ST.GALLEN: Kantonsschülerinnen setzen späteren Schulbeginn durch

Die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule am Burggraben dürfen in Zukunft länger schlafen: Nach den Sommerferien wird der Schulbeginn 25 Minuten nach hinten verschoben.

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Die Kantonsschüler am Burggraben dürfen nach den Sommerferien länger schlafen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Kantonsschüler am Burggraben dürfen nach den Sommerferien länger schlafen. (Bild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Was der BDP/GLP-Fraktion des St. Galler Kantonsrats nicht gelang, haben nun einige Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule erreicht. Ab dem Schuljahr 2016/2017 müssen sie frühestens um 7.55 Uhr statt wie bisher um 7.30 Uhr in die Schule.

BDP-Kantonsrat Richard Ammann hatte in der Februarsession mit einer Motion versucht, den Unterrichtsbeginn in der Volksschule auf 8 Uhr zu verschieben. Nicht nur die Regierung auch das Parlament lehnten den Vorstoss deutlich mit 75 gegen 31 Stimmen ab. Wenn am Morgen später mit dem Unterricht begonnen werde, müssten Lektionen auf den Nachmittag verschoben werden, gab Bildungschef Stefan Kölliker im Rat zu Bedenken.

Schülerorganisation darf mitentscheiden

Auch bei den Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule am Burggraben war das Thema präsent. «Ich war über die Motion von Richard Ammann informiert. Die Idee, den Unterrichtsbeginn zu verschieben, kam aber schulintern auf», sagt Paula Zimmermann, Präsidentin der Schülerorganisation, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Idee sei aus der Schülerschaft gekommen, da bekannt war, dass andere Schulen auch morgens später beginnen würden. Viele Lehrer seien auch an einem späteren Schulbeginn interessiert gewesen, da die Konzentration der Schüler morgens um 7.30 Uhr oft nicht so hoch sei. «Vor allem aber kam die Idee vom Schularzt. Er sieht den Vorteil von einem späteren Schulbeginn und er hat sich dafür auch sehr eingesetzt», sagt Paula Zimmermann.

Die Schülerorganisation sei an ihrer Schule sehr aktiv und bei wichtigen Entscheidungen als Schülervertretung immer dabei. Im vergangenen Jahr war Paula Zimmermann als Vertreterin der Schülerschaft in der Gesundheitskommission der Schule. Eine Arbeitsgruppe aus Lehrern, Schülern, einem Mitglied der Schulleitung und dem Schularzt setzte sich mit dem Thema Schulbeginn auseinander.

Leistungsfähigkeit stärken

Nicht nur viele Schlafforscher empfehlen, die erste Schulstunde später anzusetzen, damit die Kinder genügend Schlaf erhalten, auch die Schulleitung der Kantonsschule am Burggraben begrüsst die Verschiebung. Ein späterer Schulbeginn entspreche eher dem Lebens-, Arbeits- und Schlafrhythmus von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, sagt Marc König, Rektor der Kantonsschule am Burggraben. Die Schulleitung verspricht sich von der Änderung eine Stärkung der Leistungsfähigkeit der Schüler.

An den fünf Unterrichts-Stunden am Morgen ändere sich nichts. Die fehlende Zeit werde durch verkürzte Pausen und eine etwas später angesetzte Mittagspause kompensiert. Auch die Kantonsschule am Brühl, wo einige Lehrer des Burggrabens ebenfalls unterrichten, führt laut König nach den Sommerferien den späteren Schulbeginn ein.

Privatschulen haben früher reagiert

Untersuchungen hätten gezeigt, dass die innere Uhr von Teenagern anders als bei Erwachsenen ticke, hatte Richard Ammann Anfang Jahr in seinem Vorstoss argumentiert. Der Schulbeginn in der Oberstufe sei zu früh. Viele Privatschulen hätten bereits auf diese Erkenntnisse reagiert und den Schulbeginn auf 8 Uhr verlegt.

Jede Schulleitung müsse sich sorgfältig mit den Schülerinnen und Schüler ihrer Stufe auseinandersetzen, betont Marc König. «Wir beziehen uns bei der Änderung auf breit abgestützte Untersuchungen für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II.» Die Sekundarstufe II entspricht der beruflichen Grundbildung und folgt nach der obligatorischen Schulzeit. (sda)

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