Pendler, Hellseher und Sackgassen

UNTEREGGEN. Fast drei Wochen lang hat die St.Galler Kantonspolizei intensiv nach der vermissten Frau aus Untereggen gesucht. Sogar Taucher waren im Bodensee im Einsatz. Die Suche blieb erfolglos – bis die Polizei am Mittwoch auf den Schacht stiess.

Sarah Gerteis
Drucken
Teilen
Die Leiche wurde in einem Schacht hinter dem Wohnhaus entdeckt. (Bild: Dominik Bärlocher)

Die Leiche wurde in einem Schacht hinter dem Wohnhaus entdeckt. (Bild: Dominik Bärlocher)

Niemand konnte sich ihr Verschwinden erklären. Nicht die Unteregger, nicht die Polizei. Am Abend des 2. Dezember wurde die 43-jährige Frau, Mutter dreier Kinder, letztmals an ihrem Wohnort gesehen, am Morgen darauf wurde sie als vermisst gemeldet. Einziger Anhaltspunkt: Ihr Auto, ein grauer Peugeot 807, wurde gleichentags in Goldach entdeckt – unverschlossen und leer. Dann begann die Suche.

Die Polizei markierte auch am Donnerstag, dem Tag nach dem Leichenfund, Präsenz. (Bild: Ralph Ribi)
10 Bilder
Trügerische Idylle: Das Paar lebte zwar noch gemeinsam im Haus, jeder hatte aber schon einen neuen Partner. (Bild: Ralph Ribi)
Spezialisten der Kantonspolizei nehmen das Wohnhaus der Vermissten in Untereggen unter die Lupe. (Bild: Dominik Bärlocher)
Die Polizei erfuhr bei den Ermittlungen rasch, dass es zu Spannungen zwischen dem Ehepaar gekommen war. (Bild: Ralph Ribi)
Die Liegenschaft, wo die Frauenleiche gefunden wurde, ist abgesperrt. (Bild: Ralph Ribi)
Die Polizei versucht, Licht in die Geschehnisse zu bringen. (Bild: Ralph Ribi)
Das Paar hat drei minderjährige Kinder - sie werden betreut. (Bild: Ralph Ribi)
Der Ort des Leichenfundes ist abgedeckt. (Bild: Ralph Ribi)
Um den Schacht, wo die Leiche gefunden wurde, vor neugierigen Blicken zu schützen, wurden Planen aufgespannt. (Bild: Ralph Ribi)
Die Polizei suchte am Mittwoch im Garten der Liegenschaft nach der vermissten Frau - und wurde in einem Schacht fündig. (Bild: Ralph Ribi)

Die Polizei markierte auch am Donnerstag, dem Tag nach dem Leichenfund, Präsenz. (Bild: Ralph Ribi)


Jeden Stein umgedreht
«Wenn jemand verschwindet, wird in verschiedene Richtungen ermittelt», erklärt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei. Unfall, Suizid, Timeout, Gewaltverbrechen: Nichts könne ausgeschlossen werden. Die Polizei vermutete bald Letzteres und drehte jeden Stein in der Umgebung um. Taucher suchten im Bodensee von Rorschach bis nach Bad Horn, ebenso in einem Weiher in Untereggen. Die Polizei suchte das Seeufer ab, das Flussbett des Dorfbaches, bekannte Aufenthaltsorte der Frau, Spazierwege, die sie mit ihrem Hund bevorzugte.

Sie nahm auch das Wohnhaus und die Umgebung unter die Lupe, weil es laut Krüsi in der Ehe der 43-Jährigen mit ihrem 49-jährigen Mann, einem St.Galler Bankmitarbeiter, «Spannungen» gegeben habe. «Beide hatten bereits einen neuen Partner.» Doch die Suche blieb erfolglos.

Die Leiche wurde in einem Schacht hinter dem Wohnhaus entdeckt. (Bild: Dominik Bärlocher)

Die Leiche wurde in einem Schacht hinter dem Wohnhaus entdeckt. (Bild: Dominik Bärlocher)

Schacht mit Erde zugedeckt
Als am 13. Dezember eine Vermisstmeldung veröffentlicht wurde, gingen mehrere Hinweise bei der Kantonspolizei ein. Leute wollten die Frau gesehen haben, Pendler und Hellseher boten ihre Dienste an. Doch auch diese Informationen führten in eine Sackgasse. Schliesslich beschlossen die Ermittler, nochmals das Grundstück der Familie genauer zu untersuchen. «Es sah aus, als seien Umgebungsarbeiten gemacht worden», sagt Sprecher Hanspeter Krüsi. Dort machte die Polizei die grausige Entdeckung: eine weibliche Leiche in einem Schacht, der mit Erde zugedeckt war.

Leiche noch nicht identifiziert
Noch ist nicht bestätigt, dass es sich bei der Toten um die vermisste Frau aus Untereggen handelt. Vieles deutet jedoch darauf hin. Die Kantonspolizei hat denn auch bereits am Mittwochnachmittag den Ehemann der Vermissten verhaftet, weil «aufgrund der Erkenntnisse ein erster Tatverdacht» bestehe. Die minderjährigen Kinder und weitere Angehörige werden psychologisch betreut. Wenn die Leiche aus dem Schacht identifiziert worden ist, will die Polizei wieder informieren.