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Glosse

Klingelingeling, hier kommt der Fussball-Velokorso: Alternativen zur Huperei gesucht

Wenn die Schweiz heute Abend gegen Costa Rica die Achtelfinals klarmacht, werden wieder Autokorsos durch die St. Galler Innenstadt rollen. Es geht aber auch anders: Die Brasilianer haben's 2002 vorgemacht.
Luca Ghiselli
Glocken statt Hupen: Die Jungen Grünen fordern, auf Autokorsos wie nach dem Sieg gegen Serbien zu verzichten und stattdessen auf dem Velo zu feiern. (Bild: Michel Canonica)

Glocken statt Hupen: Die Jungen Grünen fordern, auf Autokorsos wie nach dem Sieg gegen Serbien zu verzichten und stattdessen auf dem Velo zu feiern. (Bild: Michel Canonica)

Es gibt WM-Abende, die mit dem Abpfiff noch lange nicht vorbei sind. Der vergangene Freitag war so ein Abend. Als Xherdan Shaqiri in der 90. Minute den Siegtreffer erzielte, war der Jubel nicht nur in heimischen Stuben, Beizen und Public Viewings überschwänglich. Er verlagerte sich auch auf die Strassen im St. Galler Stadtzentrum. Zwei Stunden nach Abpfiff war das Gehupe immer noch ohrenbetäubend, die Autokorsos lang, die Polizei mit Absperren der Strassen und Regeln des Verkehrs beschäftigt.

Der Stadtpolizei macht diese dritte Halbzeit auf der Strasse nicht nur Freude, sie toleriert die Huperei aber während einer Stunde nach Schlusspfiff. Weniger Verständnis für diese Form des Jubels haben die Jungen Grünen. Das Ritual mache «in keinerlei Hinsicht Sinn», heisst es in einem Communiqué. Die Korsos führten zu Verkehrschaos, Lärm und Gestank, seien also schlecht für Mensch, Tier und Umwelt.

Die Jungpartei liefert auch gleich die passende Alternative zum feiernden Autofahren in der Horde: Statt ins Auto soll man aufs Velo steigen! Denn auch auf dem Drahtesel könne man die Freude an einem Sieg seines Teams teilen. Das Gemeinschaftsgefühl sei mit und ohne Motor gleich stark. Und Velokorsos obendrein gesund. Auch auf akustische Freudenbekundungen müssten Feiernde ja nicht verzichten, sind die Jungen Grünen überzeugt. Dafür habe man die Veloglocke.

So löblich diese umweltverträgliche Alternative zu den Autokorsos auf den ersten Blick scheint, einige Schönheitsfehler hat sie. Das Schwenken von Flaggen oder Schals ist nämlich auch auf dem Velo verboten. Das «Loslassen einer Lenkvorrichtung» kostet 20 Franken Busse.

Hinzu kommt, dass St. Gallen nicht gerade als Velostadt bekannt ist. Das liegt nicht nur an der hügeligen Topografie, sondern auch am Verkehrsregime. Als drei Sozialdemokraten im Stadtparlamentswahlkampf vor zwei Jahren mit knapp drei Dutzend Teilnehmern einen Stadtspaziergang auf dem Velo veranstalteten, kam diese Zeitung zum Schluss: «Fahren 30 Velos hintereinander durch den Kreisel am Spisertor, wird schon mal kurz der Verkehr lahmgelegt.» Wie soll das denn erst aussehen, wenn Hunderte Fussballfans auf dem Velo jubelnd durch die Innenstadt fetzen?

Dass auch nur ein Fussballfan der Aufforderung der Jungen Grünen Folge leisten wird, ist zu bezweifeln. Gewinnt die Schweiz heute Abend, dürfte sich der Freudentaumel wieder auf die Strasse verlagern. Und zwar auf vier, nicht auf zwei Rädern. Die verträglichste Option wäre ohnehin: auf zwei Beinen. Die Brasilianer haben’s 2002 auf dem Bohl vorgemacht: Sie feierten ein Strassenfest, legten das Trogenerbähnli lahm – und erwischten die Stadtpolizei auf dem falschen Fuss. Die hatte sich auf einen Autokorso vorbereitet.

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