Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Keine Hilfe für Vögel im Anflug: St.Galler Vogelpflegestation bleibt zu

Seit zwei Monaten steht die Wildpflegestation im Naturmuseum leer. Die Verantwortlichen haben eine schnelle Lösung angestrebt. Doch diese scheint in weite Ferne gerückt zu sein.
Christoph Renn
Die neue Wildvogelpflegestation im Naturmuseum steht seit Ende September leer. (Bild: Claudio Heller)

Die neue Wildvogelpflegestation im Naturmuseum steht seit Ende September leer. (Bild: Claudio Heller)

Dora und Christian Müller haben 28 Jahre lang verletzte Vögel in der Stadt St. Gallen gepflegt. Im Mai 2017 zügelten sie in die neuen Räume der Wildvogelpflegestation im Naturmuseum. Aus gesundheitlichen Gründen mussten sie aber Ende September die ehrenamtliche Arbeit beenden. Die neue Pflegestation im Naturmuseum steht seither leer. Eine Nachfolge für das Ehepaar Müller steht nicht in Aussicht. Hinzu kommt das Problem mit den nicht bewilligten Auswilderungsgehegen im Museumspark. Auch hier ist keine schnelle Lösung zu erwarten. Denn niemand übernimmt Verantwortung für diesen Missstand.

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Kanton und der Stiftung Wildvogelpflege stockt. «Wir haben noch keinen Nachfolger gefunden», sagt Elisabeth Zwicky Mosimann, Präsidentin der Stiftung Wildvogelpflege St. Gallen. Für sie sei aber wichtig zu wissen, wo die neue Wildvogelpflegestation dereinst sein werde.

Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner hingegen sagt, dass zuerst Personal und Kosten geregelt sein müssen, bevor die Stadt eine definitive Lösung bei der Infrastruktur bekannt gebe. «Wir prüfen momentan verschiedene Szenarien. Klar ist: Die Vogelgehege im Museumspark dürfen nicht genutzt werden (Tagblatt vom 2. Oktober). «Natürlich wäre es optimal, wenn wir die Gehege in der Nähe des Naturmuseums aufstellen können, damit wir die jetzige Wildpflegestation weiter nutzen könnten», sagt er. Sei dies nicht der Fall, sei es aber auch denkbar, dass ein neuer Standort näher geprüft werden müsse.

Neu muss der Kanton den verletzten Vögeln helfen

Noch vor zwei Monaten gab sich Zwicky Mosimann zuversichtlich. Es liefen bereits erste Gespräche, sagte sie damals. Nur spruchreif sei noch nichts. Nun, 60 Tage später, kann sie jedoch noch keine Nachfolge präsentieren. Für Robert Schmid vom Naturschutzverein der Stadt St. Gallen und Umgebung ist die jetzige Situation völlig unbefriedigend. Und er drängt zur Eile, endlich eine Lösung zu Gunsten der Tiere zu präsentieren. Ganz anders tönt es beim Kanton: «Es läuft auch so gut», sagt Dominik Thiel, Leiter Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen.

Seit dem Rückzug des Ehepaars Müller ist der kantonale Wildhüter Mirko Calderara in der Stadt St. Gallen für die verletzten Tiere verantwortlich. «Nach dem Erhalt einer Meldung führt er die Triage im Kanton durch», erklärt Thiel. Wenn der Vogel gepflegt werden soll, lässt der Wildhüter das Tier einer der bewilligten Pflegestationen zukommen.» Wie viele es wirklich gibt und wo sich diese genau befinden, bleibt indes unklar. Klar ist: Die Wildpflegestation im Naturmuseum war die bekannteste.

Im Gegensatz zu den Müllers nehmen die sieben Wildhüter aber nur Vögel aus dem Kanton St. Gallen an, nicht aus der ganzen Ostschweiz. Geht es nach ihm, stimmt diese Lösung. So positiv sich Thiel äussert, so negativ schätzt Schmid die Lage ein: «Das jetzige System ist untragbar. Die Wildhüter haben weder die spezifische Ausbildung noch die Zeit, sich genügend um die Tiere zu kümmern», sagt er. Selbst der Naturschutzverein wisse im Moment nicht, an welche verantwortlichen Personen sie die verletzten Tiere weiterleiten sollen. «Das war vorher mit den Müllers ganz anders.» Sie haben jährlich rund 600 Vögel wieder aufgepäppelt.

Es gibt keine Pflicht, eine Pflegestation zu führen

Immerhin spricht der Kanton der Stadt Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Standort zu. Thiel sagt aber auch, dass es keine Pflicht gibt, eine Pflegestation zu führen oder zu finanzieren. Für Robert Schmid sind das leere Worthülsen. Und er ist sich sicher: «Wenn es so weiter geht, wird es lange keine Wildvogelpflegestation in der Kantonshauptstadt mehr geben.» Und das sei ein Armutszeugnis, sowohl für die Stadt als auch den Kanton.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.