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Gossauer Kindergärtnerin geht nach 43 Jahren im selben Zimmer in Pension

Yvonne Giger hat 43 Jahre lang in Gossau als Kindergärtnerin gewirkt. Am Freitag ist nach gegen 10'000 Tagen im gleichen Kindergartenzimmer ihr letzter Arbeitstag. Ab Samstag hat sie wieder Zeit für sich selbst.
Herbert Bosshart
Die grossen Aufräumarbeiten im Kindergartenzimmer hat Yvonne Giger hinter sich gebracht. (Bild: Ralph Ribi)

Die grossen Aufräumarbeiten im Kindergartenzimmer hat Yvonne Giger hinter sich gebracht. (Bild: Ralph Ribi)

Sie hat ein aussergewöhnliches Berufsleben hinter sich. Wenn Yvonne Giger am Freitagabend ihren Arbeitsplatz verlässt, hat sie 43 Jahre lang als Kindergärtnerin gearbeitet. 43 Jahre lang für die Schulgemeinde Gossau und 43 Jahre lang im gleichen Kindergartenzimmer auf der Schulanlage Hirschberg.

«Ich bin halt ein Gewohnheitstier. Solange mir etwas passt und ich damit zufrieden bin, ändere ich nichts», lautet die einfache Erklärung für ihre ungewöhnliche Treue zum Job, zum Schulhaus und zu Gossau. «Ich habe mich in Gossau und in der Schulgemeinde Gossau immer wohlgefühlt.» Schon die Praktika habe sie in den Kindergärten an der Sportstrasse und auf dem Haldenbüel absolviert. «Meine damalige Praktikumslehrerin Kathrin Strassmann treffe ich heute noch ab und zu beim Einkaufen und wir haben uns immer etwas zu erzählen.»

Nach Abschluss des Seminars hat Yvonne Giger dann im Frühling 1975 im Schulhaus Hirschberg ihre erste Stelle als Kindergärtnerin angetreten – und ist dabei geblieben. «Es hat halt einfach so gepasst.»

Rund 1000 Kinder begrüsst und verabschiedet

Yvonne Giger hat 43 Jahre lang jeweils 18 bis 28 Kinder unterrichtet. Das heisst, dass sie bis heute gegen 1000 Kinder auf dem Weg zur Schulreife begleitet hat. Sie staunt: «1000 Kinder? Ja, das könnte etwa hinkommen.» Da kommen Erinnerungen hoch. Etwa an den ehemaligen Kindergärtler, der ihr letzten März zum 64. Geburtstag eine lange Mail mit einigen Erinnerungsfotos geschickt hat. Er dankte ihr 35 Jahre später für die «tolle Kindergartenzeit», die er bei ihr am Hirschberg habe verbringen dürfen, und für ihre «Leistung als Kindergärtnerin und alle die Opfer, die Sie für die unzähligen Kindergärtler erbracht haben».

So viele Jahre im gleichen Zimmer – da hat sich doch das eine oder andere Spiel oder Buch angesammelt? Sie lacht: «Ich bin schon seit einigen Wochen am Ausmisten. Das Zimmer ist schon recht leer.» Viele persönliche Sachen hat sie verschenkt, ein paar davon als Erinnerung nach Hause mitgenommen und einiges weggeworfen.

Die Vierjährigen forderten sie heraus

43 Jahre Umgang mit Kindern – was hat sich verändert? Für Giger war es die grösste Veränderung, als der Besuch des Kindergartens ab dem vierten Lebensjahr obligatorisch wurde. «Kinder sind mit vier Jahren eindeutig weniger reif und haben Mühe, sich von zu Hause abzulösen. Damit hat sich die Zahl der notwendigen Abklärungen vergrössert.» Und damit habe sich auch ihre Arbeit verändert. Weil die Kinder bei ihrem Eintritt in der Entwicklung sehr unterschiedlich weit und oft noch kleinkindlich seien, habe sie sich stärker um jedes Einzelne und seine Bedürfnisse kümmern müssen. Auf der anderen Seite sei es aber hilfreich, dass sie jeweils zwei Jahrgänge in ihrem Kindergarten habe. «Die Älteren schauen gut zu den Jüngeren und helfen ihnen viel.» Unverändert sei hingegen auch nach 43 Jahren als Kindergärtnerin die «Ehrlichkeit und Offenheit der Kinder». «Kinder bleiben Kinder. Und das ist schön so.»

Den Wunschberuf gefunden

Yvonne Giger wurde am 16. März 1954 in Herisau geboren, wo sie bis heute wohnt. «Ich war ein Einzelkind, weshalb ich mich wohl schon immer zu kleinen Kindern hingezogen gefühlt habe. Für mich war jedenfalls schon früh klar, dass ich Kindergärtnerin werden wollte.» Nach der Primar- und Sekundarschule in Herisau folgten zwei Jahre im «Talhof» in St. Gallen. Anschliessend absolvierte Yvonne Giger das obligatorische Praktikumsjahr im Tessin bei einer Familie mit zwei Kindern. Im Frühling 1973 trat sie dann als 19-Jährige zur zweijährigen Ausbildung ins Kindergärtnerinnenseminar in St. Gallen ein.

Keine Angst vor der Freizeit

Ab morgen Samstag, hat Yvonne Giger plötzlich viel freie Zeit. Ein Horror für das «Gewohnheitstier»? «Nein, sicher nicht», meint die gross gewachsene Neu-Rentnerin. «Zuerst geniesse ich die Ferien. Dann freue ich mich darauf, endlich Zeit für mich zu haben.» Sie werde ihren eigenen Rhythmus suchen und dann wieder Zeit zum Nähen haben, Freunde und Bekannte einladen, viel Zeit draussen in der Natur verbringen, basteln, lesen und Musik hören. Ihr werde bestimmt nicht langweilig, ist sich Yvonne Giger sicher. «Die Zeit mit den Kindern hat mich jung erhalten. Ich weiss mich immer zu beschäftigen.»

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