Klimaschutz

«Es soll einen auch ein bisschen nerven»: Im OZ Rosenau in Gossau wurde für einen ganzen Tag der Strom abgestellt

Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrpersonen haben am Montag am eigenen Leib erfahren, was es heisst, einen Tag ohne Strom auskommen zu müssen. Eine Klasse machte deshalb Unterricht bei Kerzenschein.

Siri Würzer
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Unterricht bei Kerzenschein: Diese Klasse konnte sich auch ohne elektrisches Licht behelfen.

Unterricht bei Kerzenschein: Diese Klasse konnte sich auch ohne elektrisches Licht behelfen.

Bild: Siri Würzer (11. Januar 2021)

Da kommt man am Montagmorgen in die Schule und sieht, bereits bevor man das Schulhaus betritt, dass drinnen alles noch dunkel ist. Lediglich die Notbeleuchtung funktioniert noch. Alle Storen sind ebenfalls noch geschlossen. Die automatischen Eingangstüren öffnen sich nicht mehr von selbst.

So hat es für die Schülerinnen und Schüler der Gossauer Oberstufe Rosenau am Montagmorgen unverhofft ausgesehen. An diesem Tag findet dort nämlich der «Blackout Day» statt. Fast im gesamten Schulhaus wird der Strom um 6 Uhr morgens abgestellt. Ziel des simulierten Stromausfalls ist, die Schülerinnen und Schüler auf ihren eigenen und den Stromverbrauch der Schule aufmerksam zu machen.

Die Jugendlichen sollen sich eine eigene Meinung bilden können

Die Oberstufe Rosenau hat den Aktionstag gemeinsam mit der Klimaschutzorganisation «My Blue Planet» durchgeführt. Seit Beginn dieses Schuljahres nimmt das Gossauer Schulhaus Rosenau am Bildungs- und Klimaschutzprogramm «Klimaschule» der Winterthurer Organisation teil.

Während des vierjährigen Programms setzen sich die Jugendlichen mit wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel, dem Klimaschutz und ihrer eigenen Lebensweise auseinander. So sollen sie befähigt werden, eine eigene Meinung und Haltung zu ebendiesen Themen zu entwickeln. Das Motto ist: «D‘Rosenau seit am CO2 tschau!»

Laptops konnten die Schülerinnen und Schüler nur so lange benutzen, bis der Akku leer war.

Laptops konnten die Schülerinnen und Schüler nur so lange benutzen, bis der Akku leer war.

Bild: Siri Würzer (11. Januar 2021)

Alle mussten improvisieren, um ohne Strom auszukommen

Ronja Karpf von My Blue Planet sagt:

Ronja Karpf, Mitarbeiterin von «My Blue Planet»

Ronja Karpf, Mitarbeiterin von «My Blue Planet»

Siri Würzer
«Ziel des Blackout Days ist es, direkte Betroffenheit unter den Schülerinnen und Schülern zu schaffen.»

Auch die Lehrpersonen sind über das genaue Datum des geplanten Aktionstages nicht unterrichtet worden. Deshalb war Improvisation gefragt. Im Schulhaus Rosenau gibt es nämlich keine traditionellen Wandtafeln mehr, sondern ausschliesslich Bildschirme. Diese werden komplett elektrisch betrieben.

Gemeinsam erarbeiteten die Lehrpersonen mit ihrer Klasse ein Alternativprogramm. Je nach Schulfach hat sich dies als mehr oder weniger herausfordernd herausgestellt. In einer zweiten Realklasse wussten sich die Schülerinnen beispielsweise zu helfen, indem sie ein Glas über die Taschenlampe eines Smartphones stellten und so das Schulzimmer beleuchten konnten. In der vorherigen Woche hatten sie Diagramme zum eigenen Stromverbrauch erstellt. Nun haben sie am eigenen Leib erfahren können, wie sehr sie alltäglich darauf angewiesen sind.

In einer Chemiestunde nutzt der Lehrer die Situation, um ein bearbeitetes Thema, nämlich die Sinneswahrnehmung, zu verfestigen. Der eine führt den anderen umher, während dieser seine Augen geschlossen hat. Ein einziges Teelicht erhellt den Raum. Schüler einer anderen Klasse verteilen sich in den Gängen, wo sie dank dem Notlicht ihre Matheaufgaben lösen können.

In den Sprachfächern fiel es etwas leichter, mündlichen Unterricht zu machen.

In den Sprachfächern fiel es etwas leichter, mündlichen Unterricht zu machen.

Bild: Siri Würzer (11. Januar 2021)

Das Mittagessen konnte nicht in der Mikrowelle aufgewärmt werden

Die Reaktionen zum Aktionstag sind unterschiedlich ausgefallen. Manche Jugendliche erfreuten sich an der Ausnahmesituation und vor allem an der ersten Lektion, die in Dunkelheit abgehalten werden musste. Andere hielten den simulierten Stromausfall für eher unnötig und fanden es mühsam, dass sie ihr Mittagessen nicht in der Mikrowelle aufwärmen konnten. Auch bei den Lehrpersonen gäbe es sicher solche, die vom Aktionstag nicht besonders begeistert seien, sagt Roger John, Schulleiter des OZ Rosenau. Das sei aber auch gut so. Denn:

Roger John, Schulleiter OZ Rosenau

Roger John, Schulleiter OZ Rosenau

«Diese Aktion soll einen auch ein bisschen nerven.»

An vereinzelten Orten ist der Strom jedoch nicht gekappt worden, da dies unverantwortlich gewesen wäre, sagt er. Solche Orte seien etwa die Toiletten, die Zentralheizung oder die Kühlschränke im Hauswirtschaftstrakt und den Labors.

Im Hauswirtschaftsunterricht wurde das geplante Menu zu Sandwiches und Fondue abgeändert.

Im Hauswirtschaftsunterricht wurde das geplante Menu zu Sandwiches und Fondue abgeändert.

Bild: My Blue Planet (11. Januar 2021)