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Kehrtwende beim Ersatz der Sitze im Stadion Espenmoos: Nun gibt es doch Schalensitze

Die Sitze im Stadion Espenmoos sollten durch Klappsitze ersetzt werden. Nun sind Schalensitze doch wieder möglich – wegen Absprachefehlern zwischen Stadt und Kanton.
David Gadze
Nach der Sanierung, die bis Frühling 2020 dauert, wird die Haupttribüne des Espenmoos wieder aussehen wie früher – nur schöner als zuletzt. (Bild: Urs Jaudas (25. März 2014))

Nach der Sanierung, die bis Frühling 2020 dauert, wird die Haupttribüne des Espenmoos wieder aussehen wie früher – nur schöner als zuletzt. (Bild: Urs Jaudas (25. März 2014))

Risse im Beton, eintretendes Wasser, Sicherheitsmängel bei der Verglasung an der Rückseite: An der Haupttribüne des Stadions Espenmoos hat seit ihrer Fertigstellung vor 50 Jahren der Zahn der Zeit fleissig genagt. 2010 liess sie die Stadt im Inneren erneuern und neue Garderoben und Nasszellen einbauen. Doch an der Aussenhülle wurde nichts gemacht. Das ändert sich jetzt: In der letzten Augustwoche hat die Sanierung der Betonkonstruktion begonnen. Im Zuge dessen bekommt das Espenmoos auch neue Stühle.

Dies sorgte in den vergangenen Jahren für Diskussionen: Anfang 2014 gab die Stadt bekannt, die Schalensitze durch einfache Holzbänke ersetzen zu wollen. Nach einem Aufschrei von Fans und Freunden des Kultstadions, von dem seit dem Auszug des FC St.Gallen im Jahr 2008 nur die gebogene Haupttribüne übriggeblieben ist, krebsten Hochbau- und Sportamt jedoch zurück. 2017 präsentierten sie als Lösung den Austausch der Schalen- durch Klappsitze aus Holz. Das Stadtparlament stimmte im Oktober 2017 nach langer Debatte dem Kredit von knapp 2,3 Millionen Franken für die Sanierung zu.

Falsche Annahmen zum Mindestabstand

Jetzt aber erneut die Kehrtwende: Das Espenmoos bekommt doch wieder Schalensitze. Das bestätigt Stadtbaumeister Hans­ueli Rechsteiner. Die Vorabklärung habe damals gezeigt, dass es Klappsitze brauche, um die «Fluchtgeometrie» zu gewährleisten, also den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen den Stuhlreihen. Entsprechend habe man die Parlamentsvorlage ausgearbeitet.

Hansueli Rechsteiner, Stadtbaumeister der Stadt St.Gallen (Bild: PD)

Hansueli Rechsteiner, Stadtbaumeister der Stadt St.Gallen (Bild: PD)

Nach dem Ja des Parlaments habe das Hochbauamt ein Varianzverfahren mit vier eingeladenen Teams durchgeführt, also einen kleinen Architekturwettbewerb für die Gestaltung der Klappstühle. Martin Engeler vom Architekturbüro Benz­-Engeler habe hingegen überprüft, ob und unter welchen Umständen der Einbau von Schalensitzen doch möglich wäre – und herausgefunden, dass die Informationen der Stadt bezüglich des Mindestabstands nicht auf die besonderen Verhältnisse abgestimmt gewesen seien und dieser doch auch mit Schalensitzen gesichert wäre.

Der Grund für das Verwirrspiel: «Die Kommunikation zwischen dem städtischen Hochbauamt und dem kantonalen Amt für Feuerschutz war missverständlich», sagt Rechsteiner. Denn das Amt für Feuerschutz (AFS) habe auf Anfrage des Hochbauamts, welche Vorgaben für den Mindestabstand gelten, nicht den minimal zulässigen Abstand genannt, sondern «den wünschbaren».

Der minimal zulässige Abstand beträgt nämlich nicht, wie vom Hochbauamt aufgrund der Rückmeldung des AFS angenommen, 45 Zentimeter. Sondern – auch wegen der relativ kurzen Distanzen von den Sitzen zu den Treppen – 35 Zentimeter, also so viel wie bisher.

«Das gab uns genügend Spielraum, um Schalensitze einbauen zu können. Und das war ja von Anfang an unsere Wunschlösung.»

Das Architekturbüro Benz-Engeler habe den Zuschlag für den Auftrag bekommen, obwohl es die im Wettbewerb gestellte Frage – die Gestaltung der Klappsitze – eigentlich nicht beantwortete.

Die originale Passform ist noch vorhanden

Das Espenmoos bekommt nun praktisch die identischen Schalensitze aus Holz, die es in den vergangenen 50 Jahren hatte. Sogar die originale Passform sei noch vorhanden, sagt Rechsteiner. Die neuen Stühle müssten auf der Sitzfläche eine Öffnung für den Wasserabfluss haben, weshalb sie nicht exakt gleich sein werden wie die bisherigen.Hansueli Rechsteiner nimmt diese Wendung mit Humor – und Freude.

«Man kann nun den Kopf darüber schütteln. Aber auch wir dürfen in einem solchen Prozess schlauer werden. Und letztlich ist diese Wendung ein Glücksfall.»

Für die Stadt habe sie zudem den Vorteil, dass der Ersatz der Stühle etwas weniger kostet als die budgetierten 324'000 Franken. Denn die Herstellung der Schalensitze ist etwas günstiger als jene der Klappsitze, allerdings ist der Unterhalt etwas kostenintensiver. «Wenn wir mit dieser Lösung aber einen Beitrag zum Erhalt dieses baukulturellen Erbes der Stadt leisten können, lohnt sie sich auf jeden Fall.»

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