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Schon wieder ein Wechsel am Bahnhofplatz 1: Die Präsidentin der Kesb St.Gallen geht nach gut einem Jahr

Die Präsidentin der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Region St.Gallen hat gekündigt – nach gut einem Jahr im Amt.
Daniel Wirth
Heute befinden sich die Kesb-Büros in diesem Gebäude am Bahnhofplatz. Wie lange sie noch dort sein werden, ist ungewiss. (Bild: Lisa Jenny)

Heute befinden sich die Kesb-Büros in diesem Gebäude am Bahnhofplatz. Wie lange sie noch dort sein werden, ist ungewiss. (Bild: Lisa Jenny)

Eine Kündigung nach nur einem Jahr wirft Fragen auf. Weshalb verlässt die 53-jährige Sozial­pädagogin Susanne Wild Ende Jahr die Kesb der Region St.Gallen, die sie seit dem 1.November 2018 präsidiert? Susanne Wild war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Stadträtin Sonja Lüthi, Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit, sagt, es habe keine Unstimmigkeiten und keinen Streit gegeben. Susanne Wild verlasse die Kesb der Region St.Gallen, der die Stadt, die Gemeinden Witten­bach, Eggersriet, Muolen und Häggenschwil angegliedert sind, Ende Jahr auf eigenen Wunsch.

Susanne Wild, bis Ende Jahr Präsident der KESB der Region St.Gallen. (Bild: Stadt St.Gallen/PD)

Susanne Wild, bis Ende Jahr Präsident der KESB der Region St.Gallen. (Bild: Stadt St.Gallen/PD)

Lüthi sagt, das Präsidieren einer Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde sei grundsätzlich eine anspruchsvolle Arbeit. Susanne Wild steht bis Ende Jahr der grössten der neun Kesb-Regionen im Kanton St.Gallen vor. Im Geschäftsbericht des Stadtrats für das Jahr 2018 heisst es, «auch im Berichtsjahr war der Arbeitsanfall konstant hoch».

Die Zahl der Fälle ging 2018 zwar moderat zurück. Allerdings wurden die Fälle beim Kindesschutz tendenziell konfliktbehafteter und anspruchsvoller, wie es im Geschäftsbericht heisst. Entsprechend zeitaufwendiger gestalteten sich die Verfahren. Wild wusste, worauf sie sich einliess. Sie arbeitete früher beim Vormundschaftsamt der Stadt und bei den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden in Arbon und im Rheintal.

2357 Dossiers in Bearbeitung

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region St.Gallen hat im vergangenen Jahr 2357 Dossiers bearbeitet, wie aus dem Geschäftsbericht 2018 des St.Galler Stadtrats hervorgeht. 2073 Dossiers gingen Klienten aus der Stadt St.Gallen an; das entspricht 88 Prozent. 238 Dossiers hatten Fälle aus Wittenbach zum Inhalt, 21 Dossiers stammten aus Eggersriet, 16 aus Muolen und neun aus Häggenschwil.

Bei 1402 Dossiers handelte es sich um Erwachsenenschutzfälle, bei 955 um Angelegenheiten des Kinderschutzes. 33-mal verfügte die Kesb eine fürsorgerische Unterbringung, 29-mal genehmigte sie Unterhaltsverträge, 22-mal erteilte sie eine gemeinsame elterliche Sorge, neunmal regelte sie das Besuchsrecht. Die Kesb genehmigte zudem 400 Rechenschaftsberichte und verfügte im vergangenen Jahr 198 Bei­stands­wechsel.

Im Vergleich zu 2017 sank die Anzahl der von der Kesb der Region St.Gallen geführten Fälle um 3,6 Prozent. Der Grund: Es konnten mehr Fälle abgeschlossen werden.

Eine Befürworterin der Kesb-Eigenständigkeit

Heute ist die Kesb in St.Gallen den Sozialen Diensten (SDS) angegliedert. Das ändert sich Anfang 2020: Sie wird eine eigenständige Dienststelle in der Direktion Soziales und Sicherheit. «Susanne Wild hat diese Neuausrichtung zu 100 Prozent mitgetragen und sich im Prozess eingebracht», ­sagt Lüthi. Der Prozess werde fortgeführt und umgesetzt.

Sicher ist gemäss Lüthi, dass es nach dem Abgang Wilds im Präsidium der Kesb eine Vakanz geben wird. Eine achtmonatige Vakanz gab es schon, nachdem Kesb-Prä­si­dentin Brigitte Brun im Februar 2018 den Hut genommen hatte. Lüthi sagt, die neue Vakanz solle nicht so lange dauern wie 2018, man werde alles tun, dass die Vakanz möglichst kurz sei.

Stadträtin Sonja Lüthi. (Bild: Michel Canonica)

Stadträtin Sonja Lüthi. (Bild: Michel Canonica)

Gegenwärtig werde das neue Jobprofil formuliert. Fürs Kesb-Präsidium brauche es Führungs­stärke und Fachkenntnisse. Dem Vernehmen nach solle es in der Amtsführung Wilds zu unge­wöhnlich vielen Kündigun­gen gekommen sein. Sonja Lüthi widerspricht: «Bei der Kesb sind über 30 Frauen und Männer beschäftigt. Es kam zu Kündigungen, die jedoch nicht mit der Amtsführung von Wilds im Zusammenhang standen. Die Fluktuation lag in dieser Zeit im normalen Rahmen.»

Vorerst keine räumliche Trennung

2020 wird die Kesb organisatorisch von den SDS ausgegliedert. Räumlich noch nicht. Vorläufig bleibt die Kesb am Bahnhofplatz, im gleichen Gebäude, in dem Teile der SDS untergebracht sind. Lüthi sagt, eine räumliche Trennung sei das Ziel. Derzeit würden das Raumprogramm finalisiert und zu­sammen mit der Baudirektion geeignete Räume gesucht. Ein Postulat, das Fragen zur Berufsbeistandschaft und zur Kesb stellt, ist beim Stadtrat hängig; bis März 2020 muss er Bericht erstatten.

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