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Dritter Anlauf im St.Galler Zentrum: Was der neue Marktplatz können muss

Um Gestaltungsideen für Marktplatz und Bohl zu sammeln, hat die Stadt einen neuen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Anforderungen an den zentralen Platz sind nun definiert. Knackpunkt bleibt die Frage, wo der öffentliche Verkehr halten soll.
Roger Berhalter
Viele Stadtbewohner würden die Haltestellen für Busse, Postautos und die Appenzeller Bahn gerne am Bohl lassen. Doch das ist nicht so einfach, wie eine neue Verkehrsstudie zeigt. (Bild: Benjamin Manser)

Viele Stadtbewohner würden die Haltestellen für Busse, Postautos und die Appenzeller Bahn gerne am Bohl lassen. Doch das ist nicht so einfach, wie eine neue Verkehrsstudie zeigt. (Bild: Benjamin Manser)

Das Waaghaus zu verschieben, das war dem Stadtrat dann doch zu viel. Aber selbst diese Variante haben Fachleute in den vergangenen Monaten untersucht, als es um Möglichkeiten ging, wie man die Verkehrssituation am Bohl und am Marktplatz verbessern könnte. Dass die heutige Lage nicht zukunftsfähig ist, darin sind sich alle einig. Eine neue Verkehrslösung muss her, und hierzu hat der Stadtrat die Meinung von Fachleuten eingeholt. Nun liegt der technische Bericht vor, der unter Beteiligung von mehreren Ingenieurbüros sowie von Vertretern von Stadt und Kanton zustande gekommen ist. Die Studie ist aus Sicht der Stadt der letzte Mosaikstein, der noch fehlte, um einen Gestaltungswettbewerb auszuschreiben.

Dritter Anlauf zur Neugestaltung

Am Mittwoch stellten Vertreter der Stadt die Verkehrsstudie vor, einerseits vor den Medien, anderseits an einer öffentlichen Infoveranstaltung im Waaghaus. Und da nun auch alle Anforderungen an den künftigen Marktplatz und Bohl definiert sind, lancierte die Stadt gestern auch einen offenen, anonymen Gestaltungswettbewerb. Es ist dies, nach zwei gescheiterten Abstimmungen, der dritte Versuch in den vergangenen Jahren. Auch der Blumenmarkt soll neu werden, allerdings ist er mittlerweile Teil eines eigenen Planungsperimeters und Projekts, weil der Kanton an jenem Standort eine neue Bibliothek plant.

Die wichtigsten Vorgaben aus dem Wettbewerbsprogramm sind wie folgt:

ÖV-Haltestellen

Fachleute haben 18 Varianten untersucht, wie man den öffentlichen Verkehr am Bohl und am Marktplatz neu regeln könnte. Es gibt einen Wunsch aus der Bevölkerung, die Haltestellen am Bohl belassen, das haben die vergangenen zwei Marktplatz-Foren gezeigt. Doch ist dies gemäss der jüngsten Verkehrsstudie nur mit einer zusätzlichen Haltestelle stadteinwärts am Marktplatz machbar. Von den 18 Varianten sind schliesslich noch drei übrig geblieben. Alle drei haben laut Baudirektorin Maria Pappa aber grosse Nachteile. Unter anderem sei man nicht bereit gewesen, das Waaghaus oder das Gebäude an der Museumstrasse 1 zu verschieben, um mehr Platz für Busse und Postautos zu schaffen. Deshalb habe der Stadtrat die neuen Varianten wieder verworfen und stattdessen zwei alte ins Spiel gebracht. Sie entsprechen den Marktplatz-Gestaltungsprojekten, die 2011 und 2014 zur Abstimmung kamen. Eine Variante sieht vor, beide Haltestellen nach Westen an den Marktplatz zu verlegen. Bei der anderen Variante rückt nur die Haltestelle stadteinwärts an den Marktplatz. Beide Varianten haben gemäss Studie den Vorteil, dass die Busse genug Platz haben und sich nicht bis zur Rorschacher Strasse stauen. Für eine von beiden Varianten müssen sich die Platzgestalter entscheiden.

