung im Ortsmuseum Andwil lädt in die Vergangenheit ein. Ausgestellt sind antike Kisten, Kästchen und Schatullen in allen Formen und Farben: Schachteln aus 1910 für Zylinderhüte aus Paris, Kästen für Handnähmaschinen aus dem 19. Jahrhundert oder ein eiserner Ford-Wärmesitz für Kutschen und Automobile.

Faszination für antike Schachteln

Die Idee für die Ausstellung stammt von Curdin Belart, Präsident der Ortsmuseumskommission Andwil. Der ehemalige Oberstufenlehrer hat auch Geschichte unterrichtet. Als er Schülern den Auftrag gab, eine Schatzkiste zu bauen, waren diese begeistert:

«Das hat mich zur Ausstellung motiviert.»
Kommissionspräsident Curdin Belart vom Andwiler Ortsmusem.

Kommissionspräsident Curdin Belart vom Andwiler Ortsmusem.

Ralph Ribi

In der Quarantäne habe er endlich Zeit gehabt, die Idee zu realisieren. Im Gemeindeblatt startete er einen Aufruf. Privatpersonen und Sammler meldeten sich bei ihm. Auch eigene antike Schatullen hat der pensionierte Lehrer der Ausstellung beigesteuert.

Eine Person hat dem Museum seine ganze Büchsen und Kistensammlung zur Verfügung gestellt, darunter auch Schatullen aus dem Orient. «Viele Personen, die uns ein Objekt liehen, haben einen persönlichen Bezug dazu», sagt Belart.

Auch Kisten können Geschichten erzählen

Einen besonderen Überseekoffer aus dem Jahr 1910 hat Curdin Belart im Brockenhaus gefunden. «Viele Stücke hier haben eine Geschichte zu erzählen. Der Koffer gehörte einer Frau, deren Grossmutter eine Schweizer Gouvernante am russischen Zarenhof war», erzählt Belart.

Ein Überseekoffer aus dem Jahr 1910, der einer Schweizer Gouvernante gehörte.

Ein Überseekoffer aus dem Jahr 1910, der einer Schweizer Gouvernante gehörte.

Bild: Aybüke Köeoglu

Der Verarbeitung und der Grösse des Koffers nach müsse es sich um eine wohlhabende Besitzerin gehandelt haben. Die Unterteilung lässt ausserdem darauf schliessen, dass sie so ihre Kleider sorgfältig und knitterfrei hineinlegen konnte.

Besitzerin des Krokodilköfferchen Schauspielerin Anna Backlanoff.

Besitzerin des Krokodilköfferchen Schauspielerin Anna Backlanoff.

Bild: PD

Ein weiteres Einzelstück ist ein Korrespondenzköfferchen aus Krokodilleder. Die Besitzerin war die deutsche Schauspielerin Aenne Gebhardt, die sich nach der Heirat mit dem in St.Petersburg geborenen Tenor Georges Backlanoff Anna Backlanoff nannte. Die Familie wohnte ab 1932 in Basel. Ihre Tochter Aglavaine Gribi-Backlanoff übergab im Jahr 1952 in Bern das Köfferchen der Tante von Curdin Belart.

Und wenn bei einigen Gegenständen die Geschichte während der Jahre verloren gegangen sei, habe man selber die Freiheit, sich eine auszudenken. «Das ist doch das Schöne an der Geschichte», sagt Belart.

Vorgänger der heutigen Duschen: ein Riesel-Bad.
7 Bilder
Schachteln zur Aufbewahrung von Zylinderhüten.
Ein Wärmesitz für Kutsche und Automobil. Das heisse Wasser wurde in den Behälter reingefüllt.
Zündholzschachteln aus den 50ern: Einige könnten heute wohl nicht so getaltet werden.
Ein Schreibsekräter mit Schreibfeder, Tintenbehälter und Couverts.
Eine Kistenwaschtrommel aus 1850.
Das Korrespondenzköfferchen von Schauspielerin Anna Backlanoff.

Vorgänger der heutigen Duschen: ein Riesel-Bad.

Bild: Aybüke Köseoglu

Die Ausstellung läuft bis März 2021. Sie ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 - 17 Uhr geöffnet. Wegen der Grösse des Raums, muss eine Maske getragen werden.