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Kantischüler rufen zum Klimastreik in St.Gallen: «Wir wollen nicht länger auf eine bessere Welt warten»

Miriam Rizvi ist das Gesicht der jungen St.Galler Klimabewegung. Die 17-Jährige und ihre Mitstreiter organisieren am Freitag zum zweiten Mal einen Schulstreik.
Roger Berhalter
«Das ist Wetter, nicht Klima»: Miriam Rizvi im Schneegestöber vor der Kanti am Burggraben in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

«Das ist Wetter, nicht Klima»: Miriam Rizvi im Schneegestöber vor der Kanti am Burggraben in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Es schneit, als wollte Petrus vom Klimawandel ablenken. Flocken wirbeln durch die Luft, und der Park der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen liegt saisongerecht im Winterkleid. Miriam Rizvi zieht die Kapuze über den Kopf. «So viel Schnee habe ich in diesem Land noch nie gesehen», sagt die 17-Jährige, die mit ihrer Familie vor vier Jahren aus den USA in die Schweiz gezogen ist. Lässt der Klimawandel also noch auf sich warten? «Nein. Das ist Wetter, nicht Klima», stellt sie sofort klar.

Umweltschutz und Klimapolitik sind ihre Dossiers, da kennt sich die 17-Jährige besser aus als mancher gestandene Politiker. Sie argumentiert in druckreifen Sätzen, pariert kritische Fragen gekonnt und benennt die Zusammenhänge, die beim Klimawandel global sind. Sie erzählt von Palmöl-Plantagen in Indonesien, Edelstein-Minen in Sambia, Öl-Pipelines in den USA – aber auch von plastikverpackten Gurken in der Migros.

Der Bundespolitik stellt sie ein schlechtes Zeugnis aus: Sie habe beispielsweise ein Verbot von Einweg-Plastik abgelehnt und das neue CO2-Gesetz versenkt. Dabei betreffe der Klimawandel auch unser Land:

«Den steigenden Meeresspiegel bekommen wir in der Schweiz zwar nicht mit. Bei uns schmelzen dafür die Gletscher.»

Rizvis Botschaft ist klar: Der Klimawandel geht alle an, und jeder kann etwas dagegen tun. «Allein durch den Konsum kann man schon viel verändern.» Sie selber ernähre sich vegan und kaufe viele Kleider im Brockenhaus. Entscheidender als diese individuelle Ebene sei aber die institutionelle. Deshalb engagiert sich Rizvi politisch. Sie ist Mitglied der St.Galler Juso, für die sie auch auf der Nationalratsliste steht. Sie hilft mit beim nachhaltigen Filmfestival «Filme für die Erde». Und sie organisiert mit rund zehn Mitstreiterinnen und Mitstreitern Klimastreiks in St.Gallen.

Klimademo durch die Stadt St.Gallen

Am Freitag um 10.15 Uhr findet an der Kantonschule am Burggraben der zweite St.Galler Klimastreik statt. «Mit dem Klimastreik werden die Stadt und der Kanton dazu aufgefordert, nach dem Vorbild von London einen Klimanotstand auszurufen», heisst es in einer Mitteilung. Die Aktivisten wollen sichtbar auf ihr Anliegen aufmerksam machen und werden deshalb durch die Stadt spazieren. Ende der Demo ist etwa um 12 Uhr beim Klosterplatz. Hinter der Aktion steckt das «Kollektiv Klimastreik Ostschweiz», dem Kantischüler aus Wattwil, Trogen, Wil und St.Gallen angehören sowie je ein Mitglied der Juso und der Jungen Grünen. Die Klimastreiks sind aber ein nationales Phänomen und als dezentrale, parteiunabhängige Jugendbewegung organisiert. Das Ostschweizer Kollektiv ist eine von derzeit zwölf Regionalgruppen.

Die erste solche Aktion fand am 21. Dezember an der Kantonsschule am Burggraben statt. Die Jugendlichen schwenkten Transparente und diskutierten über eine bessere Umweltpolitik. Die Schulleitung zeigte sich tolerant. «Die Aktion hat uns motiviert und etwas bewirkt. Viele Schüler haben zu Hause beim Weihnachtsessen über den Klimawandel diskutiert», sagt Rizvi. Dank sozialer Medien sei der Klimastreik auch national wahrgenommen worden. «Nur die Politiker haben uns bisher ignoriert», schiebt Rizvi nach.

Gegen die Umweltpolitik, nicht gegen die Schule

Für den heutigen zweiten Klimastreik hat die Schulleitung die Hürde etwas höher angesetzt: Jeder Schüler, der teilnehmen möchte, muss diese Absenz korrekt entschuldigen, analog zu einem Urlaubsgesuch. Rizvi kann damit gut leben: «Niemand soll den Streik zum Schwänzen missbrauchen. Unsere Aktion richtet sich nicht gegen die Schule, sondern gegen die Schweizer Umweltpolitik.» Dem Unterricht fernzubleiben, sei aber nun einmal das Druckmittel, das Schülern zur Verfügung stehe.

Weitere Aktionen sollen schon in einer Woche folgen, denn die jungen Klimaschützer wollen vorwärts machen. Rizvi räumt ein, dass die Umweltpolitik in den letzten Jahren durchaus Erfolge verbuchen konnte. Doch waren es aus ihrer Sicht zu wenige: «Umweltpolitik hat nach wie vor keine Priorität. Die Wirtschaft lässt sich Zeit, doch die Umwelt kann nicht warten.»

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