Buslinie durch das Gossauer Zentrum polarisiert

Mit dem Fahrplanwechsel führt eine neue Buslinie durch den Gossauer Stadtkern, auch eine Haltestelle ist geplant. Eine Behinderung für den Verkehrsfluss, monieren die einen. Eine Entlastung freuen sich andere.

Noemi Heule
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Künftig könnte der Regiobus auf der St.Gallerstrasse vor dem Restaurant Sonne Halt machen. (Bild: Urs Bucher)

Künftig könnte der Regiobus auf der St.Gallerstrasse vor dem Restaurant Sonne Halt machen. (Bild: Urs Bucher)

Tag für Tag stockt der Verkehr auf der St. Gallerstrasse. Seit Jahren stockt auch die Suche nach einer Lösung zur Entlastung der Hauptschlagader durch die Gossauer Innenstadt. Zig Lösungsansätze wurden geprüft und allesamt verworfen. Zuletzt standen 16 Varianten im Raum, fünf davon wurden genauer geprüft. Das Resultat war für viele ernüchternd: Keine Lösung überzeugte, wie Stadt und Kanton im Frühjahr gemeinsam mitteilten. Stattdessen sollen die Gossauerinnen und Gossauer ihr Verhalten ändern und öffentliche Verkehrsmittel ausweichen.

Doch auch diese reihen sich auf der St. Gallerstrasse in die Autokolonne ein. Und sollen dies künftig öfters tun: Ab Fahrplanwechsel ist eine neue Buslinie geplant, die das Gossauer Zentrum besser erschliessen soll. «Ein Widerspruch», sind sich die beiden SVP-Kantonsräte Pascal Fürer und Beno Koller einig. Sie wenden sich mit einer einfachen Anfrage an die Regierung.

Buspläne stossen auf Unverständnis

Derzeit fahren die Busse der Linie 156 nach Andwil durch das Gossauer Zentrum, die Linie 159 fährt via Bischofszellerstrasse nach Arnegg und Andwil. Sie sollen nun zur neuen Linie 159 verschmelzen. Diese steuert das Zentrum statt über die Herisauer- über die Hirschenstrasse an und biegt beim Restaurant Hirschen in die St. Gallerstrasse ein. Weiter führt die Strecke über Arnegg und Andwil bis zur Haltestelle Mettendorf. Statt im Stunden- sollen die Busse auf der Strecke im Halbstundentakt verkehren.

Für die neue Buslinie ist auf der St. Gallerstrasse zudem eine neue Haltestelle auf Höhe des Restaurants Sonne geplant. Sie ist der Hauptkritikpunkt der Kantonsräte Fürer und Koller. «Unverständlich» sei dieses Vorhaben, schreiben sie in ihren Vorstoss, «denn dieser Fahrbahnhalt würde zu vermehrt stockendem Verkehr führen. Zudem sei die Haltestelle im Dreieck der bestehenden Haltestellen Bischofszellerstrasse, Gerbhof und Herisauerstrasse gar nicht notwendig. Ob die Regierung bereit sei, aus diesen Gründen von der Haltestelle abzusehen, wollen sie unter anderem wissen.

Für Bruno Huber, Geschäftsleiter der Regiobus AG, ergibt die geplante Haltestelle durchaus Sinn. Sie liege auf halber Linie zwischen den Halstestellen Gerbhof und Bischofszellerstrasse und decke eines der wichtigsten Einzugsgebiete ab. «Gerade Betagte oder gehbehinderte Menschen schätzen es, wenn sie keine langen Fussmärsche zu den Haltestellen zurücklegen müssen», schreibt er auf Anfrage.

Auch dem Vorwurf der Verkehrsbehinderung widerspricht er. Das Problem auf der St. Gallerstrasse seien nicht etwa die Busse, sondern der Individual-und Lastwagenverkehr.

«Die Busse für das Verkehrsproblem in Gossau verantwortlich zu machen, schösse deutlich am Ziel vorbei, denn würden die ÖV-­Nutzer auch noch mit dem Auto durch die Stadt fahren, wäre das Verkehrsproblem deutlich ­grösser.»

Die Haltestelle verspätet sich

Diese Meinung teilt SP-Kantonsrat und öV-Verfechter Ruedi Blumer. Für den ersten Vorstoss seines jungen Ratskollegen Pascal Fürer hat er kein Verständnis. Dieser sei nur aus Sicht der Autofahrer verfasst, sagt er. Um die St. Gallerstrasse zu entlasten, müsse man den ÖV stärken. Damit die Nachfrage steigen könne, müsse erst das Angebot attraktiv sein. Die Kantonsregierung sei für dieses Anliegen ohnehin der falsche Adressat. Und auch der Zeitpunkt falsch gewählt: «Es ist schade, wenn ein Vorhaben bereits torpediert wird, bevor die Planung abgeschlossen ist.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wird zwar die neue Linie 159, nicht aber die neue Haltestelle eingeführt, wie Markus Schait vom kantonalen Amt für Öffentlichen Verkehr sagt. Derzeit liege der Ball beim Tiefbauamt, das den Standort überprüft. Neben der Sicherheit und der Behindertengerechtigkeit ist auch der Verkehrsfluss ein Kriterium.