Klimaneutral
«Die Zeit drängt»: Die Stadt St.Gallen gibt ab 2021 mehr Geld für die Förderung von Solaranlagen aus

Am 1. Januar tritt das revidierte Energiefondsreglement der Stadt St.Gallen in Kraft. Eine wesentliche Änderung ist, dass neu der Bau von Fotovoltaikanlagen mit einem zusätzlichen Beitrag gefördert wird. So soll der Anteil an Solarstrom in den nächsten Jahren deutlich gesteigert werden. Die Ziele seien ambitiös, sagt Stadtrat Peter Jans.

Perrine Woodtli
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Der Anteil an Solarstrom soll in den nächsten Jahren in St.Gallen gesteigert werden.

Der Anteil an Solarstrom soll in den nächsten Jahren in St.Gallen gesteigert werden.

Bild: Benjamin Manser

Im September hat die St.Galler Stadtbevölkerung dem Ziel deutlich zugestimmt, bis im Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Um es zu erreichen, muss in den nächsten 30 Jahren unter anderem der Strom vollständig erneuerbar werden. Eine wesentliche Rolle dabei spielen die Fotovoltaikanlagen. 150 Millionen Kilowattstunden sollen 2050 aus Solarstrom gewonnen werden. 2020 sind es rund 14,5 Millionen.

Um dahin zu gelangen, unterstützt die Stadt künftig ergänzend zum Beitrag des Bundes den Bau von kleineren und mittleren Fotovoltaikanlagen mit Geldern aus dem Energiefonds. Das revidierte Energiefondsreglement der Stadt tritt am 1. Januar 2021 in Kraft.

Es muss einen Schub geben

Heute hat es auf städtischem Gebiet 14'500 Kilowatt Peak (kWp) in Form von Fotovoltaikanlagen. Kilowatt Peak ist die maximale Leistung einer Solarstromanlage. Eine Anlage mit einem Wert von 1 kWp kann im Jahr etwa 1000 Kilowatt Strom erzeugen.

In den vergangenen acht Jahren sei die Zahl kontinuierlich gestiegen, sagt Peter Jans. Der Direktor der Technischen Betriebe lud am Freitag mit Fredy Zaugg, Dienststellenleiter Umwelt und Energie, zu einer Medienorientierung ein.

Peter Jans, Stadtrat St.Gallen und Direktor Technische Betriebe.

Peter Jans, Stadtrat St.Gallen und Direktor Technische Betriebe.

Bild: Michel Canonica

Im Schnitt seien jährlich 1500 kWp oder 1,5 Megawatt Peak (MWp) hinzugekommen – zu wenig. «Das genügt nicht, um unser Ziel zu erreichen. Es braucht einen massiven Ausbau», sagt Jans.

Statt 1,5 MWp sollen ab 2021 jährlich 4,5 MWp hinzukommen, also das Dreifache. Von den 4,5 MWp sollen 1,5 die Stadtwerke übernehmen, der Rest soll von Privaten kommen. «Es ist ein ehrgeiziges Ziel. Aber wir ziehen das durch», sagt Jans.

«Unternimmt die Stadt nichts, wird die Kurve weiterhin im selben Tempo steigen. Die Zeit drängt aber.»

Um schneller voranzukommen, wolle die Stadt daher den Bau von Fotovoltaikanlagen attraktiver und günstiger machen. Es müsse einen Schub geben.

Stadt zahlt gleichen Leistungsbetrag wie der Bund

Für diesen Schub hat die Stadt mehrere Massnahmen beschlossen. Zum einen hat sie den Rückliefertarif für den Überschussstrom von zwei auf vier Rappen pro Kilowattstunde erhöht. Zudem wird künftig der Bau einer Fotovoltaikanlage bis 100 kWp unterstützt. Wer beispielsweise eine Anlage mit 10 kWp auf dem Dach seines Einfamilienhauses installiert, erhält vom Bund einen Grundbetrag von 1000 Franken sowie einen Leistungsbetrag von 3400 Franken. Der Leistungsbetrag unterscheidet sich je nach Leistung der Anlage.

Neu zahlt die Stadt an jede Fotovoltaikanlage denselben Leistungsbetrag wie der Bund. Damit wird der Förderbeitrag für Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung bis maximal 100 kWp fast verdoppelt.

Ab 2021 fördert die Stadt zudem Fotovoltaikanlagen auf Flachdächern, die mit einer für die Biodiversität wertvollen Begrünung kombiniert werden, mit zusätzlichen 20 Prozent des Leistungsbetrages.

Bevölkerung muss mitziehen

Der Stadtrat sei überzeugt, sagt Jans, dass er mit den neuen Förderbeiträgen ein attraktives Paket anbiete. Die Anpassungen verkürzten die Amortisationszeit und schafften einen zusätzlichen finanziellen Anreiz.

Wegen der neuen Beiträge rechnet die Stadt mit einer jährlichen Fördersumme von einer Million Franken. Sofern denn auch so viele Leute mitziehen. Der Stadtrat hoffe, sagt Jans, dass es einen Boom gebe. Er appelliert denn auch gleich an die St.Gallerinnen und St.Galler, in Solaranlagen zu investieren.

«Die Energiewende ist zu schaffen. Aber wir müssen es gemeinsam anpacken.»

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