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Volljährigkeit: Keine Lust auf die Jungbürgerfeier

Das Interesse von Jugendlichen an den Jungbürgerfeiern nimmt in der Region immer mehr ab. Die Gemeinden versuchen einer Abschaffung der Feier mit Kompromissen entgegenzuwirken.
Susi Miara, Vivien Huber
Die Thaler Jungbürger feiern auf dem Schiff. (Bild: Christof Sonderegger)

Die Thaler Jungbürger feiern auf dem Schiff. (Bild: Christof Sonderegger)

Was früher bei vielen Jugendlichen ein Höhepunkt war, stösst heute auf immer weniger Interesse: die Jungbürgerfeier. In vielen Gemeinden findet das Fest deshalb nur noch alle paar Jahre statt, wenn überhaupt, obwohl sich die Programme sehen lassen können. So werden in Tübach Ausflüge oder Aktivitäten mit einem anschliessenden Abendessen angeboten, während man in Thal mit einer Schifffahrt auf dem Bodensee überzeugen will. Auch in der Gemeinde Horn habe man mit den Jungbürgern schon ein Radiostudio besucht oder eine Schifffahrt mit der «Emily» unternommen, sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Matthias Jutz.

«Man muss sich aber die Frage stellen, ob es wirklich die Aufgabe der Gemeinde ist, sich an jeder Feier mit spektakulären Attraktionen zu übertreffen, um die Jugendlichen zu motivieren», sagt Rolf Vorburger, Gemeinderatsschreiber von Steinach. Die Steinacher haben sich aufgrund der wenigen Anmeldungen für die nächste geplante Feier mit der Gemeinde Berg zusammengeschlossen. «Eigentlich geht es bei der Jungbürgerfeier doch um das Politische und nicht ums Kart-fahren», sagt Vorburger.

Keine Feier mehr in Goldach und Rorschacherberg

Der Gemeindepräsident von Goldach, Dominik Gemperli, sagt, dass es so schon viele Angebote für junge Erwachsene gebe. Eine Veranstaltung der Gemeinde scheine nicht mehr so interessant zu sein. Es werde immer schwieriger, mit Angeboten wie der Jungbürgerfeier zu begeistern. In Goldach wurde die Feier bereits seit einigen Jahren abgeschafft. Die Beteiligung der Jugendlichen sei nicht mehr gross gewesen. «Ich finde es sehr schade, dass kein Interesse da ist», sagt Gemperli. Falls sich dies irgendwann ändern sollte, könne man sich aber vorstellen, die Feier wieder einzuführen.

Auch Rorschacherberg hat die Jungbürgerfeier abgeschafft. «Die Jungbürgerfeier wurde zunehmend schlechter besucht, sodass wir sie ersetzt haben», sagt Gemeindepräsident Beat Hirs. «In diesem Alter unternimmt man wahrscheinlich lieber etwas mit Freunden. Die Feier sollte auch eine Art Klassenzusammenkunft sein», sagt Hirs. Ob das Bedürfnis nach einer Zusammenkunft bereits ein Jahr nach dem Abschluss schon bestehe, sei fraglich. Man habe nun aber einen guten Kompromiss gefunden: Alle Jungbürger der Gemeinde bekommen eine persönliche Einladung für ihre erste Bürgerversammlung, an der sie namentlich willkommen geheissen werden. «Jene, die kommen, sind meistens auch politisch interessiert», sagt der Gemeindepräsident. Die Anwesenden können nach der Versammlung noch ein Geschenk auswählen: Meistens seien es Kinogutscheine, Getränkegutscheine für das «Treppenhaus» in Rorschach oder Ähnliches. «Wir haben nicht vor, die Jungbürgerfeier wieder einzuführen. Mit der persönlichen Einladung an die Bürgerversammlung haben wir eine gute Lösung gefunden, mit der wir bis jetzt zufrieden sind.»

Ausnahmefall Untereggen

In Thal melden sich etwa 50 Prozent, in Untereggen 35 bis 40 Prozent der Jungbürger zu den Anlässen an. In Untereggen, Steinach und Horn findet die Feier alle zwei Jahre, in Tübach sogar alle drei Jahre statt. Warum die Jungbürgerfeier in Untereggen dennoch gut besucht ist, liege wohl daran, dass man sich im Dorf gut kenne und alle in die gleiche Schule gegangen seien, sagt der Gemeinderatsschreiber Robert Näf. «Für die meisten jungen Erwachsenen sind auch die Gemeinderäte keine Fremden, weil diese oft die Eltern von Freunden oder Bekannten sind.»

In Tübach sind die Anmeldungen konstant bei etwa 30 Prozent geblieben. Weniger Interesse zeigen die Rorschacher Jungbürger. Rund zehn Prozent besuchen das jährliche Essen mit dem Stadtpräsidenten und dem Stadtschreiber. Ähnlich sieht es in Rheineck aus: Im Durchschnitt nehmen zwischen fünf und zehn Prozent an der alle zwei Jahre stattfindenden Feier teil. Trotz attraktiver Sportprogramme seien die Zahlen rückläufig.

Auf Facebook über das Programm abstimmen

«Die Jugendlichen meinen, es handle sich bei der Jungbürgerfeier um einen biederen, formellen Anlass», vermutet Macedo. Er erinnert sich daran, dass früher die Jungbürgerfeiern immer eine Möglichkeit boten, alte Schulfreunde zu treffen. Heute seien die Jugendlichen so mobil und vernetzt, dass sie immer und überall die Möglichkeit haben, sich zu treffen und auszutauschen. Trotzdem hält der Stadtrat an der Feier fest, entschied sich jedoch dafür, sie nur noch alle zwei Jahre durchzuführen. «Wir haben seit einem Jahr ein Facebook- und Instagram-Konto», sagt Macedo. Über diese beiden Kanäle versuche man, jüngere Rheineckerinnen und Rheinecker zu erreichen. Kürzlich startete zum Beispiel eine Umfrage auf Facebook, mit der Frage, wie die nächste Jungbürgerfeier aussehen soll. «Auf die Antworten sind wir jetzt schon gespannt», sagt Macedo.

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