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Kleine Tiere, grosse Plagegeister: Die Reitställe in der Region St.Gallen kämpfen mit Pferde-«Brämen»

Pferdebremsen kommen derzeit häufig vor. Vor allem auf den umliegenden Reitställen schwirren sie herum.
Marion Loher
Die Pferdebremse gehört zur Familie der Bremsen und ist mit einer Körperlänge von bis zu zweieinhalb Zentimetern die grösste ihrer Art. (Bild: Alamy Stock Photo)

Die Pferdebremse gehört zur Familie der Bremsen und ist mit einer Körperlänge von bis zu zweieinhalb Zentimetern die grösste ihrer Art. (Bild: Alamy Stock Photo)

Bremsen sind lästig. Ihr Stich ist schmerzhaft und kann auf der Haut grosse, juckende Quaddeln hinterlassen. Dies bekommen im Sommer nicht nur Menschen zu spüren, sondern auch Tiere, insbesondere Pferde. «In diesem Jahr haben wir extrem viele Pferdebremsen», sagt Sandra Nauer. Ihr gehört der Reitstall Nauer in Grub mit insgesamt 30 Pferden. «Vor allem beim Ausritt in Waldesnähe oder wenn das Wetter von Hitze zu Regen umschlägt schwirren diese Tiere in Massen um die Pferde herum.»

Für sie sei es sehr mühsam, sie würden nervös und versuchten die ganze Zeit mit ihrem Schweif die Bremsen zu vertreiben. Auch auf der Koppel halten es die Pferde bei schwül-heissen Tagen kaum aus, wegen der kleinen Plagegeister. «In letzter Zeit mussten wir unsere Pferde morgens um halb neun Uhr wieder von der Weide nehmen, weil sie einfach zu aufgeregt waren», so Sandra Nauer.

Mitten in Mörschwil haben die Ponys ihre Ruhe

Die Pferdebremsen – im Dialekt «Rossbrämen» genannt – machen auch den 15 Ponys und zwei Pferden auf dem Ponyhof in Mörschwil zu schaffen. «Die Rossbrämen sind in diesem Sommer besonders lästig», sagt Hofinhaberin Ruth Jung. Auf ihrem Betrieb, der sich mitten im Dorf befindet, spüre sie die Insekten zwar weniger, dafür umso mehr auf dem täglichen Ausritt durch den Wald oder entlang von Bächen. «Die kleinen Tiere sind deshalb gefährlich, weil sie die Pferde nervös machen», sagt Ruth Jung. Glücklicherweise sei bisher nichts passiert.

«Die Reiterinnen und Reiter wissen sich richtig auszurüsten und damit sich selber und die Tiere zu schützen.»

Bis zu 2,5 Zentimeter lang

Die Pferdebremse gehört zur Familie der Bremsen und ist mit einer Körperlänge von bis zu zweieinhalb Zentimetern die grösste ihrer Art. Der Körperbau ist bei allen Bremsen in etwa derselbe, unterschiedlich hingegen ist die Farbe der Augen. Wie bei fast allen Bremsen saugen nur die Weibchen Blut, während sich die Männchen vor allem von Blütennektar ernähren. (mlo)

Es gibt grosse regionale Unterschiede

Auch der St.Galler Insektenforscher André Mégroz beobachtet dieses Jahr «etwas mehr» Pferdebremsen als noch in den Jahren zuvor. Allerdings gebe es grosse regionale Unterschiede, sagt er. «Pferdebremsen brauchen für ihre Entwicklung Feuchtigkeit und Wärme, deshalb kommen sie vor allem in der Nähe von Gewässern, Feuchtwiesen und Waldrändern vor.» Die Pferdebremsen haben wie Mücken einen grossen Nutzen in der Nahrungskette: Als Larve dienen sie vor allem Fischen und Amphibien als Nahrung, im erwachsenen Stadium den Vögeln und Fledermäusen.

Insektenvielfalt ist zurückgegangen

Dass es in einem Jahr mehr und im anderen wieder etwas weniger dieser Tiere hat, sei völlig normal. Im Grossen und Ganzen aber, betont Mégroz, habe die Population der Pferdebremsen in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen. «Ich beobachte die Insekten – und dazu gehören die Pferdebremsen – nun seit über 60 Jahren. Die Vielfalt ist stark zurückgegangen, nicht zuletzt auch, weil immer mehr Feuchtbiotope aufgehoben und zu Monokulturen wurden.»

Pferdebremsen leben zwei bis vier Wochen. Ihr Stich ist schmerzhafter als jener einer Mücke und kann auch zu Infektionen führen. Zudem könnten Pferdebremsen Krankheiten wie die sogenannte Blutarmut übertragen, sagt der Experte, der Mitglied im Entomologischen Verein Alpstein ist. «Diese Übertragung ist jedoch nur auf Einhufer möglich, und nur, wenn die Bremse innerhalb einer halben Stunde ein von der Krankheit befallenes Tier und ein nicht infiziertes Tier sticht.» Es komme vor, sei aber selten.

Insektenforscher Mégroz hat selber als Bub Bremsen verscheucht, mit dem sogenannten «Brämechessel». «In diesem Eisenkübel wurden Lederschuhe oder ölige Lappen angezündet», erzählt er.

«Der stinkende Rauch war für die Pferde zwar nicht angenehm, er hielt aber die Bremsen von den Tieren fern.»

Heute gibt es andere Mittel, die lästigen Blutsauger zu vertreiben. Eines davon ist die Pferdebremsenfalle. «Die dunkle Kugel symbolisiert das Hinterteil eines Pferdes. Sie enthält einen Lockstoff und wird durch Luftströme bewegt», erklärt Mégroz. «Die Bremsen fliegen die Kugel an. Doch aller Eifer endet in vergeblicher Mühe und sie geben auf. Da die Bremsen beim Flugstart vertikal aufsteigen, geraten sie direkt in den mit Wasser gefüllten Behälter, wo sie verenden.»

Spray, Ohrengarn und Augenfransen als Schutz

Sandra Nauer vom Gruber Reitstall Nauer setzt auf Bremsenspray. Damit werden die Pferde vor jedem Ausritt eingesprüht. «Bis jetzt sind wir sehr gut damit gefahren», sagt sie. Bei Ruth Jung bekommen die Pferde und Ponys nebst dem Spray Ohrengarn und Augenfransen umgehängt. Zusätzlich mischt die Reitpädagogin den Tieren Knoblauch sowie eine spezielle Horse-Öl-Mischung mit Schwarzkümmelöl und Ingwer ins Futter, damit diese eine andere Ausdünstung bekommen. «Pferdebremsen hassen diese Mischung.»

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