Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Die progressivste Stadt der Schweiz»: St.Gallen möchte am Cannabis-Pilotversuch teilnehmen

Der Bundesrat möchte wissenschaftliche Versuche mit Cannabis erlauben. St.Gallen ist sehr interessiert am kontrollierten Verkauf der weichen Droge und blickt gespannt nach Bundesbern.
Roger Berhalter
Gras aus der Apotheke? Ein neuer Experimentierartikel im Betäubungsmittelgesetz würde dies – unter strengen Auflagen – erlauben (im Bild eine Indoor-Anlage der Firma Biocan). (Bild: KEYSTONE/Christian Beutler)

Gras aus der Apotheke? Ein neuer Experimentierartikel im Betäubungsmittelgesetz würde dies – unter strengen Auflagen – erlauben (im Bild eine Indoor-Anlage der Firma Biocan). (Bild: KEYSTONE/Christian Beutler)

Der Schwarzmarkt mit Cannabis blüht, die Zahl der Kiffer im Land ist hoch, die Qualität vieler Cannabis-Produkte schlecht. «Die Situation ist unbefriedigend», sagte Gesundheitsminister Alain Berset, als er vergangene Woche einen neuen Gesetzesentwurf präsentierte.

Das Betäubungsmittelgesetz soll einen so genannten Experimentierartikel erhalten. Damit würde der Cannabis-Konsum zum Genuss legal, allerdings nur im Rahmen von befristeten, reglementierten Studien. Kiffer könnten ihr Gras in Zukunft in der Apotheke kaufen – unter strengen Auflagen und im Dienste der Wissenschaft.

Es gehe nicht um die Legalisierung von Cannabis, betonte Berset. Sondern vielmehr darum, den Verkauf zu regulieren und wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen: Was passiert, wenn Cannabis-Konsumenten legal zu ihrer Droge kommen? Wie verändert sich ihr Konsum? Welche Auswirkungen hat das auf ihre Gesundheit? Auf solche und weitere Fragen sollen die Studien Antworten liefern.

Berner Studie als Vorbild

St.Gallen würde schon morgen einen solchen Versuch starten, wenn es dafür eine Rechtsgrundlage gäbe. «Wir sind sehr interessiert», sagt Stadträtin Sonja Lüthi. Sie habe sich auch an der Vernehmlassung zum neuen Gesetz beteiligt. Lüthi sagt:

«Wir wollen uns für eine solche Pilotstudie mit anderen Städten zusammentun, damit wir vergleichbare Ergebnisse erhalten.»

Man orientiere sich insbesondere an der Stadt Bern, wo schon ein detailliertes Forschungsprojekt bereit liege.

Aufgrund des neusten Gesetzesentwurfes des Bundesrats sei der Stadtrat aber noch nicht aktiv geworden. Man wolle abwarten, bis das neue Betäubungsmittelgesetz genehmigt sei und es damit eine rechtliche Grundlage für einen kontrollierten Cannabis-Verkauf gebe. «Wir sind in den Startlöchern und bereit loszulegen», sagt Lüthi.

«Zeit ist reif»

Genau gleich tönt es bei Jürg Niggli, Geschäftsführer der Stiftung Suchthilfe: «Wir sind parat.» Auch er werde die Debatten in Bundesbern zum neuen Betäubungsmittelgesetz gespannt verfolgen. «Ich bin sehr erfreut über diesen wichtigen nächsten Schritt des Bundesrats», sagt Niggli.

«Die Zeit ist mehr als reif für einen vernünftigen Umgang mit Cannabis-Produkten.»

Niggli verspricht sich von den wissenschaftlichen Studien eine «sachliche und fachliche Diskussion» über Cannabis. Heute werde das Thema «oft emotional, ja dogmatisch diskutiert», sagte auch Bundesrat Berset in der Medienorientierung vergangene Woche.

Die Chancen stünden gut, dass das neue Betäubungsmittelgesetz im Nationalrat durchkomme, sagt SP-Stadtparlamentarier und -Kantonsrat Etrit Hasler. Von ihm stammt der Vorstoss mit dem Titel «Für eine vernünftige Cannabispolitik – Abgabe in St.Gallen?». Dass das Stadtparlament diesen Vorstoss einstimmig überwiesen hat, wertet Hasler als deutliches Zeichen dafür, dass die Politik Cannabis-Studien begrüsst. Er bezeichnet das Verbot der Droge als «Kampf gegen einen Feind, den es nicht mehr gibt». Cannabis-Konsum betreffe schliesslich keine Minderheit, sondern viele Jugendliche und Erwachsene im ganzen Land.

Die progressivste Stadt der Schweiz

Ein Cannabis-Pilotversuch würde laut Hasler bestens nach St.Gallen passen. «Wir waren in der Drogenpolitik einmal die progressivste Stadt der Schweiz», sagt er mit Verweis auf das so genannte St.Galler Modell, das in den 1990er Jahren schweizweit Schule machte im Kampf gegen das Heroinelend. Auch mit Cannabis könnte man einen neuen Umgang finden, davon ist Hasler überzeugt. «In St.Gallen ist viel Know-How vorhanden, das müssen wir nutzen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.