Gossauer Stadtrat glaubt auch ohne Charta an Lohngleichheit

Monika Gähwiler-Brändle (SP) will vom Stadtrat wissen, ob die Stadt Gossau der Charta Lohngleichheit beitritt. Dieser erwäge einen Beitritt, dieser sei aber nicht dringlich.

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Die Gossauer Stadtrat sieht keine zeitliche Dringlichkeit, der Charta Lohngleichheit beizutreten. (Bild: Urs Bucher (10. Januar 2014))

Die Gossauer Stadtrat sieht keine zeitliche Dringlichkeit, der Charta Lohngleichheit beizutreten. (Bild: Urs Bucher (10. Januar 2014))

Die Stadt Gossau ist der Charta für Lohngleichheit noch nicht beigetreten. 14 Kantone und 47 Gemeinden haben ihren Beitritt erklärt. Deshalb reichte Monika Gähwiler-Brändle (SP) mit 18 Mitunterzeichnern die Interpellation «Beitritt der Stadt Gossau zur Charta Lohngleichheit im öffentlichen Sektor» ein. Sie will vom Stadtrat erfahren, warum Gossau – anders als etwa die Stadt Wil – noch nicht beigetreten ist. Für den Gossauer Stadtrat habe dieser keine zeitliche Dringlichkeit, schreibt er in seiner Antwort auf die Interpellation. Jedoch erwäge der Stadtrat einen Beitritt.

Keine zeitliche Dringlichkeit zum Beitritt habe die Stadt Gossau, weil sie für die Festlegung der Besoldungen schon seit Längerem mit einem Tool arbeite, welches die Anforderungen an jede Arbeitsstelle erfasst und bewertet, schreibt der Stadtrat weiter. Dabei werde nicht unterschieden, ob die Stelle von einer weiblichen oder männlichen Person besetzt sei. Bevor die Stadt der Charta Lohngleichheit beitreten würde, wolle sich der Stadtrat zudem vorab mit bereits beigetretenen Kommunen austauschen, um den konkreten Umsetzungsaufwand abschätzen zu können. Zusätzlich müssten noch Erfahrungen in der praktischen Umsetzung von Ausschreibungen im öffentlichen Beschaffungswesen gesammelt werden.

Keine Berichterstattung über Fortschritte

Monika Gähwiler-Brändle will weiter Antworten auf die Frage, ob der Stadtrat bereit sei, bis Mitte 2018 einen Umsetzungsplan für die nächsten drei Jahre vorzunehmen – sie reichte die Interpellation am 3. März ein. Hier verneint der Stadtrat klar. So schreibt er, dass ein Umsetzungsplan eine vorgängige Analyse der Situation und das Evaluieren möglicher Handlungsfelder voraussetze. Diese Grundlagen seien erst noch zu erarbeiten. Der Stadtrat prüfe aber, ob und auf welche Art ein «Monitoring Lohngleichheit» aufgebaut werden soll und wie dieses konkret auszugestalten wäre.

Auch die Frage, ob der Stadtrat über die Fortschritte bei der Umsetzung der Charta jährlich Bericht erstatte, beantwortet er mit einem Nein. Eine jährliche Berichterstattung betrachte der Stadtrat nicht als sinnvoll. Denn Massnahmen liessen sich in einem Jahr hinsichtlich ihrer Wirkung und ihres Nutzens nicht gescheit messen. Deshalb empfiehlt er eine fall- oder ereignisbezogene Berichterstattung. (ren)