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Parkieren auf der Seepromenade: Rorschach macht keine Ausnahme für Behinderte

Gehbehinderte Gäste der Badhütte dürfen nicht zum Bad vorfahren oder dort parkieren. Einige von ihnen fühlen sich diskriminiert und setzen sich über das Verbot hinweg. Die Stadt bleibt konsequent.
Jolanda Riedener
Die Seepromenade bleibt Spaziergängern und Velofahrern vorbehalten. Die einzigen Ausnahmen sind Warenanlieferungen für Betriebe und Feste. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Seepromenade bleibt Spaziergängern und Velofahrern vorbehalten. Die einzigen Ausnahmen sind Warenanlieferungen für Betriebe und Feste. (Bild: Jolanda Riedener)

Mehrere gehbehinderte Gäste der Rorschacher Badhütte stellten ihr Auto jahrelang vor der Badeanstalt ab. Erlaubt gewesen sei das nicht, da auf der Seepromenade ein Fahrverbot gilt. Die Stadt Rorschach sieht sich in der Pflicht, das Verbot durchzusetzen. Sie stellte aber auch Handlungsbedarf fest beim Parkplatz-Angebot für gehbehinderte Besucher der Seepromenade. Deshalb errichtete die Stadt kürzlich an der Thurgauerstrasse, beim Parkplatz neben der Coop-Tankstelle einen IV-Parkplatz.

Es meldete sich darauf ein betroffenes Ehepaar in einem Leserbrief, erschienen in der Ausgabe vom Dienstag. Die Goldacherin Ruth Urbatzka leidet an Multiple Sklerose (MS), einer Erkrankung des Nervensystems. In der Schweiz leben rund 15000 Menschen mit dieser chronischen, unheilbaren Krankheit. Seit über zehn Jahren besucht Ruth Urbatzka die Badhütte in Rorschach. «Das Gefühl von tonnenschweren Gliedern wird im Wasser für kurze Zeit gelindert. Wenn meine Frau in der Badhütte ist, fühlt sie sich total selbstständig», sagt Andreas Urbatzka.

Badibesuch ohne fremde Hilfe bewältigen

Autofahren sei seiner Frau möglich, erklärt Urbatzka, die Unterführung vom Parkplatz an der Thurgauerstrasse zur Badhütte könne sie aber ohne fremde Hilfe nicht überwinden. Die Steigung sei für Rollstuhlgänger zu hoch. Das Angebot löse das Problem deshalb nicht. «Frühere Pächter der Badhütte haben sich für die gehbehinderten Gäste eingesetzt», sagt Andreas Urbatzka. Die derzeitige Pächterin Beatrice Trachsel, stört sich nicht daran, dass Gehbehinderte vor dem historischen Bad parkieren. Sie setzt sich aber auch nicht für sie ein, sagt Trachsel auf Anfrage: «Das ist Sache der Stadt.»

«Meine Frau ist ein Willensmensch», sagt Urbatzka. Jedoch nehme ihr Körper wegen ihrer Krankheit ihren Willen nicht an. Sie besuche mehrmals pro Woche eine Therapie. «Schwimmen stellt für sie aber die günstigste Therapieform dar.»

Die Stadt Rorschach habe die gehbehinderten Personen, die ihr Auto vor der Badhütte abstellten, ermahnt. Mit einigen sei man in Kontakt getreten. Da es sich bei der Seepromenade nicht um eine Begegnungszone handelt, sondern ein Fahrverbot gelte, gebe es keine Sonderbewilligungen für Gehbehinderte.

«Mit dem Gleichstellungsgesetz sollte der freie Zugang für alle zu öffentlichen Bereichen möglich sein», sagt Urbatzka. Anders interpretiert das Stadtpräsident Thomas Müller: «Wir müssen alle gleich behandeln, deshalb können wir niemandem vor der Badhütte parkieren lassen.»

Autos auf der Seepromenade werden nicht toleriert

«Die Besucher der Seepromenade stören sich extrem an Autos, die dort fahren», sagt Thomas Müller. Bei der Stadt würden jeweils viele Rorschacher deswegen reklamieren. «Wir haben deshalb auch die Zulieferer vom Seecafé Arion und der Badhütte angewiesen, Waren möglichst am Morgen zu transportieren», sagt Müller. Für die betroffenen Badegäste zeigt der Stadtpräsident wenig Verständnis, da die Strandbäder Goldach und Rorschach barrierefrei zugänglich sind. «Wenn wir bei jemandem eine Ausnahme machen, stehen plötzlich mehrere Autos auf dem Velo- oder Fussweg», sagt Müller. Weiter stört sich der Stadtpräsident daran, dass «Auswärtige uns sagen, was wir zu tun haben.» Er sehe aber noch ein weiteres Problem: Mit dem Auto vor der Badhütte zu wenden sei seit der Umgestaltung des Velowegs nicht mehr möglich. Man müsste dazu bis zum Arion weiterfahren.

Für Ruth Urbatzka seien die Distanzen in den Strandbädern zwischen Eingang, Garderobe und Toiletten zu gross. Das Ehepaar hofft deshalb auf ein Entgegenkommen seitens der Stadt. Für Müller kommt das nicht in Frage: «Behinderte dürfen auch nicht alles.»

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