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Der Sohn ist weg – jetzt ist Wirt Mahmut zurück im St.Galler Kebabladen «Limon» – wenn auch nicht ganz freiwillig

Der ehemalige Wirt und Gründer des «Limon» im Linsebühl steht wieder hinter der Theke – nicht ganz freiwillig.
Marlen Hämmerli
Den Zeitungsartikel zur Restaurantübergabe hat Mahmut Özdemir rahmen lassen. Nun ist sein Sohn verschwunden. (Bild: Michel Canonica)

Den Zeitungsartikel zur Restaurantübergabe hat Mahmut Özdemir rahmen lassen. Nun ist sein Sohn verschwunden. (Bild: Michel Canonica)

Auf den ersten Blick ist es die perfekte Lösung. Im Januar 2017 übergibt Mahmut Özdemir das Restaurant Limon seinem Sohn. Dieser kennt Lokal und Gäste, denn der 23-Jährige hilft mit, seit er ein Teenager war. Er freue sich darauf, sein eigener Chef zu sein, sagte er damals dieser Zeitung. Auch Özdemir, der für alle Mahmut heisst, freut sich. 22 Jahre in der Gastronomie seien genug. Jetzt mache er erst einmal Pause.

Auf den zweiten Blick ist es eine schlechte Idee. Denn diesen Sommer steht das Restaurant plötzlich leer. Der Sohn ist Hals über Kopf geflohen. Zurück bleiben offene Rechnungen und ein verdrecktes Restaurant. Das alles weiss Mahmut noch nicht, als er in den Ferien erfährt, dass das Restaurant geschlossen ist. Erfolglos versucht er, seinen Sohn zu erreichen. Dann klebt jemand einen Zettel an die Tür. Das Lokal sei bis Anfang August zu. «Er wusste, dass ich dann ungefähr zurück bin», sagt Mahmut.

Volle Kehrrichtsäcke, kaputter Pizzaofen

Kaum aus den Ferien zurück, sucht der Bühlerer mit einer Angestellten das «Limon» auf. Volle Kehrichtsäcke stehen in der Küche, der Pizzaofen ist kaputt, ebenso der Grill. Geschirr fehlt und die Lüftung ist verdreckt. In der Wohnung über dem Kebabladen stehen zwei grosse, gepackte Koffer. «Jemand hat ihn wahrscheinlich bedroht. Er fürchtete sich so sehr, dass er alles zurückliess», mutmasst Mahmut.

Nach und nach erfährt er, was passiert sein muss. Sein Sohn sei ein Spieler.

«Er hat gewettet, gepokert, ist ins Casino gegangen und hat sich bei Kollegen verschuldet.»

Und nicht nur bei denen: Unbekannte rufen Mahmut an, fragen, wo sein Sohn stecke, er schulde ihnen Geld. Rechnungen und Mahnungen landen im Briefkasten.

Der Schuldenberg beläuft sich auf mehrere Zehntausend Franken. Wie konnte es soweit kommen? «Er hatte schlechte Kollegen, die seine Gutgläubigkeit ausnutzten», sagt Mahmut. Darunter litt auch der Betrieb: «Seit über einem Jahr hat er den Kopf nicht mehr beim Geschäft, weil er sich sorgte.» Bis es zu viel wurde. Über Umwege erfährt Mahmut, dass sein Sohn in die Türkei gereist ist und dort neuen Geschäften nachgeht.

Mahmut bezahlt die dringendsten Rechnungen – mehr nicht. «Ich bin sein Vater, aber er ist selbst für sich und sein Tun verantwortlich.» Sein Sohn sei schliesslich 26 Jahre alt.

In den vergangenen Wochen hat Mahmut das Restaurant auf Vordermann gebracht. Seit Anfang Oktober steht der 54-Jährige wieder hinter der Theke. Wer das Restaurant Limon betritt, wird von Mahmut empfangen – wie früher.

Die Gäste freuen sich über die Rückkehr

«Die Legende ist zurück», sagen Kunden. Einer bedankt sich per Whatsapp für die Rückkehr. Stolz zeigt Mahmut die Nachricht. Auch er freut sich – auch wenn er von seinem Sohn spürbar enttäuscht ist: «Es tut weh. Ich habe viel ins ‹Limon› investiert, ihm vertraut und ihm mein Baby gegeben.» Es sei ein Fehler gewesen, dem Sohn das Lokal zu verpachten, nicht nur weil dieser die Kurve nicht kriegte:

«Es ist schön, wieder zurück zu sein. Ich arbeite gerne in meinem Lokal.»

Das «Limon» an jemand anderen zu verpachten, kommt für Mahmut nicht in Frage. Nächstes Jahr feiert das Restaurant den 20. Geburtstag. Als es im Jahr 2000 eröffnete, war es erst der dritte Kebabladen auf Stadtgebiet. «Es ist ein spezielles Lokal», sagt Mahmut für seine Verhältnisse überraschend bescheiden. Nun werde er das Restaurant wieder aufbauen zu dem, was es war.

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