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Überraschend viel Lob für St.Galler Marktplatz-Pläne

Am dritten und letzten Marktplatz-Forum in St.Gallen haben rund 60 Teilnehmer über die neuste Idee zur Gestaltung von Marktplatz und Bohl diskutiert. Die Reaktionen fielen positiv aus. Zu reden gaben aber die neue ÖV-Haltestelle und die fehlenden Bänkli.
Roger Berhalter
Heutige Situation an Bohl und Marktplatz: Gut erkennbar ist links die bogenförmige Calatrava-Halle sowie in der Mitte die Rondelle, die abgebrochen werden soll. (Bild: Michel Canonica)

Heutige Situation an Bohl und Marktplatz: Gut erkennbar ist links die bogenförmige Calatrava-Halle sowie in der Mitte die Rondelle, die abgebrochen werden soll. (Bild: Michel Canonica)

Der Tenor am Ende des Abends ist eindeutig: «Überraschend gut», «stimmig» und «gut umsetzbar» sei das neue Siegerprojekt für die Gestaltung von Marktplatz und Bohl. Alle äussern sich im Grundsatz positiv. Ein «gutes, schlichtes, geschmeidiges Projekt» habe die Stadt aufgegleist, eine «sehr gute Lösung», die «historisch feinfühlig» und «überraschend einfach» sei, «hervorragend» sogar.

Kein Wunder, macht Baudirektorin Maria Pappa an diesem Donnerstagabend im Kirchgemeindehaus St.Mangen einen zufriedenen Eindruck.

Letzte Änderungswünsche an den Stadtrat

Es ist das dritte und letzte «Forum Marktplatz», im Saal sitzen rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die alle ihr eigenes Interesse am Marktplatz haben: Anwohner, Hausbesitzer, Markthändler, Stadtparlamentarier, Detaillisten, Vertreter von Quartieren, Verbänden und Verkehrsunternehmen. Der Seniorenrat ist da, das Architekturforum, die Brauerei Schützengarten. Einen Abend lang diskutieren sie den neusten, mittlerweile dritten Entwurf zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl, den die Stadt am Mittwoch präsentiert hat.

Nach Abschluss des Wettbewerbs liegt nun eine Gestaltungsidee vor. Aufgabe der Forumsteilnehmer ist es an diesem Abend, dieser Idee Empfehlungen und Änderungsanträge hinzuzufügen. Bis im März soll der Stadtrat einen Bericht mit diesen Überarbeitungswünschen erhalten.

Heimatschutz vermisst die Rondelle

Der Heimatschutz St. Gallen/Appenzell-Innerrhoden bezeichnet das Resultat des Ideenwettbewerbs zum Marktplatz in einer Mitteilung als «eher bescheiden». Er bedauert insbesondere den Abbruch der Rondelle in der Marktgasse. Die Kleinbaute sei einer der wenigen zeittypischen Zeugen aus den 1950er-Jahren. «Der preisgekrönte Vorschlag beseitigt ein Original und schlägt dann doch vor, bei den neuen Pavillons das verschwundene Original zu zitieren.» Vorbehalte hat der Heimatschutz auch, weil «weitere Teile der konkreten Gestaltung» noch offen seien.

Astrid Staufer, die Präsidentin der Wettbewerbsjury, erläutert den Anwesenden zunächst die Projektidee. Die Zürcher Architektin sagt in Anspielung auf die freien Flächen, die das Siegerprojekt «Vadian» betont:

«Es ist heute meine Aufgabe, Ihnen Leere zu verkaufen.»

Die heutigen Rondelle werden nämlich gemäss dieser Plänen abgebrochen, dafür soll es auf dem Marktplatz einen neuen Pavillon geben.

Eine Haltestelle am Bohl wird nach Westen verschoben: Die Busse stadtauswärts halten weiterhin an der Calatrava-Halle am Bohl, jene Richtung Bahnhof aber an einer neuen Wartehalle beim Marktplatz. So wird im nördlichen Teil der Marktgasse, beim Vadian-Denkmal, Platz frei. Dort entsteht eine «trompetenförmige Ausweitung», sagt Astrid Staufer. Diese «Trompete» prägt als Bild die weiteren Diskussionen des Abends.

Schematische Ansicht der Altstadt mit der "Trompete": Jenem Teil der Marktgasse, der sich gegen den Bohl hin leicht ausweitet. (Bild: PD)

Schematische Ansicht der Altstadt mit der "Trompete": Jenem Teil der Marktgasse, der sich gegen den Bohl hin leicht ausweitet. (Bild: PD)

Als Erstes stellen die Teilnehmer Verständnisfragen. Wie funktioniert künftig die Anlieferung? Wo genau fahren die Taxis durch? Wo findet in Zukunft der Weihnachtsmarkt statt? Hat es noch Platz für Musikbühnen? Wird es Trottoirs geben? Ein Wasserspiel für Kinder und Familien? Wie viel Stauraum beanspruchen Postautos und Busse? Gibt es noch mehr Veloabstellplätze?

Die Form des Pavillons ist noch offen

Jurypräsidentin Astrid Staufer, Baudirektorin Maria Pappa und Stadtplaner Florian Kessler geben auf diese Fragen so konkrete Antworten wie möglich, weisen aber immer wieder darauf hin, dass es sich bei den neusten Plänen und Visualisierungen erst um ein Grobkonzept handle. Vieles sei schematisch zu verstehen und nicht zentimetergenau abgebildet. So seien etwa die Grösse, Form und Materialien des neuen Marktpavillons und der neuen Haltestelle noch nicht definiert. Dies werde erst im Bauprojekt geschehen.

Beim dritten Gestaltungsversuch von Marktplatz und Bohl geht die Stadt nämlich einen anderen Weg: Zuerst befinden Stadtrat, Stadtparlament und schliesslich das Stimmvolk über einen Rahmenkredit für die Neugestaltung, erst danach folgt das konkrete Bauprojekt.

Visualisierung des Siegerprojekts aus dem Ideenwettbewerb: So könnten Marktplatz und Bohl in Zukunft aussehen. (Bild: PD)

Visualisierung des Siegerprojekts aus dem Ideenwettbewerb: So könnten Marktplatz und Bohl in Zukunft aussehen. (Bild: PD)

Kein «Schlauch» zwischen Haltestelle und Fassade

Kritik wird im dritten Marktplatz-Forum kaum laut. Zu reden gibt aber die neue Haltestelle beim Marktplatz, die sich unmittelbar vor einer historischen Häuserfassade befindet. Eine Forumsteilnehmerin gibt zu bedenken:

«Man will nicht vor einer Glaswand stehen, wenn man aus dem Laden kommt.»

Man müsse verhindern, dass zwischen Haltestelle und Fassade ein «Schlauch» entstehe. Als Negativbeispiel erwähnt ein Teilnehmer die neue Bushaltestelle vor der historischen Fassade an der Kornhausstrasse am Bahnhof. Allseits vermisst werden Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang; die aktuellen Pläne zeigen kein einziges Bänkli. Stadtplaner Florian Kessler versichert aber, dass es noch Sitzgelegenheiten geben werde.

Überhaupt gelte es die freien Flächen mit verschiedenen Mitteln zu bespielen, ohne sie aber zuzumöblieren. «Leere ist schlecht, wenn sie nicht belebt ist», sagt Jurypräsidentin Staufer. Ein Forumsteilnehmer drückt es so aus:

«Freiraum ohne Nutzung ist einfach nur öde.»

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