Keiner fällt so gut wie er: Auszeichnung für Rorschacherberger nach Abschluss seiner Lehre zum Forstwart

Marius Fuchs hat mit der Bestnote 5,7 die Lehre als Forstwart abgeschlossen – in einem der gefährlichsten Berufe.

Lisa Wickart
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Noch steht der Baum, aber nicht mehr lange. Der Rorschacherberger Forstwart Marius Fuchs liebt die Arbeit im Wald. (Bild: Lisa Wickart)

Noch steht der Baum, aber nicht mehr lange. Der Rorschacherberger Forstwart Marius Fuchs liebt die Arbeit im Wald. (Bild: Lisa Wickart)

Eigentlich ist es ein heisser Tag, aber im Dickicht der Bäume weht ein kühles Lüftchen. Ausser dem Rauschen des Windes sind die zwitschernden Vögel zu hören, dazwischen in der Ferne die quietschenden Gleise unter dem vorbeifahrenden Zug. Plötzlich hallt es durch den Wald: «Achtung!» und eine Motorsäge heult auf. Inmitten der hohen Bäume knackt es und mit voller Wucht knallt ein Baumstamm auf den Waldboden. Neben dem gefällten Baum steht Marius Fuchs mit einer Motorsäge in der Hand und lächelt triumphierend. Er sagt:

«Holzernte mache ich am allerliebsten.»

Und das scheint er sehr gut zu können: Mit der Abschlussnote 5,7 ist der Rorschacherberger der beste Forstwartlehrling der Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. Schweizweit hat er sogar den fünften Platz erreicht und für sein Arbeitsbuch hat er die viertbeste Bewertung erhalten. Auf die Frage, wie man zum besten Forstwartlehrling wird, reagiert der 18-Jährige mit Schulterzucken: «Glück braucht es sicher auch.»

Vom Ergebnis überrascht

Anders sieht das sein Chef und Betriebsleiter des Forstbetriebs Goldach, Benjamin Gautschi: «Marius ist ein aussergewöhnlicher Lehrling.» Er sei stets fleissig bei der Arbeit gewesen und mit seiner ruhigen Art könnte er wohl in fast jedes Team gesteckt werden. Marius gibt anschliessend zu:

«Ich habe mein Bestes gegeben.»

Vom Ergebnis sei er ein wenig überrascht gewesen: «Ich wusste schon, dass ich gut bin, aber nicht, dass ich so gut bin», sagt er. Er habe sich sehr über die gute Note gefreut: «Ich bin wirklich stolz.» Obwohl er in der Oberstufe «nie der Typ Schüler» gewesen sei, habe ihm der Unterricht in der Berufsschule Spass gemacht: «Wenn einen etwas wirklich interessiert, lernt man gerne.»

Branche mit den meisten Berufsunfällen

Nebst der guten Note sticht der Rorschacherberger mit einem besonderen Merkmal heraus – er blieb bis jetzt unfallfrei. Das habe er geschafft, indem er vorausschauend arbeite und die möglichen Risiken immer im Blick habe. Für seine Vorsicht erwartet ihn nun eine Belohnung:

«Von der Suva bekomme ich nun eine Auszeichnung», sagt er.

Forstwart gilt als einer der gefährlichsten Berufe. Gemäss der Unfallversicherung Suva verletzt sich jährlich fast jeder zweite Lernende und schweizweit kommt es pro Jahr zu rund 1700 Berufsunfällen. Trotz der hohen Unfallquote in der Branche hat Marius schon immer Forstwart werden wollen: «Schon als kleines Kind bin ich immer mit meinem Vater in den Wald gegangen.»

Bei jedem Wetter im Freien

Da seine Eltern ein Forstunternehmen führen, ist er mit der Arbeit im Grünen vertraut. Dass er bei jedem Wetter im Freien arbeiten muss, störe ihn überhaupt nicht: «Heutzutage gibt’s gute Regenkleidung.» Man gewöhne sich schnell daran, bei Dauerregen oder eisiger Kälte draussen zu sein. Die harte Arbeit im Wald sei nicht für jeden. Es komme öfter vor, dass ein Lehrling nach dem Lehrabschluss den Beruf wechsle.

Marius will aber Forstwart bleiben, dabei ist er sich sicher. In Goldach wolle er jedoch nicht bleiben:

«Ich möchte an einem anderen Ort arbeiten und Neues lernen.»

Darum wechsle er zu einem Thurgauer Forstunternehmen. Er könne sich sogar bereits eine Weiterbildung vorstellen: «Ich würde gerne Förster werden.» Diese dauert zwei Jahre und kann nur an zwei Schulen in der Schweiz absolviert werden – in Lyss und in Maienfeld. Mit der Weiterbildung wolle er jedoch noch ein wenig warten: «Zuerst will ich im neuen Betrieb viele Erfahrungen sammeln.»