Knall bei der CVP der Stadt St. Gallen: Michael Hüppi gibt den Parteiaustritt, weil er mit dem Vorgehen der CVP bei den Stadtratswahlen nicht einverstanden ist

Die CVP tritt am 29. November im zweiten Wahlgang der Stadtratswahlen mit Trudy Cozzio gegen den FDP-Kandidaten Mathias Gabathuler an. Michael Hüppi, prominentes Mitglied der CVP, hat dafür kein Verständnis. Das Risiko, dass die Bürgerlichen das Stadtpräsidium an die SP verlieren, steige mit der Kandidatur Cozzios massiv, schrieb er der Leitung der Kantonalpartei.

Daniel Wirth
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Michael Hüppi, ehemaliger Präsident des Fussballclubs St.Gallen und Neffe des verstorbenen Bundesrats Kurt Furgler, tritt aus der CVP Zurück.

Michael Hüppi, ehemaliger Präsident des Fussballclubs St.Gallen und Neffe des verstorbenen Bundesrats Kurt Furgler, tritt aus der CVP Zurück.

Ralph Ribi

«Ja, ich habe der CVP meinen sofortigen Rücktritt bekanntgegeben», bestätigt Michael Hüppi am Freitag gegenüber dem «St. Galler Tagblatt».

Dass die CVP im zweiten Wahlgang noch einmal antrete, habe ihn sehr enttäuscht und ausserordentlich geärgert, sagt Hüppi, der 2011 für die CVP für den Nationalrat kandidierte und auf der Liste Nordwest hinter Lucrezia Meier-Schatz auf dem ersten Ersatzplatz landete. Er kandidierte im gleichen Jahr auch als Ständerat, unterlag aber Paul Rechsteiner (SP).

Für Hüppi sind die Bürgerlichen schon genug dezimiert

Trudy Cozzio schätze er menschlich sehr. Aber er könne und wolle nicht mehr Mitglied einer Partei sein, die mit ihrem Verhalten und dem Bruch der bürgerlichen Allianz dazu beitrage, dass die Stadt St. Gallen zur absolut links-rot regierten Stadt abgleite, sagt der 64-jährige Rechtsanwalt, Ehren-Födlebürger und ehemalige FCSG-Präsident.

Er könne nicht nachvollziehen, dass Einzel- und Parteiinteressen der Wahrung der bereits stark dezimierten bürgerlichen Interessen in der Exekutive vorgingen und der bürgerliche Schulterschluss definitiv der Vergangenheit angehöre, teilte Hüppi der Parteispitze Anfang Oktober mit. Eine Reaktion habe er nicht erhalten.

CVP-Präsident Raphael Wdmer.

CVP-Präsident Raphael Wdmer.

Ralph Ribi

CVP-Präsident kommentiert den Austritt nicht

Raphael Widmer, Präsident der CVP der Stadt St.Gallen, wollte den Austritt Hüppis am Freitagabend nicht kommentieren und spricht von einem Einzelfall. Weitere Austritte habe es in jüngster Zeit keine gegeben.

Vor dem ersten Wahlgang vom 27. September hatten FDP, CVP und SVP ein bürgerliches Bündnis angekündigt. Mathias Gabathuler (FDP), Trudy Cozzio (CVP) und Karin Winter-Dubs (SVP) machten gemeinsame Standaktionen und schalteten gemeinsam Inserate. Sie verpassten die Wahl im ersten Wahlgang; Gabathuler holte am meisten Stimmen der Nichtgewählten und blieb knapp unter dem absoluten Mehr.

Mathias Gabathuler (FDP) kandiert als Stadtrat und als Stadtpräsident.

Mathias Gabathuler (FDP) kandiert als Stadtrat und als Stadtpräsident.

Benjamin Manser

Die bisherigen Stadträte Peter Jans, Maria Pappa (beide SP), Sonja Lüthi (Grünliberale) und Markus Buschor (parteilos) wurden im Amt bestätigt.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP), der einzige Bürgerliche im Stadtrat, tritt Ende 2020 nach 14 Jahren zurück. Um seine Nachfolge bewerben sich am 29. November Maria Pappa und Mathias Gabathuler. Im ersten Wahlgang holte Pappa bei der Wahl ins Präsidium am meisten Stimmen. Sie ist jetzt Favoritin.

Cozzio ist eine ernsthafte Konkurrenz für Gabathuler

Gabathuler kann aber nur Stadtpräsident werden, wenn er auch als Stadtrat gewählt wird. Mit Trudy Cozzio hat er ernsthafte Konkurrenz erhalten; die 62-jährige Witwe des 2017 im Amt verstorbenen CVP-Stadtrats Nino Cozzio darf auf Stimmen von Linksgrün hoffen und könnte den Rückstand auf den FDP-Mann aus dem ersten Wahlgang wettmachen.

Maria Pappa (SP) liegt bei der Wahl ins Stadtpräsidium vorne.

Maria Pappa (SP) liegt bei der Wahl ins Stadtpräsidium vorne.

Michel Canonica
Die CVP nominierte Trudy Cozzio für den zweiten Wahlgang.

Die CVP nominierte Trudy Cozzio für den zweiten Wahlgang.

Michel Canonica

Bei der FDP ist man enttäuscht über das Verhalten der CVP. Die Spitzen der CVP, der FDP und der SVP und ihre Stadtratskandidatinnen und -kandidaten hatten vor dem ersten Wahlgang eine Absichtserklärung unterzeichnet. Karin Winter-Dubs zog sich kurz nach dem ersten Wahlgang zurück. Das war auch von der CVP und Cozzio erwartet worden.

Mit der Teilnahme der CVP am zweiten Wahlgang liegt das bürgerliche Bündnis jetzt in Trümmern. Der Ausgang der Wahlen ist völlig offen.