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Der König der Honigbienen kommt aus Goldach

Dietmar Hiltebrand aus Goldach hält Bienenvölker und bildet Imker aus. Die Nachfrage nach Kursen über die Tiere nimmt ständig nimmt.
Jolanda Riedener

Inmitten einer Obstbaumplantage in Goldach sind zehn der Bienenvölker von Dietmar Hiltebrand zu Hause. In den nummerierten Magazinen leben die Bienen, sammeln Nahrung und ziehen Nachwuchs gross. Es ist grün rund ums Bienenhäuschen in Goldach. Ein paar Tannen wachsen nebenan. Nur das stetige Summen der Bienen ist zu hören – zwischendurch Vogelgezwitscher.

Dietmar Hiltebrand trägt dunkelgrüne Stoffhosen und zieht seine weisse Imkerbluse an. Der 67-Jährige wirkt sportlich, seine Haut trägt Sommerbräune, ein Lächeln sitz auf seinen Lippen. Dann streift er sich Gummihandschuhe über: «Am besten ganz über die Blusenärmel ziehen. Die Bienen finden auch kleine Löcher und bevorzugen diese.»

Schlägt das Wetter um, werden Bienen aggressiv

Seit seiner Pensionierung vor über drei Jahren hat sich der ehemalige Leiter der Technischen Betriebe Goldach ganz der Imkerei verschrieben. Die Bienen mit ihrer komplexen Sozialstruktur faszinieren ihn schon seit vielen Jahren. Es ist warm und bewölkt an diesem Nachmittag. «So haben es die Bienen gerne», sagt Hiltebrand. Wenn das Wetter umschlägt, würden sie sich dagegen eher aggressiv verhalten.

Wie Register lassen sich die Waben aus den Magazinen herausnehmen.
Jedes Bienenvolk bewohnt ein Magazin und erhält eine Nummer zugeteilt. Das Gewicht der Magazine wird dauernd überwacht. Sollte ein Schwarm ausziehen, erhält der Imker eine Nachricht auf sein Smartphone.
Irgendwo versteckt sich die Königin: Um sie leichter zu finden, werden sie mit einem leuchtenden Punkt versehen.
Ohne Schutzkleidung wird's schmerzhaft: Dennoch gehören Bienenstiche zum Alltag des Imkers dazu.
In diesen Weiselzapfen wachsen Königinnen-Larven heran: Die Brut wird von den Arbeiterbienen mit Gelée Royal genährt.
Die symmetrischen Waben füllen die Bienen mit Vorräten oder die Königin legt ihre Eier hinein.
Die Königin wird sorgfältig markiert: Dietmar Hiltebrand versieht sie mit einer Nummer und einem leuchtenden Punkt, damit er sie rasch erkennen kann.
7 Bilder

Der Goldacher Dietmar Hiltebrand gibt Einblick in seine Bienenvölker

Dank der Arbeit der Bienenvölker darf sich der Obstbauer über einen reichen Ertrag und eine gute Qualität der Äpfel freuen. Gleichzeitig produzieren sie Honig. «Vor drei Wochen habe ich 18 Kilo Honig geerntet», sagt Hiltebrand. Momentan haben es die Tiere aber nicht einfach, das spüre man. Die Blüte der Apfelbäume und vielen anderen Pflanzen ist bereits vorüber. Die Nahrung wird knapp.

Deshalb ernte man zu dieser Jahreszeit nicht den ganzen Honig, sondern lasse den Völkern einen Viertel. Über den Sommer produzieren die Bienen nochmals acht bis zehn Kilo. Ihre Nahrung nehmen sie dann auch vom Saft der Blätter. Erst nach der zweiten Ernte im Herbst werden die Bienen vom Imker zur Überwinterung gefüttert. Damit seine Völker gesund bleiben, behandelt er seine Bienen dann auch gegen die Varroamilbe, einen Parasiten.

