Knochenarbeit auf dem Waldegg-Biketrail oberhalb von St.Gallen: Wer biken will, soll gefälligst auch helfen

Ein Dutzend Freiwillige baut jeden zweiten Sonntag am Waldegg-Biketrail, Hunderte nutzen ihn tagein, tagaus gratis. Nun sind die Arbeiten im Verzug. Wenn die Betriebsbewilligung für die Anlage im Juli 2021 nicht erneuert wird, muss die sie abgebrochen werden.

Viola Priss
Drucken
Teilen
Knochenarbeit im Wald: Freiwillige arbeiten am Waldeggtrail. Von der Fertigstellung des einzigen Biketrails der Stadt St.Gallen sind sie aber noch weit entfernt. Dafür suchen sie jetzt Freiwillige zur Unterstützung.

Knochenarbeit im Wald: Freiwillige arbeiten am Waldeggtrail. Von der Fertigstellung des einzigen Biketrails der Stadt St.Gallen sind sie aber noch weit entfernt. Dafür suchen sie jetzt Freiwillige zur Unterstützung.

Bild: Benjamin Manser (9.8.2020)

Sie sind voll berufstätig, sie haben Familie, sie lieben das Biken und sie stehen im Stueleggwald nahe dem Hüslersegg oberhalb von St.Georgen. Jeden zweiten Sonntag helfen Freiwillige beim Bau und der Sanierung des Waldegg-Trails. Auch Adrian Gerber, Präsident des Vereins Funpark, schultert den Spaten, statt in der Badi den freien Tag zu geniessen. Es sind die Passion, die Überzeugung, aber auch die Not, die den 47-Jährigen seit nunmehr zehn Jahren weitermachen lassen.

Hoffen auf eine Verlängerung der Bewilligung über 2021 hinaus

Die Baubewilligung für den einzigen Stadtsanktgaller Biketrail läuft im Juli 2021 aus. Bis dahin, so das ursprüngliche Ziel, soll die zweite Bauetappe im Falkenwald, vom Ringelberg zur Weierweid, komplett und somit der gesamte Trail für alle befahrbar sein. Wo sich früher nur die eingefleischten Biker hin wagten, sind inzwischen auch der Bub mit seinem Crossbike sowie die Seniorin auf ihrem Velo auf den Geschmack «am adrenalingeladenen Runterbrettern» gekommen.

Adrian Gerber, Präsident des Vereins Funkpark St.Gallen.

Adrian Gerber, Präsident des Vereins Funkpark St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser (9.8.2020)

Womöglich ist das aber nicht mehr lange möglich, denn: Die Bau- ist auch die Betriebsbewilligung. Wird die nicht verlängert, bedeutet das, «alles muss rückgebaut werden», sagt Gerber. Nun heisst es für den Verein Funpark zittern und hoffen auf eine Verlängerung im Juli 2021: «Diesmal hoffentlich mit offener Frist».

«Laisser-faire» könnte das Aus bedeuten

Die Tagesarbeit eines Baggers entspricht im Durchschnitt der Leistung von 100 Vereinsmitgliedern. Aktiv vor Ort sind aber im Schnitt nur fünf bis zehn Helfer, an guten Tagen auch einmal 15. Nicht nur die fehlenden Arbeitskräfte, auch die Finanzierung macht das Projekt Waldegg-Trail zu einer «unendlichen Geschichte».

Im Frühling 2020 fiel an einer Vereinssitzung der Entschluss: Das gesamte Vereinsvermögen von 20'000 Franken sollte in den Ausbau des letzten Abschnitt des Trails investiert werden. Für Holz, Bewilligungsgebühren, Werkzeuge, Tafeln, Versicherungen. Doch dann kam zuerst die Coronapandemie, danach waren Ferien. Das hatte reichlich Verzögerungen zur Folge.

Bauen im Wald ist immer heikel: Es gibt auch kritische Stimmen zum Waldegg-Biketrail, dessen sind sich die Initianten sehr gut bewusst.

Bauen im Wald ist immer heikel: Es gibt auch kritische Stimmen zum Waldegg-Biketrail, dessen sind sich die Initianten sehr gut bewusst.

Bild: Benjamin Manser (9.8.2020)

Maschinen und Material waren bereits bestellt, anpackende Helfer mobilisiert. So hiess es im vergangenen Jahr «Rolle rückwärts» in der Planung, auf die Corona sich gleich doppelt auswirkte. Nicht nur waren Gerber und Co. zum Stillhalten verurteilt, gleichzeitig zog es die Menschen hinaus in die Wälder – und die Biker auf den Trail. «Bei dem, was momentan täglich an Nutzerzahlen gemessen wird, gehen unsere Arbeitskapazitäten komplett für Sanierungsarbeiten drauf», sagt Gerber.

Reparaturen des bestehenden Trails fressen die Kapazitäten auf

Bei inzwischen bis zu 200 Bikern täglich ist das Ziel, den letzten Abschnitt fertig zu stellen, in weite Ferne gerückt. Wo gebikt wird, da entstehen Löcher und Schäden. Sie zu flicken kostet Schweiss, Zeit und Geld. Eine Sisyphusaufgabe, hinter der viel mehr steckt als das Umgraben von Erde: «Im Normalfall gräbt man einfach den Boden mit einem Bagger auf und baut darauf auf. Wir aber dürfen, zum Schutz des Waldes, nicht einfach Erde umschichten.»

So wird Spaten für Spaten die oberste Schicht Waldboden abgetragen und mit gesäubertem Lehm wieder aufgefüllt. Anschliessend werden die Sprünge, Brücken, Steilkurven und Kamelbuckel mit Humus bedeckt.

«So wenig Eingriffe in den Wald wie möglich!»

Hinter dieser Devise steht Adran Gerber, der sich kritischer Gegenstimmen zum Projekt sehr wohl bewusst ist. So verzögerte sich der Baustart 2009 durch eine Einsprache des WWF. Die Stimme des Verbands wird auch bei der Frage nach einer Verlängerung im Juli 2021 eine Rolle spielen.

«Frauen, Schüler, Rentner - alle sind willkommen!»

«Ja, es ist kompliziert», sagt Gerber und seufzt. «Unser oberstes Ziel ist und bleibt die Fertigstellung der Strecke. Das steht und fällt aber mit den Arbeitskräften.» Frauen, Schüler, Rentner – alle seien willkommen, jede Hand zähle jetzt. Die Anfangseuphorie habe über die Jahre gelitten, sagt Gerber, ein harter Kern an Engagierten sei aber geblieben.

Jeden zweiten Sonntag begradigt diese Gruppe Kurven, erneuert Schilder, schüttet Kies auf. Für Gerber gehört das Anpacken zur Biker-Kultur. «Wir grillieren aber auch in der Pause!», betont er: «Und es tut auch der Seele gut, so einen Sonntag im Wald zu stehen.»

Adrian Gerber ist mit der Karrette im Stueleggwald unterwegs. Einen schönen Teil seiner Freizeit opfert er dem Ausbau des Waldegg-Biketrails.

Adrian Gerber ist mit der Karrette im Stueleggwald unterwegs. Einen schönen Teil seiner Freizeit opfert er dem Ausbau des Waldegg-Biketrails.

Bild: Benjamin Manser (9.8.2020)
Mehr zum Thema

Schaufeln für Biker-Traum

Nach Jahren von Vision, Planung, rechtlichem Tauziehen und Warten auf Sonnenschein nimmt der Waldegg-Trail Gestalt an. Dafür legen die Biker ihre Zweiräder zur Seite und selber Hand an.
Olivia Hug