Markt

Bis vor kurzem war auch die Frage offen, wie der ständige Markt künftig organisiert sein soll. Nach weiteren Gesprächen mit Markthändlern sind die Vorgaben nun klar. Der ständige Markt soll sich auf dem Marktplatz konzentrieren. Es soll acht kostengünstige und mobile Stände geben, die einfach transportiert werden können, um eine Freifläche zu schaffen. Die Stände sollen modulartig erweiterbar. Als Sofortmassnahme werden die heute verstreuten Markthäuschen an einem Ort zusammengefasst und renoviert.

Rondelle

Die heutige Rondelle soll laut Florian Kessler von der Stadtplanung als «stadträumlicher Dreh- und Angelpunkt zwischen Marktgasse und Bohl» erhalten bleiben. Sie soll auch weiterhin Verpflegungsmöglichkeiten bieten. Allerdings sei es denkbar, die Rondelle umzubauen, zu erweitern oder zu ersetzen.

Calatrava-Halle

Die Wartehalle des Architekten Santiago Calatrava am Bohl gilt nicht als sakrosankt. Sie kann gemäss Wettbewerbsprogramm zurückgebaut werden, allerdings nur, «sofern sich dies in einem Gesamtkonzept als notwendig erweist».

Fahrräder und Taxis

Auf dem neuen Platz soll es 30 bis 40 markierte Abstellplätze für Velos geben. Auch die heute zwölf Taxistandplätze sollen in ähnlicher Zahl erhalten bleiben.

Waaghaus

Das Waaghaus ist nicht Teil des Gestaltungswettbewerbs. Die Sanierung des Gebäudes und dessen künftige Nutzung bildet ein separates Projekt.

Platz-Gestalter dürfen Ideen einreichen

120 000 Franken gibt es zu gewinnen: Soviel Preisgeld verteilt die Stadt insgesamt an die besten vier bis sechs Gestaltungsideen für den Marktplatz und den Bohl. Gestern hat die Stadt einen offenen, anonymen Wettbewerb ausgeschrieben. Angesprochen sind Planungsbüros und Fachpersonen. Ab sofort können sie sich für den Gestaltungswettbewerb anmelden, und bis November haben sie Zeit, ihre Platz-Ideen einzureichen. Sie werden dabei im Wettbewerbsprogramm explizit ermutigt, interdisziplinäre Teams zu bilden, beispielsweise aus den Bereichen Architektur, Landschaftsarchitektur, Städtebau, Verkehr, Bauingenieurwesen oder Soziologie. Zuerst die Abstimmung, danach das Bauprojekt Im November und Dezember wird sich eine Fachjury über die Projekte beugen und bis Ende Jahr ein Siegerprojekt präsentieren. Am 24. Januar 2019 wird die beste Gestaltungsidee am dritten Marktplatz-Forum öffentlich gezeigt. Im Februar sind die prämierten Projekte zudem in einer Ausstellung für alle Interessierten einsehbar. Danach werden die groben Kosten für das Neugestaltungsprojekt berechnet und bis zum zweiten Halbjahr 2019 ein entsprechender Rahmenkredit vorbereitet.

Die Stadt geht dabei einen anderen Weg als bei vergleichbaren Bauvorhaben. Üblicherweise wird zuerst ein konkretes Bauprojekt ausgearbeitet, über welches das Stimmvolk anschliessend an der Urne befinden kann. Beim Marktplatz hingegen wird zuerst über den Rahmenkredit abgestimmt und erst danach folgt das Bauprojekt. Man habe dieses Vorgehen bewusst gewählt, sagte Baudirektorin Maria Pappa an der gestrigen Medienorientierung. Zum einen wegen der langen Vorgeschichte der Marktplatz-Neugestaltung. «Man weiss schon viel», sagte Pappa in Anspielung auf die umfangreichen Studien und Pläne der vergangenen Jahre. Unabhängig davon habe das Vorgehen aber auch finanzielle Vorteile. Es vermeide nämlich das Risiko, dass das Stimmvolk ein fertiges und teuer erarbeitetes Bauprojekt bachab schicke. «Die Bevölkerung kann sich schon früher äussern, zumindest zu den groben Plänen.» Diese Abstimmung über den Rahmenkredit für die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl ist auf das erste Halbjahr 2020 angesetzt. Bis Ende 2021 soll ein Bauprojekt vorliegen, und 2022 soll die Umsetzung beginnen.

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