Larven, Arbeiterinnen und Drohnen

Bienen klammern sich an den Waben. (Bild: Sabrina Stübi)

Bienen klammern sich an den Waben. (Bild: Sabrina Stübi)

Die zehn Kisten, die den Bienenvölkern als Zuhause dienen, sind in verschiedene Register unterteilt. Die symmetrischen Waben zieht Hiltebrand vorsichtig mit ruhiger Hand heraus. Sie sind mit Honig gefüllt, in einigen sind Larven zu sehen – «wie kleine Nussgipfeli», sagt Hiltebrand. Unzählige Arbeiterbienen klammern sich an den Waben, ein Schwarm besteht aus etwa 50000 von ihnen, ihr Leben dauert lediglich 40 bis 50 Tage.

«Die Bienen spüren, wenn der Imker nervös ist.» - Dietmar Hiltebrand

Seine Bienen beruhigen Imker Dietmar Hiltebrand. (Bild: Sabrina Stübi)

Seine Bienen beruhigen Imker Dietmar Hiltebrand. (Bild: Sabrina Stübi)

«Die Biene kann nicht alleine überleben, das Tier besteht sozusagen aus mehreren einzelnen Bienen.» Auch männliche Drohnen sind zu sehen, von ihnen gibt es hingegen nur mehrere hundert pro Volk. Eine Königin kann bis zu 2000 Eier am Tag legen.

«Die Bienen spüren, wenn der Imker nervös ist. Die Imkerei beruhigt mich deshalb.» Das Surren der Bienen wird intensiver. Trotz Schutzkleidung gehören Stiche dazu. Daran gewöhnt habe er sich nicht unbedingt, aber der Schmerz vergehe in der Regel recht schnell wieder.

Ein Bienenvolk besteht aus bis zu 50'000 Arbeiterinnen. Sie leben in der Regel nur 40 bis 50 Tag. (Bild: Sabrina Stübi)

Ein Bienenvolk besteht aus bis zu 50'000 Arbeiterinnen. Sie leben in der Regel nur 40 bis 50 Tag. (Bild: Sabrina Stübi)

Bienen finden kaum Nahrung

«Nicht die Bienen sind knapp, sondern die Nahrung für sie», entgegnet Hiltebrand der geläufigen Meinung, dass immer mehr Bienen sterben würden. Für Bienenvölker bietet die Agglomeration einen besseren Lebensraum als von der Landwirtschaft bestellte Äcker und Wiesen. «In den Gärten finden sie hingegen mehr Nahrung.» Wer etwas tun möchte für die Bienen, soll zum Beispiel Salbei und Rosmarin im Garten pflanzen oder den Knoblauch ausblühen lassen, diese Kräuter mögen die Bienen besonders.

«Ich finde es toll, etwas Sinnvolles für die Natur zu machen.» - Dietmar Hiltebrand

«Die Honigbienen sind vor allem für die Bestäubung des Obsts zuständig, Wildbienen hingegen erhalten die Artenvielfalt.»
Sein Hobby betreibt Dietmar Hiltebrand intensiv. Besonders zwischen Ende April und Mitte Juni, wenn er mit der Zucht beschäftigt ist. «Ich finde es toll, etwas Sinnvolles für die Natur zu machen.» Er selber sei ein Naturmensch und ist viel draussen: Er walkt gerne oder ist in den Bergen zum Skifahren.

Über jeden Eingriff bei den Bienenvölkern wird Buch geführt. Die Magazine, in denen die Bienen wohnen, sind mit einer Wage versehen. Falls sich das Gewicht verändert, erhält Hiltebrand sofort eine Mitteilung auf sein Smartphone.

Not stösst auf Interesse

Nach dem Dokumentarfilm «More than Honey» habe das Verständnis bei der breiten Bevölkerung für die Bienen stark zugenommen, auch das Interesse an der Imkerei wurde vermehrt geweckt. Sein Wissen gibt Hiltebrand weiter: Er gibt Grundkurse und berät bereits tätige Imker. Weiter ist er mit dem Bienenzüchterverein dabei, ein didaktisches Zentrum für Bienenwerte aufzubauen. Die Räumlichkeiten befinden sich im Gymnasium Untere Waid und dienen der Schulung von Imkerinnen und Imkern. Die Eröffnung ist bereits im ­September dieses Jahres geplant.

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