Kein Bus für den Kammelenberg: Quartierverein will «Mitfahrbänkli» für Senioren

Anwohner sind enttäuscht über den negativen Bescheid des Stadtrats. Der Quartierverein sucht andere Lösungen.

Laura Widmer
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Der Hohermuthweg beim Kammelenberg wurde vor Kurzem fertig gestellt. Die steilen Treppen eignen sich nicht für Personen mit einer Gehbehinderung. (Bild: Benjamin Manser)

Der Hohermuthweg beim Kammelenberg wurde vor Kurzem fertig gestellt. Die steilen Treppen eignen sich nicht für Personen mit einer Gehbehinderung.
(Bild: Benjamin Manser)

Der Entscheid ist gefallen: Die Anwohnerinnen und Anwohner des Kammelenbergs müssen auch künftig auf eine eigene Buslinie verzichten. Das hat der Stadtrat bekannt gegeben. Die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) hatten in Zusammenarbeit mit dem städtischen Tiefbauamt und dem Besteller des öffentlichen Personenverkehrs, dem Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons, eine Erschliessung geprüft.

Der Fachbericht hat gezeigt, dass eine Erschliessung mit einem Minibus mit rund 13 Sitz- und 5 Stehplätzen verkehrstechnisch machbar wäre. Eine solche Buslinie wäre jedoch insbesondere wegen des «geringen Kostendeckungsgrades nicht zweck- und verhältnismässig». Gemäss Stadtingenieur Beat Rietmann beträgt dieser bei der Bestvariante für den Kammelenberg lediglich 17 Prozent. Nötig wären mindestens 30 Prozent. Aus diesem Grund wird auch von der Einführung eines Probebetriebs abgesehen.

500 Unterschriften für das Anliegen

Geprüft wurde eine Buslinie Kammelenberg anlässlich einer Petition. Anwohnerinnen und Anwohner hatten im vergangenen Oktober 500 Unterschriften für das Anliegen gesammelt. Die Argumentation der Petitionäre: Viele ältere Bewohnerinnen und Bewohner könnten die steilen Treppen von den Haltestellen der Buslinie 6 nicht mehr gut erklimmen. «Heute, da die Förderung des öffentlichen Verkehrs allgemein propagiert wird, empfindet das Quartier die Erschliessung des Kammelenbergs als überfällig», schrieb das Komitee in seiner Petition. Auch sei das Quartier in den vergangenen Jahren stark gewachsen und habe sich baulich weiterentwickelt.

«Ich bedaure es sehr, dass der Stadtrat unsere Petition nicht entgegen nehmen konnte», sagt Stephanie Meyer vom Komitee auf Anfrage. Die Unterschriften hätten gezeigt, dass Bedarf für eine solche Buslinie vorhanden sei.

Bessere Anbindung an bestehende Linie

Statt eine neue Buslinie einzuführen, will die Stadt die Anbindung an den bestehenden öffentlichen Verkehr verbessern. Mit dem Hohermutherweg wurden vor kurzem eine «durchgehende und direkte Verbindung» fertig gestellt, die von der Kammelenbergstrasse über die Tutilo- und Tetznerstrasse bis zur St.Georgen-Strasse führt (siehe Infografik).

Quartiervereinspräsident sieht kein Potenzial

«Diese Lösung ist für ältere Leute nicht ideal», sagt Thomas Giger, Präsident des Quartiervereins St.Georgen. Die Treppen am Hohermutherweg seien relativ steil und eigneten sich deshalb nur bedingt für Menschen mit einer Gehbehinderung oder Senioren, die mit dem Rollator unterwegs seien. Grundsätzlich ist Giger jedoch mit der Begründung des Stadtrats einverstanden. Eine solche Linie für den Kammelenberg habe kein Potenzial und wäre zu wenig gefragt. Giger sagt: «Es macht keinen Sinn, wenn man das Kosten-Nutzen-Verhältnis anschaut.»

Auf dem Mitfahrbänkli auf Autofahrer warten

Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen. Laut Giger will sich das Petitions­komitee noch einmal treffen, um Alternativen zu prüfen. Im Gespräch sind etwa ein Ruftaxi oder ein Mitfahrbänkli. Wer auf einer der Bänke sitzt, wartet auf eine Mitfahrgelegenheit. Solche Mitfahrbänkli seien gemäss Thomas Giger «eine gute Sache» und werden in anderen Gemeinden bereits genutzt.

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