Kein Platz für Fahrende im Kanton St.Gallen

Fahrende leiden in der Schweiz unter Vorurteilen. Im Kanton St.Gallen, wo bereits Geld gesprochen wurde, blockieren Einsprachen die Umsetzung eines Durchgangsplatzes in Gossau. Im Thurgau gibt es zwar drei Durchgangsplätze, sie müssen aber dringend saniert werden.

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Fahrende aus Frankreich im Breitfeld, St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Fahrende aus Frankreich im Breitfeld, St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Mit einem "Tag der offenen Tür" haben die Jenischen am vergangenen Wochenende in Zürich auf die Problematik der fehlenden Stand- und Durchgangsplätze aufmerksam gemacht. Seit Anfang Mai besetzen rund 150 Fahrende das brachliegende Hardturm-Areal in Zürich.

Nach der Besetzung eines Areals in Yverdon-les-Bains am Wochenende haben sich die Fahrenden mit den Behörden darauf geeinigt, bis am Donnerstag bleiben zu dürfen. Unterdessen stellte der Kanton Waadt einen provisorischen Platz nahe der Stadt Lausanne in Aussicht.

Prekäre Verhältnisse im Thurgau
Die Forderungen der Fahrenden sind seit Jahren dieselben: Sie möchten mehr Standplätze für den Winter und mehr Durchgangsplätze, auf denen sie im Sommer Halt machen können. Solche Plätze sind für die Jenischen lebensnotwendig, um ihre Familie zu ernähren.

Ein Kiesplatz, sanitäre Anlagen und ein Stromanschluss: So einfach sieht ein Durchgangsplatz aus. Die meisten Autobahnraststätten sind luxuriöser ausgestattet. Die Fahrenden müssen für ihren Aufenthalt Miete bezahlen.

Auch in der Ostschweiz sei die Situation ungenügend, sagte Urs Glaus, Geschäftsführer der Stiftung "Zukunft für Schweizer Fahrende". Die Durchgangsplätze in Weinfelden, Frauenfeld und Märstetten müssten dringend saniert werden. "Wir machen die Thurgauer Gemeinden seit Jahren auf die prekären Verhältnisse aufmerksam", sagte Glaus.

Ablehnung im Kanton St.Gallen
Laut einem Gutachten der Stiftung aus dem Jahr 2010 sind schweizweit 82 Durchgangsplätze notwendig. Zwischen 2005 und 2010 sind sechs von 51 Durchgangsplätze aufgehoben worden, mit Benken auch der einzige im Kanton St.Gallen. Bemühungen des Kantons, neue Durchgangsplätze zu errichten, sind alle gescheitert. Vor zwei Jahren wurde in Thal ein Durchgangsplatz für Fahrende an der Urne abgelehnt.

In Gossau wird ein Projekt durch Einsprachen behindert. "Wir haben mit den Einsprechern verhandelt, aber leider keine Einigung erzielen können", erklärte Ueli Strauss, Leiter des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation. Im Sommer beginne der Kanton erneut mit der Suche nach geeigneten Standorten.

Der Durchgangsplatz sei ein kantonales Projekt, heisst bei der Gossauer Stadtkanzlei auf Anfrage. Der Stadtrat habe mit dem Verkauf eines Grundstücks im Industriegebiet Hand geboten. Er habe sich aber nie darum gerissen, dass Gossau einen Platz für Fahrende erhält. Der Stadtrat wird die drei Einsprachen voraussichtlich bis Anfang Juni behandeln.

Roma und Sinti nicht erwünscht
Ein grosser Teil der Schweizer Fahrenden gehören zur Gemeinschaft der Jenischen. Die ausländischen Fahrenden, die im Sommer durch die Schweiz reisen, sind in der Regel Roma oder Sinti und stammen mehrheitlich aus Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien.

Roma und Sinti sind in den meisten Schweizer Gemeinden nicht erwünscht. Die Stadt Winterthur verhängte in diesem Frühling ein Ausländerverbot. Die amtliche Formulierung lautet: "Die Nutzung des Durchgangsplatzes bleibt den in der Schweiz niedergelassenen Fahrenden und deren ausländischen Verwandten vorbehalten."

Von Frühling bis Herbst gehen Schweizer Fahrende von diesen Plätzen aus ihren Geschäften nach, bevor sie mit ihren Familien weiterziehen. Zum Beispiel auf einen Standplatz wie im "Schiltacker" in St.Gallen. Im November 2013 wurde der Standplatz für Fahrende eröffnet. Damit stieg die Zahl der Winterquartiere im Kanton auf drei. Der Platz in St.Gallen sei im Winter gut belegt und habe sich bewährt, so Glaus.

Die Zahl der Standplätze stieg mit jenem in St. allen 2014 auf 15, auch der Kanton Thurgau verfügt in Kreuzlingen über einen Standplatz. Das reicht aber längst nicht für die rund 3000 Schweizer Fahrenden. Laut einer Studie der Fahrenden seien mindestens 40 Standplätze notwendig. (sda)

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