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Knatsch um Pflästerung der Metzgergasse

Der St.Galler Stadtrat hat ein ausgearbeitetes Projekt für die Neugestaltung der Metzgergasse zurückgewiesen. Er will eine Lösung mit «Sandpflästerung». Die Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest und die Behindertenorganisation Procap kritisieren den Entscheid.
David Gadze
Die Metzgergasse ist eine wichtige Verbindung zwischen dem Marktplatz und dem Unteren Graben. (Bild: Michel Canonica/13. Januar 2019)

Die Metzgergasse ist eine wichtige Verbindung zwischen dem Marktplatz und dem Unteren Graben. (Bild: Michel Canonica/13. Januar 2019)

Eigentlich sollten die Metzgergasse und die Engelgasse seit 2018 über eine neue Pflästerung verfügen. Wegen der Einsprachen gegen die Aufhebung der Parkplätze am und rund um den Marktplatz – inklusive der beiden Gassen – waren die Projekte jedoch lange blockiert. Nun, da die Parkplatzaufhebungen rechtskräftig sind, sollten die beiden Gassen dieses Jahr eine neue Oberflächengestaltung bekommen. In mehrmonatiger Arbeit hat das städtische Tiefbauamt mit verschiedenen Interessengruppen die Projekte erarbeitet. Für die Engelgasse ist eine Gestaltung in ungebundener Bauweise vorgesehen – also mit Fugen, die mit Sand verfüllt sind, wie etwa an der bereits fertiggestellten Augustinergasse. Für die Metzgergasse hingegen war die gebundene Bauweise mit einem breiten Mittelstreifen für Gehbehinderte geplant, also eine flächige Pflästerung mit verschlossenen Fugen, wie an der Brühlgasse.

Ökologische Aspekte besser berücksichtigen

Nun sind die Pläne für die Metzgergasse obsolet – vorerst zumindest. Während die Vorlage für die Neugestaltung der Engelgasse für die Sitzung des Stadtparlaments von morgen Dienstag traktandiert ist, hat der St.Galler Stadtrat jene für die Metzgergasse an die Direktion Planung und Bau zurückgewiesen. Auch für sie sei ein Projekt in ungebundener Bauweise auszuarbeiten. Das geht aus einem Schreiben des Tiefbauamtes an die Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest hervor.

Das Tiefbauamt habe nun den Auftrag, zu überprüfen, ob ökologische Aspekte mit der ungebundenen Pflästerung besser berücksichtigt werden könnten, sagt Baudirektorin Maria Pappa. Denn wenn die Fugen mit Sand verfüllt seien, könne Regenwasser versickern statt abfliessen. Gleichzeitig müssten aber auch alle anderen Bedürfnisse erfüllt sein, insbesondere jene der Gehbehinderten, da die Metzgergasse eine wichtige Verbindung zwischen dem Unteren Graben und dem Marktplatz sei. Dies sei «nicht ganz einfach».

Gassengesellschaft ist konsterniert

«Wir sind konsterniert über diesen Entscheid des Stadtrats», sagt Uwe Albers, Präsident der Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest. In monatelanger Arbeit sei eine Lösung erarbeitet worden, der alle Beteiligten zugestimmt hätten. Das Argument, dass Regenwasser aus ökologischen Gründen versickern können sollte, bezeichnet Albers im konkreten Fall als «absurd».

«Die Metzgergasse ist die steilste der grossen Gassen in der nördlichen Altstadt. Wenn es stark regnet, fliesst dort ein Bach.»

Dieser würde bei einer ungebundenen Bauweise den Sand regelmässig ausspülen, was zu Verschmutzungen der angrenzenden Geschäfte führen würde – ein Problem, das auch an der Hinterlauben aufgetreten war und der Stadt viel Kritik der dortigen Gewerbebetriebe eingebracht hatte. Ausserdem hätten Stadtrat und Parlament auch der Neugestaltung der Goliath- und der Brühlgasse mit gebundener Pflästerung zugestimmt, obwohl beide weniger frequentiert seien als die Metzgergasse.

Die Gassengesellschaft Altstadt-Nordwest wolle jedenfalls weiter für die ausgehandelte Lösung kämpfen, sagt Uwe Albers. An der Sitzung vom vergangenen Montag habe der Vorstand beschlossen, dafür zu lobbyieren und auf ausgewählte Stadtparlamentarier zuzugehen. Die Gassengesellschaft hofft, so eine Vorlage für eine ungebundene Pflästerung der Metzgergasse dereinst im Parlament kippen zu können.

Keine zweite Holperbahn wie in der Neugasse

Auch die Behindertenorganisation Procap ist alles andere als erfreut über die Rückweisung der Neugestaltungsvorlage. Es gebe Normen, welche die ungebundene Bauweise nicht erlaubten, sagt Markus Alder, Bauberater von Procap St.Gallen/Appenzell. Selbst wenn es einen Streifen für Gehbehinderte geben sollte: Das grösste Problem bei dieser Bauweise sei nicht die Beschaffenheit der Pflastersteine, sondern der Fugen. «Eine Putzmaschine wischt den Sand raus. Die Unebenheiten führen zu Vibrationen, die für Rollstuhlfahrer sehr schlecht sind.» Die Stadt habe ihm zwar zugesichert, dass die Fugen immer verfüllt sein würden. «Ob das in der Praxis so sein wird, ist aber eine andere Frage.» Für Alder ist jedenfalls klar: Eine zweite Holperbahn wie in der Neugasse darf es nicht geben.

Definitiv gestorben sei die ausgehandelte Lösung allerdings noch nicht, sagt Baudirektorin Maria Pappa. Sollte sich bei der Überarbeitung des Neugestaltungsprojekts für die Metzgergasse herausstellen, dass sich all die Bedürfnisse bei einer ungebundenen Bauweise nicht erfüllen liessen, brauche es eine neue Abwägung der verschiedenen Bedürfnisse. Das könnte bedeuten, dass das Tiefbauamt dem Stadtrat erneut eine Vorlage mit einer gebundenen Pflästerung vorlegen müsse.

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