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Kaya Yanar rastet in St.Gallen aus

Es gibt unzählige Dinge, über die man sich im Alltag ärgern kann. Kaya Yanar hat jene, die ihn besonders wütend machen, zu einem Bühnenprogramm verarbeitet. Am Samstag gastiert der Comedian damit in St.Gallen.
David Gadze

Es gibt verschiedene Arten, seinem Ärger Luft zu machen. Manche fressen ihn in sich rein, andere lassen ihn lieber an Ort und Stelle raus. Zu letzteren gehört auch Kaya Yanar. In seinem neuen Bühnenprogramm «Ausrasten für Anfänger» lässt der Comedian das Publikum an den Dingen teilhaben, die seinen Puls im Alltag in die Höhe schnellen lassen. Am Samstag führt er es in St.Gallen auf.

Lautes Rumgebrülle ist nicht Kaya Yanars Art, auch nicht beim Ausrasten. Vielmehr möchte er dem Ärger «mit Humor und mit Stil» begegnen. Er habe das Gefühl, dass sich in den vergangenen Jahren eine «Ausrastkultur» entwickelt habe, erzählt er beim Gespräch in Zürich. «Man wettert insbesondere im Internet gegen alles und jeden.» Aber auch im gesellschaftlichen Zusammenleben seien es oft völlig banale Dinge, über welche sich die Menschen echauffierten. «Man kann ihnen jedoch nicht einfach sagen, dass sie damit aufhören sollen, denn offenbar nerven sie diese Dinge. Aber wie kann man ausrasten, ohne aggressiv oder beleidigend zu werden?» Yanars Antwort: Indem man den Ärger mit Lachen entwaffnet. «Das hat eine sehr befreiende Wirkung. Denn man kann nicht gleichzeitig wütend sein und lachen.»

Therapie für Künstler und Publikum

Mit Ausrasten kennt sich Kaya Yanar nur allzu gut aus. «Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der sich ständig jemand aufgeregt hat. So habe ich schon als Kind gelernt, dass es eine reinigende Wirkung hat, seinen ganzen Ärger verbal rauszulassen», erzählt der Deutschtürke. Er selbst rege sich im Alltag immer wieder auf. Dass er dies nun zu einem Bühnenprogramm verarbeitet hat, verdankt er seiner Schweizer Freundin, mit der er seit ein paar Jahren in der Nähe von Zürich lebt. Denn für ihren Geschmack rege er sich zu oft auf. Yanar sagt:

«Sie meinte: Du gehst auf Tour oder du machst eine Therapie.»

Dabei tritt der 45-Jährige in «Ausrasten für Anfänger» selber als Therapeut auf. Denn er belässt es nicht dabei, dem Publikum einfach seinen Ärger zu servieren, sondern bindet es in die Show ein und nimmt ihm den Ärger ab. In der Pause können die Zuschauerinnen und Zuschauer auf Yanars sozialen Kanälen mitteilen, was sie wütend macht. Der Comedian baut diese Beiträge im zweiten Teil der Vorstellung ein.

Er passt das Programm laufend an

Das ist sinnbildlich für Kaya Yanars Auftritte. Er versteht sich nicht bloss als Unterhalter, der Abend für Abend die exakt gleichen Sprüche klopft und so tut, als seien sie ihm soeben in den Sinn gekommen. Yanar passt sein Programm laufend an, er improvisiert, reagiert auf das Publikum und das Geschehen im Saal, baut lokale Besonderheiten oder Anekdoten ein. Wenn er über seine Witze lacht, ist das Lachen echt.

«Wenn etwas lustig ist, ist es das auch beim 100. Mal. Und eine gute Geschichte ist nicht nur lustig, sondern auch authentisch.»

Deshalb basieren seine Bühnenprogramme zu einem grossen Teil auf realen Erlebnissen. Yanar liefert keine lose Aneinanderreihungen von Gags, sondern erzählt eine Geschichte. Dabei ist sein Humor nie banal, nie verletzend, sondern intelligent und voller Witz und Wissen. Sein feines Gespür für kulturelle Eigenheiten und sein Sprachgefühl erlauben es ihm, die Gesellschaft in all ihren Facetten wunderbar zu karikieren. Auch das hat dem Frankfurter schon drei Deutsche Comedypreise eingebracht, 2014 jenen als bester Komiker.

Rassismus nicht mit Witzen schüren

Kaya Yanars Ethno-Comedy, die ihn mit dem TV-Programm «Was guckst du?!» Anfang der 2000er-Jahre einem breiten Publikum bekannt gemacht hatte, hat sich allerdings durch Geschehnisse wie den Aufschwung der AfD oder die fremdenfeindlichen Ereignisse von Chemnitz im vergangenen August geändert. Rassismus habe in seinen Programmen ohnehin keinen Platz, erzählt er. Ihn mit Witzen nicht zu schüren, sei manchmal eine Gratwanderung.

Nun gilt es aber, mit Kaya Yanar gepflegt auszurasten. Und sich dabei vielleicht auch über sich selbst zu ärgern oder zumindest über die Dinge nachzudenken, die einen wütend machen. Denn das Schönste (oder Lustigste) an Yanars Programmen ist, dass man sich darin immer wieder selbst erkennt – und über sich selber lachen kann.

Kaya Yanar - Ausrasten für Anfänger

Sa, 20.00, Olma-Halle 9.1; Tickets: www.ticketcorner.ch

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