«Keine Kopie»: Tochter will ihrem Vater Fredy Fässler in die Politik folgen 

Die Tochter von Regierungsrat Fredy Fässler will mit ihrem Vater gleichziehen und in die Politik einsteigen.

Sheila Eggmann
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Salomé Fässler hat das Polit-Gen von ihrem Vater Fredy Fässler geerbt.

Salomé Fässler hat das Polit-Gen von ihrem Vater Fredy Fässler geerbt.

Bild: Nik Roth

Wenn Salomé Fässler etwas stört, will sie was dagegen unternehmen. Aktiv werden, «statt nur zu motzen», wie sie sagt. Die 20-Jährige kandidiert in diesem Jahr zum ersten Mal für den Kantonsrat, auf der Liste der Jungen Grünen. Ihre Wahlchancen schätzt sie als gering ein, doch sie denkt weiter: «Ich mache mich damit erstmals ein wenig bekannt und wer weiss, vielleicht sieht es in vier Jahren bereits anders aus.»

Anders aussehen, das tut es bei ihrem Vater Fredy Fässler schon lange. Der SP-Politiker ist seit 2012 in der St.Galler Regierung, er steht dem Justiz- und Sicherheitsdepartement vor, zuvor war er 20 Jahre im Kantonsrat, dort elf Jahre lang Präsident der sozialdemokratischen Fraktion. Im März stellt sich der 61-Jährige zur Wiederwahl als Regierungsrat.

Die Drei Weieren bedeuten für beide Heimat

Es hat leicht geschneit. Salomé und Fredy Fässler stehen vor dem Mannenweiher, er legt einen Arm um ihre Schultern. Sie haben sich die Drei Weieren als Sujet für ihr gemeinsames Foto ausgesucht, weil das Naherholungsgebiet für beide ein Stück Heimat ist. Er hat hier zwanzig Jahre gewohnt, sie ihre Kindheit verbracht.

Wie Politik funktioniert, hat Salomé Fässler zu Hause am Familientisch gelernt. Aber erst, als sie mit ihrer Sek-Klasse den Kantonsratssaal besichtigte, merkte sie, dass sie mehr weiss über das Thema, als viele ihrer Mitschülerinnen. «Aber nicht, weil ich irgendwelche politischen Bücher gewälzt habe, sondern weil ich das einfach mitbekommen habe daheim», sagt sie. Im vergangenen Sommer trat sie schliesslich einer Partei bei. Nicht in die gleiche, wie ihr Vater. «Das war keine Provokation», sagt sie. Ihr sei es einfach wichtig, sich für die Umwelt einzusetzen.

Dass die Tochter kandidiert, freut Fredy Fässler. «Als Papa bin ich stolz, das zu sehen.» Er habe aber auch den Anspruch an sich und an den Rest der Bevölkerung, dass man sich aktiv einbringe und versuche, die Gesellschaft mitzugestalten. Auch für ihn ist es daher selbstverständlich, dass er sich politisch engagiert. «Mir macht Politik zudem viel Spass», sagt er.

Fredy Fässler hat sich schon früh über Ungerechtigkeiten geärgert. Etwa habe er nicht verstanden, wieso einige Kinder hungern müssen und andere nicht, obwohl man ihm immer gesagt habe, dass es genug Essen für alle habe.

«Da habe ich mir als Bub gedacht: Irgendjemand muss da doch etwas dagegen machen.»

Später, als etwa 20-Jähriger, ist Fredy Fässler dann der SP beigetreten. Auch er hat früh für den Kantonsrat kandidiert, beim zweiten Mal, als er 32 Jahre alt war, wurde er überraschend gewählt.

Die Studienwahl (Rechtswissenschaften), das Fitnessabo, die Politik, George Ezra. Salomé und Fredy Fässler teilen viele Interessen. Doch eine Kopie von ihrem Vater, das ist Salomé Fässler nicht. Das soll sie auch nicht sein. «Wir haben unsere beiden Töchter zu selbstständigen Persönlichkeiten erzogen, die in der Lage sind, ihren eigenen Weg zu gehen», sagt Fredy Fässler. «Dass es da Unterschiede gibt, ist selbstverständlich.»

Er ist kulanter, sie strukturierter

Uneinig sind sie sich zum Beispiel bei Fragen zur Sicherheitspolitik: Er ist für den Kauf von Kampfjets für sechs Milliarden Franken, sie dagegen. Er ist für Militärinfoveranstaltungen in Schulen, sie dagegen. «Das ich in diesen Fragen eine andere Position vertrete, hat auch mit meinem Fokus zu tun, den ich als Militärdirektor habe», sagt Fredy Fässler dazu. Unterschiedlicher Auffassung sind sie auch beim Thema 5G-Antenne. Sie würde sie eher verbieten: «Ich finde es nicht sinnvoll, etwas zu installieren, von dem man die Auswirkungen noch nicht kennt.» Er meint: «Diese Diskussion hatten wir mit 2G, 3G und 4G schon. Ich habe nicht den Eindruck, dass es eine unmittelbare Gefahr gibt.»

Und abseits der Politik? Er kocht besser Fleisch. Sie ist Vegetarierin. Er ist kulanter. Sie ist strukturierter. Aber auch ungeduldiger mit ihm, wie sie sagt: «Weil mein Vater ein politisches Amt ausübt, denke ich manchmal: Mach doch mal was, du kannst ja!» Bei ihm hingegen dauere es sehr lange, bis der Geduldsfaden reisse: «Dafür bewundere ich ihn.»